In der Höhle des „Löwen“

5. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Robert Borsch-Laaks

Der Blick von innen

17 Ins Sitzungszimmer des Innenministers hätten nach Maßgabe der vorhanden gepolsterten Ledersessel doppelt so viele hineingepasst, wie eingelassen wurden.
Auf dem Konferenztisch stapelten sich bald die mitgebrachten 7 Kisten mit 105.000 ausgedruckten Online Unterschriften. Ein zugezogener Vorhang schirmte den Raum auch optisch von denen „da draußen“ ab, den Unterstützern der Petition, den Reportern und der ARD-Kamera.

Drinnen davor stand der umgerüstete Gartenschlauchwagen, auf dem die Unterschriftenlisten aufgerollt waren, auf denen über 10.000 Unterzeichner handschriftlich ihre Meinung gesagt hatten.

15Joris Creemers, Consieller securité nuclaire des Ministers, ein alerter Mittdreißiger empfing die Delegation betont freundlich und warf einen erstaunten Blick auf das Schild, das Marc Alexander, Antwerper Teilnehmer der Delegation, vor sich auf den Konferenztisch stellte. Dort stand die aktuelle Gesamtzahl der Unterzeichner: 164.765 (Stand. 04.12. 14.00 h).

Eine Stunde mit Wahrheit?

Kurz gefasst wurde das Gespräch von einem Mantra des Ministeriumsvertreters begleitet: Der Minister vertraue der FANC, die unabhängig sei und im Rahmen der gegebenen Regularien ihre Arbeit gemacht hätte.
21Da die Unterredung aber insgesamt etwa eine Stunde dauerte, wurde es durchaus sicherheitstechnisch konkreter. Es steht nun die Behauptung im Raum, dass die „unerwarteten Resultate“ der Bestrahlungsversuche im Kernforschungszentrum Mol, die im März 2014 zum außerplanmäßigen Abschalten der Reaktoren führten, in die Berechnungen zur aktuellen Sicherheitsmarge eingeflossen seien. Auch die abweichende Meinung eines Mitglieds der von der FANC ausgewählten internationalen Expertenkommission, wäre in den Nachberechnungen berücksichtigt worden.
Das gilt es zu prüfen – neben vielen anderen Punkten in den Dokumenten (insgesamt 500 Seiten), die seitens der FANC auf ihrer Website präsentiert werden. Die neue „Transparenz“, die Creemers betonte, hat allerdings dunkle Seiten, wie der belgische Delegationsteilnehmer Léo Tubbax aus der Wallonie erläuterte. Schon Anfang Oktober hatte er die FANC um die Übermittlung des „Safety case“-Dossiers der Electrabel (Betreiber der AKW) gebeten, das zu diesem Zeitpunkt bereits vorlag. Dieses wurde trotz energischem Nachhaken erst am 17.11. zugestellt – wenige Stunden vor der Veröffentlichung der Entscheidung der FANC für den Neustart.

Fakten geschaffen – Diskussion beendet?

Das Prinzip heißt also augenscheinlich: Erst Fakten schaffen und dann die Öffentlichkeit mit Material zuschütten, das – soweit in der Kürze der Zeit erkennbar – größtenteils Altbekanntes enthält. Die Suche nach überzeugenden Belegen für die aufgestellte Behauptung der erweiterten Sicherheitsprüfung, ist nach Aussage des deutschen Delegationsteilnehmers, Robert Borsch-Laaks aus Aachen, der nächste Schritt, der seitens des Aachener Bündnisses bereits eingeleitet wurden. Voraussichtlich im Februar wird eine erweiterte Konferenz derjenigen internationalen Experten stattfinden, die schon Anfang 2014 Unzulänglichkeiten in den Sicherheitsbewertungen der FANC aufgedeckt hatte.
Eine Niederländische Delegierte (Thessa Meijlis) brachte an Ende die Diskussion auf den Punkt, warum alle da waren. Herr Creemers akzeptierte im Namen des Ministers die Annahme der Petition und unterzeichnete dreimal die ihm von der Delegation vorgelegten Empfangsbestätigungen in drei Sprachen.
Er wird seinem Minister mitteilen müssen, dass es da etwas ist in der Zivilgesellschaft gibt, was die atomare Friedhofsruhe in Belgien stört – und damit auch nicht aufhören wird.

Nachtrag am 8.12. Video zur Übergabe
Mittlerweile gibt es auf einer niederländischen Webside einen Bericht und ein Video zur Übergabe: Sehenswert!!

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