Impressionen aus der Gefangenen Sammelstelle

25. April 2012 | Veröffentlicht von Blockadebündnis: Stolberg 2012 - Gemeinsam den Naziaufmarsch blockieren / aw

Erfahrungen zweier junger Blockierer im Bezug auf die Gefangen Sammelstelle nach den Aktionen gegen den Naziaufmarsch in Stolberg.

Am 07.04.2012 beteiligten sich 100 Menschen an einer friedlichen Sitzblockade, um die Nazis an ihrem jährlichen Aufmarsch in Stolberg zu hindern. Diese Blockade war ein Teil des Blockadekonzeptes vom BündnisStolberg2012Gemeinsam den Naziaufmarsch blockieren. Die Nazis konnten aus diesem Grund nicht, wie geplant mit dem Zug anreisen und wurden stattdessen von der Polizei verspätet zu Fuß zu ihrer Kundgebung geleitet. Die Aktion endete für die Nazigegner mit der Aufnahme der Personalien und dem Abtransport aller Volljährigen in die Gefangenen Sammelstelle (GeSa).

Wir haben uns mit zwei jungen Blockierern, Tim und Anja, über das Erlebte unterhalten.

Blockade Bündnis: Stellt euch doch mal kurz vor.

Tim: Ich bin 22 Jahre alt und studiere an der RWTH Aachen Maschinenbau.

Anja: Ich bin 19 Jahre und bin gerade im Abistress.

Blockade Bündnis: Wodurch seid ihr auf die Aktion unseres Bündnisses aufmerksam geworden?

Anja: Ein Freund, der im Bündnis mitmacht ,hat mich zum Solikonzert des Bündnisses im März eingeladen. Dort bin ich dann auf die Aktionen aufmerksam geworden.

Tim: Ich habe im Internet von der geplanten Blockade gelesen und wollte mich dann den Nazis in der Region entgegenstellen.

BlockadeBündnis: Wie verlief die Blockade?

Tim: Wir begaben uns zum Blockadepunkt und setzten uns hin. Die Blockade war von Anfang bis Ende friedlich. Das einzige, was nicht mitgespielt hat, war das miese Wetter.

Anja: Ja,  aber es war sehr schnell viel Polizei vor Ort. Manche von ihnen zogen sogar ihre Helme auf. Dies wirkte ziemlich martialisch auf mich. Ich konnte es auch nicht wirklich nachvollziehen, wir waren ja friedlich. Zudem stehen wir ja für die richtige Sache ein. Wir stellen uns gegen Nazis und ihre menschenverachtende Propaganda.

Blockade Bündnis: Wie kam es denn dann überhaupt zum Abtransport?

Anja: Die Polizei wirkte von Anfang an, wie gesagt, angespannt auf mich. Einige Blockierer versuchten mit ihnen zu verhandeln. Sie wollten erreichen, dass wir nach dem Ende unserer Blockade, zur Kundgebung gehen dürfen. Dies schien auch erst erfolgreich. Der Vorgesetzte der Polizei vor Ort sicherte uns zu, dass unsere Personalien aufgenommen würden, wir aber dann weiter ziehen könnten, um unseren Protest an anderer Stelle fortzusetzen. Doch auf ein Mal hieß es,es ginge doch nicht.

Tim: Auch die Vermittlungsversuche von Andrej Hunko, einem Bundestagsabgeordneten, hatten kein Erfolg. Die Polizei wollte einfach nicht. Ich habe sogar den Polizeipräsidenten vor Ort gesehen, als ich abgeführt wurde.

Blockade Bündnis: Wie gestaltete sich der Transport zur Gefangenen Sammelstelle?

