Anti-AKW-Protest bei Auftritt von Minister Wathelet

27. November 2013 | Veröffentlicht von Walter Schumacher / mt

Anti-AKW-Protest in Belgien

Am alleur-2-kleinDienstagabend gab es in Alleur, einem Vorort von Lüttich eine Wahlveranstaltung der belgischen Partei CDH (Centre Démocrate Humaniste, ehemals „Christlich-Soziale Partei“). Es kamen etwa 50 BesucherInnen in den Gemeindesaal, davon etwa ein Drittel Umweltaktivisten aus Belgien und Deutschland.

Geplant waren Beiträge von les valeureux (tapferen) colibris, einer kleinen lokale belgische Umwelt- und anti-nukleare Gruppe und dem Minister Wathelet, der als Verantwortlicher die Verlängerungen der Laufzeit von Tihange-1 um weitere 10 Jahre auf insgesamt 50 Jahre (sic!) genehmigt hat.

Aufgerufen zu der Veranstaltung hatte sowohl die CDH als auch die Organisation Colibris. Deren Sprecher Serge Fontaine sollte in der ersten Runde auf dem Podium sitzen und gemeinsam mit dem Minister diskutieren.

Redebeiträge

Serge Fontaine hatte in einem sehr kurzen Beitrag seine kritische Haltung zur Atomindustrie und insbesondere zur Verlängerung der Betriebsgenehmigung ausgesprochen. Danach sprach der Minister in einem 50 minütigen, eloquenten Vortrag über die Probleme bei der (belgischen) Stromerzeugung, wobei er alle klassischen Argumentationsmuster bemühte, warum die nukleare Stromerzeugung noch für viele Jahre unumgänglich wäre.

Kritik an Wathelet

Während seiner Rede standen zwei Aktivsten auf und zeigten ein großes Transparent 

(Aufschrift in deutsch: Herr Minister: was werden sie ihren Kindern Margaux, Melchior et Julien sagen, falls 2016 ein größerer Unfall in Tihange geschieht?)

Kritik an der Kritik

Als Reaktionen lief der Ministers mehrfach sichtlich hochrot an. Er war offenbar empört, machte aber zu dem Transparent keinen Kommentar, weder im kritischen Sinn den Protestierenden gegenüber noch ging er auf das Gefährdungspotential von Tihange ein.
Unter den Aktivisten gab es nach der Veranstaltung ebenfalls Diskussionen. Die einen hielten die persönliche Form des Protestes auf dem Transparent wegen der Nennung der Kinder des Ministers für zu scharf. Die anderen argumentierten, dass sie sich bewusst für diese Form entschieden hätten, um dadurch klarzumachen, dass politische Entscheidungen – wie die Verlängerung der Laufzeit eines maroden Reaktors – Auswirkungen auf das Leben Vieler haben könne. Insbesondere sei eine solche Entscheidung von Ignoranz gegenüber nachfolgenden Generation geprägt – ergo eben auch von Ignoranz gegenüber seinen eigenen Kindern.

Aber es kam etwas anders

Geplant war im Anschluss an die Reden eine Publikumsfragerunde und cimg1089-kleindanach eine „gruppendynamische“ Struktur, bei der die Besucher (verteilt auf Tische mit jeweils einem CDH-„Moderator“) Alternativen zur Nukleartechnik skizzieren sollten.

Aber am Ende seine Vortrags wurde dann sowohl Serge Fontaine als auch den übrigen Besuchern klar, dass es weder weitere Fragen seitens Colibries noch aus Publikum an Herrn Wathelet zugelassen werden würden. Vielmehr sollte es sofort mit dem gruppendynamischen Übungen weitergehen. Das führte zu erheblicher Unruhe und Zwischenrufen. Letztlich verließ die Mehrheit der Umweltaktivisten den Saal, während die Verbleibenden sich zu den vorbereiteten Tischen begaben.
Über den weiteren Verlauf bzw. das Ende der Veranstaltung liegt bisher noch kein Bericht vor.

Artikel weiterempfehlen: