Vortrag Thomas Auchter: Warum Krieg?

20. März 2016 | Veröffentlicht von Veronika Thomas-Ohst / ws

Veranstaltungsbericht „Die erträumten Heldentaten blieben aus“

P1160657Exakt einhundert Jahre nach der Schlacht bei Verdun, die am 21. Februar 1916  begann, erinnerte der Aachener Psychoanalytiker und Dipl. Psychologe Thomas Auchter in einem bewegenden Vortrag vor etwa 20 ZuhörerInnen an das Zustandekommen und die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges. Ebenso wie Verdun heute als Mahnmal dient, sollte dieser Vortrag der Erinnerung dienen.Die Auswirkungen von zwei Weltkriegen, die Ermordung von Millionen Menschen, die Gräueltaten und Traumatisierungen der beteiligten Soldaten, die Qualen und Traumatisierungen der Opfer konnte Thomas Auchter, der anhand seiner eigenen und der Biografie seines Großvaters, dessen Feldpost er mit Bildern von der Front, den Schützengräben und der auf ihn wartenden Verlobten zu einem Bildvortrag bearbeitete, empfinden, analysieren, verstehen und erzählen.
Die Perversion des Krieges kann kaum klarer dargestellt werden, als sein Vortrag es vermochte. Er verknüpfte seine Erfahrungen und Erkenntnisse der Psychoanalyse auch mit seinen eigenen Erlebnissen als Nachkriegskind im besetzten Berlin ab 1948.
Sein Weg der Erkenntnis und der Bruch des Schweigens mag für uns alle ein Beispiel sein zur Reflexion unserer eigenen Geschichte, denn wer im Schweigen bleibt und seine eigene Geschichte verleugnet ist dazu verdammt sie zu wiederholen.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit einem Lied von Hannes Wader mit leichten Abänderungen von Kurt und Josie von der Kabarettgruppe Muita Merda.

Wenn die Menschen, die einen Krieg erklären, ihn auch selber ausfechten müssten, statt anderer Leute Kinder zu schicken, gäbe es keinen einzigen Krieg.  Kriege gibt es nur deshalb, weil die, die daran verdienen andere sind, als die, die daran verbluten.

Es ist an der Zeit —
(Hannes Wader / Kurt Lennartz)

Weit in der Champagne im Mittsommergrün,
da wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blühn.
Da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht
im Wind, der ganz sanft übers Gräberfeld streicht.
Auf Deinem Kreuz finde ich, toter Soldat,
Deinen Namen nicht, nur Ziffern und jemand hat
die Zahl 1916 gemalt
und Du warst nicht einmal 19 Jahre alt.

Refrain:
Ja auch Dich haben sie schon genauso belogen,
so wie sie es mit uns heute immer noch tun.
Und Du hast ihnen alles gegeben:
Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben.

Hast Du toter Soldat je ein Mädchen geliebt?
Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt,
können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeih’n,
warst Soldat, um zu sterben, nicht um jung zu sein.
Vielleicht dachtest Du Dir: Ich sterbe schon bald,
nehme mir mein Vergnügen, wie es kommt, mit Gewalt.
Dazu warst Du entschlossen, hast Dich aber dann
vor Dir selber geschämt und es doch nicht getan.

Soldat, gingst Du gläubig und gern in den Tod?
Oder hast Du verzweifelt, verbittert, verroht,
Deinen wirklichen Feind nicht gekannt bis zum Schluss?
Ich hoffe, es traf Dich ein sauberer Schuss.
Oder hat ein Geschoss Dir die Glieder zerfetzt?
Hast Du nach Deiner Mutter geschrien bis zuletzt?
Bist Du auf Deinen Beinstümpfen weitergerannt?
Und Dein Grab birgt es mehr als ein Bein, eine Hand?

Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur
Von Deinem Leben, drum hör meinen Schwur:
Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein.
Fällt die Menschheit noch einmal auf Kriege herein,
dann kann es gescheh’n, dass niemand mehr lebt,
niemand, der die Milliarden von Toten begräbt.

Darum mische Dich laut und rechtzeitig ein,
wenn gesagt wird: Der Moslem soll Dein neuer Feind sein.