Brief an die Bundeskanzlerin: Handlungsbedarf wegen der AKWs Tihange und Doel

7. Januar 2016 | Veröffentlicht von Runder UmweltTisch Essen / ws

Dringende Bitte: Handlungsbedarf wegen Hochrisikolage durch Betrieb der Kern-Kraftwerke Tihange und Doel

Der ‚Runder UmweltTisch Essen‘ (RUTE) hat sich mit einer dringende Bitte an die Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Die kraz veröffentlicht hier dieses Schreiben:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
wir schätzen Sie sehr wegen Ihres besonnenen Handelns nach der Katastrophe von Fukushima: Sie haben nach dem Unfall in den Kern-Kraftwerken (KKW) von Fukushima Daichi ein sofortiges Moratorium für deutsche KKW verhängt und haben sich für einen europäischen Stresstest von KKW eingesetzt.
Heute sehen wir uns in Deutschland einer akut verschärften Risikolage durch den Betrieb der KKW von Tihange und Doel in Belgien ausgesetzt:

  • Risse (Einschlüsse) in den Reaktordruckbehältern (RDB): In zwei der insgesamt sieben Reaktorblöcke von Tihange und Doel sind jeweils mehrere tausend Einschlüsse in den Wänden der RDB festgestellt worden. Die Entstehung der Einschlüsse und damit ihre Ursache ist nicht geklärt. Ein Nachweis darüber, dass die Einschlüsse bereits beim Bau der RDB vorhanden waren und nicht erst im jahrelangen Betrieb der KKW entstanden sind, kann nicht geführt werden, weil die Dokumentation der Wärmebehandlung der RDB verschwunden ist. Somit ist es jedoch grob fahrlässig, wenn die Ungefährlichkeit der Einschlüsse ohne Beweise unterstellt wird und auf dieser behaupteten Grundlage der Weiterbetrieb der KKW gestattet worden ist.
  • Mehrere Störfälle, eine RESA: Beim Wiederanfahren der Reaktorblöcke Tihange 2 und Doel 3 hat es zuletzt im Dezember 2015 zwei meldepflichtige Störfälle gegeben, in Doel 1 am 02.01.2016. Einer der Störfälle war so gravierend, dass er sogar zu einer Reaktorschnellabschaltung (RESA) mit hoher Belastung aller Systeme des KKW führte. Nicht erst diese jüngsten Störfälle, sondern die Summe der Störfälle in den letzten Jahren zeigen die Anfälligkeit und technische Unzuverlässigkeit der KKW.
  • Alle Risiko-Reserven sind aufgebraucht – die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen GAU ist stark erhöht: Bei Austritt einer radioaktiven Wolke sind aufgrund der vorherrschenden Windrichtung innerhalb von Stunden Millionen von Menschen nicht nur in Deutschland unmittelbarer Gefahr ausgesetzt. Eine solche Situation wäre wegen Ausbruchs von Panik, Flucht und Chaos vermutlich nicht mehr steuerbar. Ein Weiterbetrieb ist auch aus diesen Gründen nicht mehr zu verantworten.
    Angesichts dieser hochriskanten Situation in Westeuropa sind wir in großer Sorge und bitten Sie dringend:
  • Setzen Sie sich für ein sofortiges Moratorium für die KKW in Tihange und Doel ein, bis die Ursachen für die Einschlüsse in den RDB von unabhängigen Experten geklärt sind und die Risikoschwelle für einen Weiterbetrieb nicht mehr überschritten wird.
  • Beziehen Sie Präsident Hollande ein, da aufgrund der Beteiligung französischer Unternehmen an der Betreibergesellschaft Electrabel und der Verantwortung französischer Staatsbürger in der Leitung von Electrabel der Einfluss Frankreichs geltend gemacht werden kann.
  • Bieten Sie für die Dauer eines Moratoriums den unterstützenden Einsatz europäischer Kernenergie-Experten bei der belgischen Atomaufsicht FANC an. Der Leiter der FANC, Herr Jan Bens, ist u.a. durch Compliance-Vorwürfe (aktive und passive Bestechlichkeit) so kompromittiert, dass er in seiner Funktion nicht mehr haltbar ist. Es liegt im gesamten europäischen Interesse, die fachliche Arbeitsfähigkeit sowie die zweifelsfreie Unabhängigkeit der FANC sicherzustellen, besonders im Interesse der Länder Belgien, Frankreich, Luxemburg, Niederlande und von Deutschland.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir setzen auf Ihre fachliche Kompetenz als Physikerin, auf Ihre diplomatischen Fähigkeiten in Europa und auf Ihre oft bewiesene besonnene Durchsetzungsstärke, wenn wir Sie bitten, alles zu tun, um die aktuelle Hochrisiko-Situation aufzulösen.

