Brilliantes Theaterstück über die „Hungerblockade Leningrad“

21. April 2018 | Veröffentlicht von

Russische Schülergruppe zeigt Theaterstück mit Bezug auf das Tagebuch der Lena Muchina und das der Anne Frank

Eine Gruppe russischer SchülerInnen aus Kostroma/Russland gastiert zur Zeit in Aachen. Sie haben ein Theaterstück aufgeführt, das sie als Schülergruppe innerhalb von fast vier Monaten in Russland einstudiert haben. Dabei werden die Tagebücher von Anne Frank und Lena Muchina verarbeitet, die zwar nichts von einander wussten, aber zeitgleich unter Lebensbedrohung durch Nazideutschland lebten und über mehrere Jahr ihre Gedanken und Gefühle aufgezeichnet haben.

Bei dem Theaterstück handelt es sich um eine Koproduktion zwischen dem „Anne-Frank-Gymnasium“ und dem „Gymnasium Nr. 33“ in Kostroma (Partnerstadt Aachens). In dem Tagebuch von Lena Muchina wird die genozidale Absicht der Blockade Leningrads absolut fühlbar. Im westlichen Geschichtsbild über den Krieg gegen die Sowjetunion wird diese Absicht selten bis gar nicht herausgestellt – obwohl dies in Hunderten von Aufzeichnungen dokumentiert ist.

Diese Bühnencollage reflektiert die Situation dieser beider jungen Frauen; bezogen auf das Verhältnis zur russischen Schülergruppe aus Kostroma. So thematisiert diese Aufführung ein unerhörtes Kriegsverbrechen gegenüber den Menschen der früheren UdSSR, weshalb gerade die deutsche Politik sich deutlich stärker um die Verständigung mit dem UdSSR-Nachfolgestaat Russland bemühen müsste.

Etwa 150 Zuschauerinnen waren in die Aula des Anne-Frank-Gymnasiums gekommen. Der Direktor des Gymnasiums, der Förderverein der Schule und der Verein der Städtepartnerschaft „Kostroma-Aachen“ sprachen Willkommensgrüße; alle haben im Hintergrund auch materielle Unterstützung organisiert.

Die Protagonisten

  • Einerseits ist da Lena: Sie hat die Leningrader Blockade (1941-1944) überlebt und während dieser Zeit ein Tagebuch geschrieben. Dieses wurde erst nach ihrem Tod veröffentlicht und schildert die schreckliche Situation in Leningrad, die durch die deutsche Hungerblockade bewusst herbei geführt wurde. Dabei war die Anzahl der Verhungerten in Leningrad größer als die Gesamtzahl aller deutschen zivilen Opfer durch den alliierten Bombenkrieg im 2. Weltkrieg!
  • Dann ist da (die berühmte) Anne Frank: Sie hat sich zwei Jahre in Amsterdam versteckt, wurde schließlich entdeckt und von den Nazis ins KZ-Bergen-Belsen verschleppt und dort getötet.

Das Theaterstück verknüpft diese Phase der Lebensgeschichte der beiden jungen Frauen durch ein wundervoll einfaches Symbol: die beiden jungen Frauen sitzen immer wieder gemeinsam an EINEM Tisch – und von da aus entwickelt sich die ganze Geschichte.

Zur Entstehung der Theatervorlage

Die pensionierte Lehrerin Dr. Eva David-Balero hatte aus den tragischen Lebensgeschichten der beiden jungen Frauen Lena Mucchina und der Anne Frank aus Amsterdam ein berührendes – und gleichzeitig auch Wissen-vermittelndes Stück geschrieben.
Die berühmte Anne Frank und die (zu unrecht) kaum bekannte Lena Mucchina waren junge Zeitgenossinnen die beide in ihrer jeweiligen Heimat die Folgen der Nazi-Herrschaft erleiden mussten.
Beide Frauen waren mutig und sind uns eine Ermunterung, dafür zu kämpfen, dass sich solche faschistischen und auch kriegerischen Zeiten nicht wiederholen. Genauer: dass sie dort, wo sie auch heute schon ganz aktuell stattfinden, die jeweiligen Täter zu nennen, die imperialistischen westlichen Mächte! Und diese wegen ihrer Unmenschlichkeit anzuklagen!

Im Anschluss an das Stück gab es noch eine kurze Vorstellung der russischen Schülergruppe und ein sehr angenehmen Austausch zwischen den jungen Schauspielern, deren Begleitung und dem deutschen Publikum

Es handelt sich hier um der viel zu seltenen Kooperationen mit einer russischen Stadt!

Wir wünschen dem Stück noch ganz viele Aufführungen!

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