Anti-Kohlen-Kette & Pro-Kohle-Lobby & dümmste Gewerkschaft

26. April 2015 | Veröffentlicht von Walter Schumacher / js

Die Anti-Kohlen-Kette in Garzweiler, die Pro-Kohle-Lobby und die dümmste Gewerkschaft der Welt

IMG_6550Die Fakten sind einfach erzählt:

  • Der Abbau der Braunkohle und deren Verbrennung zerstört Landschaften, zerstört gewachsene Dörfer und menschliche Gemeinschaften – und so ganz nebenbei auch noch das Klima.
  • Hiergegen agitieren Umweltschützer seit Jahren – und sie haben am 25.4. eine Aktion „Anti-Kohlen-Kette“ in Garzweiler organisiert.
  • Hiergegen wiederum hat die IGBC (1) mit Unterstützung von RWE & Co. eine „Kundgebung der Beschäftigten im Braunkohlentagebau“ (2) organisiert.

Durch den Stopp der Braunkohleverbrennung würden einigen Unternehmen gigantische Gewinn entgehen – und einigen tausend Menschen auch Jobs verlieren, die aber bei einer anderen Art der   Energieerzeugung locker wieder entstehen würden – nur eben nicht am Arbeitsplatz in DEM Industrieunternehmen. Klar, dass da persönliche Vorteile einiger Leute aufgegeben werden müssen – aber deren Vorteil muss man auch gegen die Nachteile der vielen Anderen bspw. der „Umgesiedelten“ bzw. der durch Klimakatastrophen geschädigten Menschen abwägen!
Und bei diesem Konflikt steht die IGBC (mal wieder) auf der Seite der Unternehmen, vielleicht auch noch auf Seiten einer kleinen Klientel/Spektrum in der Klasse der arbeitenden Menschen (3), aber ganz sicher gegen die Interessen der Bevölkerung.  Hier stellt sich die Frage: Wo genau liegen eigentlich die Interessen der arbeitenden Menschen (3)? Dort wo die IGBC sie sieht oder dort, wo die Gegner der Braunkohlenverbrennung sie sehen?

Die TAZ hat zum Thema nun im Artikel „Kampf um die Kohle – Die dümmste Gewerkschaft der Welt“ veröffentlicht, der den Kern trifft. Lest selber hier http://taz.de/Kampf-um-die-Kohle/!158815/

Zu der Kohlen-Kette in Garzweiler

IMG_6542gibt es viele gute Berichte in den lokalen Medien. Es gab BesucherInnen von überall: viel aus unserer Region, aber auch einige Hunderte aus der Lausitz, wo es die gleichen Probleme mit der Braunkohle gibt. Aber auch die IMG_6534Trennung von der ansässigen Bevölkerung konnte durchbrochen werden: schließlich erzeugt die Braunkohleförderung auch bei den Menschen heftige Konflikte, die durch den Braunkohlen-Tagebau ihre Wohngebiete – in diesem Fall kann man mit Fug und Recht auch „Heimat“ sagen – verlassen müssen.
IMG_6549Die Zahlen werden natürlich offiziell runter gerechnet, aber es wird zumindest ausführlich berichtet.
Politisch spannend ist, ob es den Umweltgruppen gelingt, sich von der RWE-Mafia nicht spalten zu lassen. Es besteht nun mal ein reales Problem darin, dass sich AktivistInnen entscheiden müssen: entweder gegen AKWs ODER gegen Braunkohle ODER gegen Fracking engagieren; überall gleichzeitig zu sein wäre sicher ziemlich ineffektiv. Und durch die getrennten Arbeitsfelder entsteht die Gefahr, dass man dann nur noch „seins“, nicht aber das gemeinsame Interesse sieht.

Und klar ist, alle drei Technologien agieren gegen die Interessen des Gros der Menschen, sie dient allein der Gewinnmaximierung weniger auf Kosten Aller. Alle Technologien vergesellschaften die Risiken während sie die Gewinne privatisieren und werden massiv subventioniert.

Wurde schon jemals ernsthaft hinterfragt, ob RWE marktgängige Preise für das „Recht des Braunkohleabbaus“ zahlt? Oder bestiehlt hier RWE die Gesellschaft an ihren Ressourcen?

Das Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen hatte deshalb auch zur Kohlenkette mit einem Infoblatt für Kohlekette 25.04.2015 aufgerufen, wo das Gemeinsame im Kampf für eine bessere Umwelt betont wird und sich nicht auf das Trennende einlässt, was schlimmer ist, ‚CO2 durch Braunkohle‘, ’nukleare Verseuchung‘ oder aber ‚Zerstörung der Grundwasservorräte‘.

Zur Demo der IGBC in Berlin

Im WDR und den lokalen Radiosendern war das am Wochenende DAS TOP-Thema. Auffällig war jedoch für den aufmerksamen Beobachter, dass diese Berliner-Kundgebung erst sehr kurzfristig öffentlich bekannt wurde. Jedenfalls deutlich NACH der Mobilisierung durch die Anti-Kohlen-Kette-Leute.
Insofern hat sich schon der Erfolg und die Wirkung der BraunkohlegegnerInnen dadurch gezeigt, dass die IGBC dermaßen heftig reagieren hat!

(1) „Industriegewerkschaft Bergbau und Chemie“
(2) Jobs bei RWE (Braunkohle) galten lange Zeit als die mit Abstand bestbezahlten Jobs in der Region. Solche Gehälter können auch viele ehrliche Menschen schon korrumpieren!
(3) Traditionell hätte man hier „Arbeiterklasse“ geschrieben. Aber als kraz-Redaktion haben wir da Probleme. Einerseits stimmen wirsehr wohl zu, dass unserer Gesellschaft in zwei Klassen gespalten ist und dass zwischen diesen beiden Klassen ein grundsätzlicher Gegensatz besteht. Wir sind uns aber uneinig, wen diese Arbeiterklasse eigentlich umfasst, wer gehört dazu, wer nicht ? Und dann schwingt in dem Begriff „Arbeiterklasse“ immer eine Unterlegenheit gegenüber der „Klasse des Kapitals“ mit. Deshalb unsere etwas umständliche Formulierung. Aber wir planen zu diesem Thema einen Artikel.