Mit erwartungsvollen Grüßen
Dr. Dieter Küpper und Prof. Rolf Schwermer, Sprecher des RUTE (Runder UmweltTisch Essen)

— Dieser Brief wird von folgenden Personen unterstützt: —

Ilse Adams-Lau, Essen | Helmut Angstmann, Essen | Renate Angstmann, Essen | Björn Ahaus, Essen | Martin Arnold, Essen | Gabriele Auth, Essen | Susanne Berger, Essen | Fritz Brasse, Herten | Heidi Dercks, Bochum | Willi Dercks, Bochum | Elke Dörre, Essen | Michael Dörre, Essen | Ulrike Eitelhuber, Essen | Inga Ellerkmann, Essen |Michael Engels, Neukirchen-Vluyn | Sigi Engels, Neukirchen-Vluyn | Joachim Ewers, Essen | Dr. Cornelia Fitger, Essen | Wolfgang Froese, Essen | Elisabeth Gasenzer-Raith, Essen | Christian Gather, Essen | Achim Gerhard-Kemper, Essen | Dr. Margrita Haake, Essen | Frank Haase, Essen | Arnd Hammer, Essen | Angela Hansel, Essen | Hiltrud Helmich, Mülheim | Werner Helmich, Mülheim | Dr. Gerd Peter Hendrix, Mülheim | Peter Hustermeyer, Mülheim | Alexander Johne, Köln | Marie-Rose Joos, Essen | Margret Keiber, Essen | Christoph Kalka, Herten | Charlotte Kalkowski, Essen | Katharina Kalkowski, Stuttgart | Andrea Kamrath, Mülheim | Mechthild Keller, Essen | Marita Kemper, Essen | Christoph Kinzelt, Essen | Dr. med. Hilde Kloppenburg, Mülheim | Rainer Klug, Velbert | Sabine Knipping-Paff, Essen | Paul Köpke, Essen | Silvia Krahl-Ewers, Essen | Christiane Kranz, Mülheim | Detlef Kranz, Mülheim | Sebastian Kranz, Mülheim | Thomas Lang, Essen | Peter Loef, Mülheim | Tanja Lovric, Oberhausen | Nathalie Marcinkowski, Essen | Manuela Maslowski, Bochum | Astrid Metzner, Essen | Ute Möhlig, Mülheim | Lars Möller, Essen | Thomas Müller, Essen | Annette Nesselhauf, Essen | Hans Peter Paff, Essen | Markus Pajonk, Essen | Harald Pfeiffer, Essen | Dr. med. Horst Pomp, Essen| Patrick Reinke, Essen | Wolfgang Richardt, Essen | Barbara Schäfer, Essen | Gerda Schaper, Essen | Uli Schaper, Essen | Prof. Dr. med. Achim Schmaltz, Essen | Wilhelm Schröder, Mülheim | Dietmar Schruck, Essen | Anna Sophie Schwab, Essen| Frank Schwalfenberg, Duisburg | Lisa Schwermer, Essen | Maria Siebert-Güner, Essen | Udo Steinhauer, Essen | Mirjam Sterra-Gerhard, Essen | Brigitte Stollen, Mülheim | Hermann Stollen, Mülheim | Dr. med. Werner Strahl, Essen | Marion Stüve, Bottrop | Reinhard Sühling, Essen | Hanne Tenbrink, Essen | Dr. Thomas Tschiesche, Mülheim | Susanne Wiegel, Essen | Peter Wilhelmi, Mülheim | Bärbel Wilhelmi, Mülheim | Matthias Werny, Dortmund | Karl Wilms, Essen | Dieter Zimek, Essen | Rosemarie Zimek, Essen |

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