1. Aachener Make Love Not War Parade

6. Oktober 2014 | Veröffentlicht von Walter Schumacher

Heute gab es die 1. Aachener Make Love Not War Parade

Aufgerufen hatte das Aachener Friedensforum und etwa 80 TeilnehmerInnen kamen zum Elisenbrunnen.

Im Aufruf hatte es gehießen:
„Im Zentrum der Veranstaltung steht unser Wunsch nach Frieden, der in der heutigen Zeit so bedroht ist wie lange nicht mehr. Politik und Medien handeln dabei nicht im Interesse der Menschen, wenn sie mit ihrer Kriegspropaganda Feindbilder aufbauen und Zwietracht zwischen den Völkern säen. Wir sehen darüber hinaus noch viele andere Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft und fordern deshalb:

  • keine deutschen Militäreinsätze im Ausland
  • sofortiger Stopp aller Waffenexporte
  • direkte demokratische Mitbestimmung
  • ein Ende der korrupten Finanzdiktatur
  • TTIP / Freihandelsabkommen stoppen
  • keine Gentechnik und kein Fracking
  • gesunde Nahrungsmittel ohne Massentierhaltung“

Von Elisenbrunnen startete mit einem lauten Musikwagen eine Demo durch die Aachener Innenstadt. Das ganze mit Musik und Tanzen, aber wenig inhaltlichen Durchsagen. Die Musiklautstärke und Demoablauf führte zu einer inhaltlichen und zu einer „Gender“seperation: Die Älteren blieben zurück, die jüngere Generation zog weiter mit.
Nach knapp 1 1/2 Stunden kehrte die Demo wieder zum Elisenbrunnen mit ca. 80 Leute zurück. Dort begannen die Redebeiträge.
Da es zufällig gleichzeitig ein Erstsemester-Treffen am Elisenbrunnen gab, gab es dann doch über 150 Zuhörer.
Wegen der fortgeschrittenen Zeit wurde die Rede vom AKB-Aachen nicht mehr vorgetragen. Wir dokumentieren sie im Folgenden:

——

Ich spreche über den von Obama kürzlich propagierten „ideologischen“ Krieg!

Liebe Friedensfreunde,

wie gut, dass unser Friedensnobelpreisträgers, seines Zeichens: Oberbefehlshaber des größten Kriegsapparates der Welt wieder einmal die Lesart des Weltgeschehens zurechtgerückt hat – erschien doch bislang alles auf dem Kopf zu stehen, unübersichtlich und verworren.
In der UNO-Vollversammlung am 24.September hörten wir klare Ansagen, klare Feindbilder, klare Botschaften:
……….kein Staat könne seine Nachbarn unterdrücken und dessen Territorium beanspruchen, das Völkerrecht müsse wieder angewandt werden, die Nationen müssten darin unterstützt werden, ihre eigenen Entscheidungen zu fällen, alle ´zivilisierten‘ Nationen müssten zusammenstehen gegen die ideologischen Killer, denen man mit der einzigen Sprache, die sie verstehen, mit der Sprache der Gewalt, begegnen müsse; die Zukunft werde denen gehören, die aufbauen, nicht denen, die zerstören; die Wahrheit werde aufgedeckt und: man müsse dem Krieg den Krieg erklären, dann werde das Ergebnis Frieden sein……

Die Diktion des Kampfes der „Guten“ gegen „das Böse“ kommt ja irgendwie bekannt vor – und dies eigentlich seit mindestens 13 Jahren; es hat sich allerdings eine leichte Veränderung eingeschlichen: denn wir hatten es nach jenem 11. September, als erstmals zum unheiligen Krieg gegen DEN Terror aufgerufen wurde, noch mit einer ganz konkreten Autorenschaft dieses Terrors zu tun – als da waren 19 muslimische Attentäter, Osama Bin Laden, Saddam Hussein, Ghaddafi, Hamas-Führer, sie wurden benannt, dingfest gemacht und zum Abschuss freigegeben werden; im Mittelalter hieß das, sie waren „vogelfrei“.

Mittlerweile zieht sich ein Gürtel der Verwüstung von Afghanistan, über Irak, Syrien, Gaza, Libyen, ist fast die gesamte arabische Region des Mittleren Ostens und Nordafrikas destabilisiert…
Hunderttausende von Menschen auf der Flucht in –vermeintlich- sichere Staaten…
aus Gesellschaften vertrieben, in denen sie vorher in einem relativen Frieden und halbwegs gesicherter Existenz leben und arbeiten konnten.

Unüberhörbar in Obamas Rede allerdings auch: es wird nichts passieren, was nicht in das Konzept der selbsternannten moralischen, sprich: militärischen Führungsmacht passt, Zitat: „Leadership will be needed!“

Wie vor 13 Jahren tönt es wieder: Kampf dem Terror durch die „Koalition der Willigen“, auch wenn das propagierte Feindbild in Form des IS jetzt diffus erscheint: durchgeknallte Horden, ideologische Sektierer, verblendete Jugendliche, junge Männer ohne Zukunft…..neuerdings sind sie auch überall zu finden, auch bei uns, gewissermaßen als „innerer Feind“……..