Tim: Den Abtransport fand ich wirklich schlimm. Wir wurden Kleintransporter gesperrt, die in kleine Metall Käfige unterteilt waren. Es war wirklich sehr eng. Durch ein kleines Fenster drang ein wenig Licht in die Käfige. Wir wurden dann bestimmt über eine Stunde in diesem Sprinter vor der GeSa stehen gelassen. Zwischendurch war der Wagen abgeschlossen und niemand draußen zu sehen. Auch konnten wir nicht zur Toilette. Ich musste wirklich dringend und habe, sobald ich jemanden gehört habe, immer wieder gebettelt, dass man mich gehen ließe,aber entweder kam keine Antwort oder ich wurde auf später vertröstet. Erst viel später ließ man mich. Wirklich sehr schlimm! Irgendwann ließ man uns dann raus. Zur Registrierung.

Blockade Bündnis: Wie ging es dann weiter?

Tim: Wir wurden einer nach dem anderen aus den kleinen Käfigen geholt und in einen großen Raum mit vielen provisorisch eingerichteten Schreibtischen geführt. Dort wurden mir alle meine Sachen abgenommen und ich musste mit drei Polizisten in eine große Umkleidekabine gehen. Dort musste ich mich komplett ausziehen. Angeblich diente das dazu mich auf Waffen etc. zu durchsuchen. Ich hatte aber eher den Eindruck, dass die mich demütigen wollten. Danach wurde ich in eine weitere große Halle geführt in der 2 große Käfige standen, in denen schon viele Blockierer festgehalten wurden.

BlockadeBündnis: Wie war denn der Umgangston in der GeSa?

Tim: Ganz unterschiedlich. Viele Polizisten waren echt freundlichundwirkonntendann auch zur Toilette gehen und haben jeder ein Brötchen bekommen. Einige haben uns aber behandelt wie Verbrecher…

Anja: Genau,da möchte ich auch gerne was zu sagen! Bevor man mich in die Käfige ließ, hat man mir ohne ersichtlichen Grund meinen BH weggenommen. Was soll ich denn mit meinem BH machen? Wollten sie mich damit noch mehr demütigen? Einem Jungen haben sie sogar die Schnürsenkel abgenommen, angeblich Selbstmordgefahr. So ein Unsinn! Das war doch einfach nur Schikane! Genau sowie, dass man den Veganern keine trockene Brötchen geben wollte. Gemein!

BlockadeBündnis: Wie lange hat man euch denn festgehalten?

Anja: Der letzte von uns war so gegen 18.00 Uhr wieder in Freiheit. D.h. Wir waren etwa 5 Stunden in Gewahrsam.

BlockadeBündnis: Hat man euch gesagt, weswegen man euch festgehalten hat?

Tim: Nein, es hieß wir würden alle dem Haftrichter vorgeführt werden. Es wurden dann aber nur zwei Leute aus de man deren Käfig verhört, die ich nicht kannte. Die meisten Polizisten dort wussten aber auch garnicht, warum wir festgenommen wurden. Ich hatte insgesamt eher den Eindruck, dass die uns durch die Ingewahrsamnahme einschüchtern wollten.

Anja: Und das obwohl wir nur gegen Nazis demonstrieren wollten! Unsere Personalien hätten sie ja vor Ort aufnehmen können, aber dieses Gewahrsam war völlig ungerechtfertigt. Schließlich waren wir durch und durch friedlich. Uns wurde die Möglichkeit genommen weiter zu protestieren. Ich verstehe nicht, warum die Meinung von Faschisten geschützt wird, während die Meinung und die Rechte der Gegendemonstranten mit Füßen getreten werden.

BlockadeBündnis: Zum Abschluss: Würdet ihr trotz solcher Repressionen von Seiten der Polizei wieder an so einer Veranstaltung teilnehmen?

Anja: Auf jeden Fall! Schließlich gibt es nichts schlimmeres als Faschismus. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Das zeigt unsere Vergangenheit nur zu gut!

Tim: Ich schließe mich Anja da vollkommenan. Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei!


Namen und Personalien wurden vom Bündnis geändert. Entscheidend an dieser Stelle sind nämlich die Erfahrungen, die die Menschen an diesem Tag gemacht haben.

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