Wer sind denn diese Leute eigentlich?
Wie alle Kriegsmilizen zu allen Zeiten handelt sich hier – ganz platt – um bewaffnete und finanzierte Terrorgruppen, die vorgeben alle Sunniten zu sammeln und in einem sunnitischen Staat vereinigen, sie verfolgen eine totalitäre Ideologie…………Fakten, die ihren Geldgebern aber lange VOR deren Waffengang gegen die letzten säkularstaatlichen Bastionen dieser Region bekannt waren und in ihr machtpolitisches Konzept hervorragend hineinpassen – zu nennen sind hier: Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, mithin den reaktionärsten arabischen Kräfte, Türkei inklusive!
Da nützt auch die scheinheilige Entschuldigung Bidens gegenüber Erdogan nichts, er habe „das mit der Unterstützung des IS durch die Türkei“ nicht so gemeint. Ja, was nun? Soll die IS-Miliz bekämpft werden, oder nur, wenn sie „das Richtige“ tut? Soll Kobani vor den Augen der Welt dem Terror in die Hände fallen, weil „man die Türkei nicht verärgern will“ (Zitat ´heute journal‘, 6.10., 21.30 Uhr)?
Obama versteht jedenfalls das rhetorische Handwerk der Inhaltsverdrehung glänzend; dabei handelt es sich um die Methode des „doublespeak“- wie sie George Orwell benannt hat: „the ability to lie, whether knowingly or unconsciously, and to get away with it“ – „die Fähigkeit zu lügen, bewusst oder unbewusst, und damit durch zu kommen“- „and the ability to use lies and choose and shape facts selectively, blocking out those that don’t fit an agenda or program“ – „und die Fähigkeit Lügen zu benutzen und Tatsachen selektiv auszusuchen und umzuformen, indem man diejenigen Tatsachen, die nicht ins Programm passen, einfach weglässt“.

Die gesamte Thinktank-Elite der westlichen Regierungen, die sich seit dem Ende des sog. Kalten Krieges auf die entscheidenden Regionen der Welt gestürzt hat, wo ihre „Interessen“, d.h. ihre Ressourcen zu sichern waren, liefert die rhetorischen Vorlagen für die systematische Verdrehung der Fakten.
Die tatsächliche „Moral“ lautet: „divide et impera“ oder, wie schon vom ehrenwerten Henry Kissinger hinter vorgehaltener Hand bemerkt, „das Beste wäre, sie würden sich alle einfach gegenseitig die Köpfe einschlagen!“

Welche wackeren Friedensstreiter und aufrechten Kämpfer für die universalen Menschenrechte meint Obama da eigentlich?

An welche Moral soll die Weltgemeinschaft glauben?

Ein ideologischer Krieg – und dieser WIRD von Obama hier gepredigt – bedeutet genau das Gegenteil der Propaganda:
Missachtung der Menschenrechte, völkerrechtswidrigen Einfallen in souveräne Staaten, Aktionen systematischer Destabilisierung durch lang angelegte Geheimdiensttätigkeiten, gezielte Tötung von Führungskadern, Benennung des Terrors gegen die Zivilbevölkerung als „Kollateralschaden“ – überhaupt die komplette Umbenennung von Menschenrechtsstandards in ihr Gegenteil.

Mr President: aus Krieg folgt Krieg…. nicht: Frieden!

Und die überwältigende Mehrheit der Menschen dieser Weltgemeinschaft will in Frieden und menschenwürdig leben ….

Aber was steht uns noch bevor?
Assad-Syrien wird sich wehren, Iran wird sich wehren, Putin wehrt sich, die Palästinenser werden ihren Kampf für einen eigenen Staat nicht aufgeben – die Prognosen laufen auf einen sich weiterhin über Jahre hinziehenden Krieg hinaus, einem Krieg, bei dem Syrien verloren gehen wird, bei dem es keinen kurdischen Staat – möglicherweise dafür aber „afghanische Verhältnisse“ mit keinerlei Aussicht auf eine Wiederherstellung wirklich ziviler, d.h. friedlicher Lebensbedingungen; statt dessen werden weiterhin sog. ideologische Sektierer produziert…

Der „ideologische“ Krieg, angeführt von der NATO und von Obama rechtfertigt Menschenrechtsverletzungen in großem Stil – er tritt die tatsächlichen Werte der Weltgemeinschaft mit Füßen! Er ist prinzipiell unmoralisch!

Dafür lassen wir uns nicht gewinnen!

Wir fordern:

  • Keine Waffenlieferungen für die reaktionären arabischen Staaten!
  • Wahrung der Souveränität Syriens!
  • Menschenwürdige Lösungen der Flüchtlingssituation hier in Deutschland!
  • Die Verlogenheit des „Kriegs gegen den Terror“ seitens Bundesregierung muss aufgezeigt und die unwürdige Berichterstattung der gleichgeschalteten Medien muss beendet werden!

Denn: „Jeder Krieg beginnt mit einer Lüge!“

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