Bürgerinitiative „Gute Nachbarschaft mit Russland“

17. Juli 2018 | Veröffentlicht von Sylvia Gossani / ws

Gründung einer Bürgerinitiative „Gute Nachbarschaft mit Russland“

Fühlen Sie sich bedroht?
Glauben Sie, dass Russland Pläne verfolgt, Deutschland zu erobern?
Meinen Sie, dass Deutschland den Rüstungsetat von zur Zeit ungefähr 10% des Haushalts verdoppeln sollte?
Wenn Sie so denken, dann können Sie sich zufrieden zurück lehnen, denn unsere Regierung ist der gleichen Meinung. Die Mehrheit der Bürger sieht die Lage allerdings anders. Sie ist überzeugt, dass man Konflikte ohne Gewalt lösen kann

und wünscht sich eine gute Nachbarschaft mit allen europäischen Staaten, selbstverständlich auch mit Russland.
Aus diesem Grund kamen rund 50 interessierte BürgerInnen am 13.07.2018 ins Aachener Haus der evangelischen Kirche, um dort an der Gründung der Bürgerinitiative „Gute Nachbarschaft mit Russland“ teilzunehmen.

Zu Beginn der Veranstaltung betonte Jürgen Groneberg, der Leiter des Aachener Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes, die Verantwortung der Kirchen, sich für Frieden und Gewaltlosigkeit einzusetzen, was auch im „Friedenswort“ der Rheinischen Kirche einen Ausdruck gefunden hatte. Nicht nur Politiker und Medien müssten ihre Rolle für den Erhalt des Friedens reflektieren. Jeder einzelne sei gefordert, sich mit solchen relevanten Fragen auseinanderzusetzen. Dazu gehöre auch, das persönliche Russlandbild zu überdenken.

Alois Müller beschrieb in seinem Beitrag, wie die Aachener Aktionsgemeinschaft „Frieden jetzt!“ am Elisenbrunnen das Gespräch mit möglichst vielen MitbürgerInnen suche, um faktenbasiert auf die Aggressivität der NATO bezüglich Russland aufmerksam zu machen. Er betonte, wie wichtig es sei, sich aktiv einzubringen, denn Veränderung sei nur durch Druck von unten möglich.

Neben einem Grußwort der Leipziger Bürgerinitiative „Gute Nachbarschaft mit Russland“ verlas Dr. Ansgar Klein von der „Würselener Initiative für den Frieden“ eine Botschaft von Oberstleutnant a.D. Jürgen Heiducoff. Darin begrüßt der ehemalige Militärbeobachter der OSZE die neugegründete Initiative. Er betont wie wichtig es sei, die Hand der Freundschaft, die die Russen uns anbieten, auch zu ergreifen, denn „die Russen wollen keinen Krieg.“ Er wünsche sich, dass diese Stimme der Vernunft, die vom Volk ausgeht, auch bis ins Regierungsviertel dringen würde.

Der Bundestagsabgeordnete der Linken Andrej Hunko kam direkt von einer Sitzung aus Straßburg, um die Bürgerinitiative zu unterstützen. Er erinnerte daran, dass die NATO ein Feindbild brauche, um die wirtschaftlich lukrativen Aufrüstungspläne scheinbar zu legitimieren. Dafür würde aus strategischen Gründen die Konfrontation mit Russland gesucht. Die geplanten deutschen Militärausgaben von jährlich (!) 80 000 Mio. € könnten nicht von der Regierung festgelegt, sondern müssten vom Parlament genehmigt werden. Andrej Hunko erwartet hier noch heftige Auseinandersetzungen. Er betonte auch, wie wichtig es sei, Freundschaftsgruppen zu bilden, die eine Gegenbewegung zu Feindbildern und Militarisierung bilden. Die Freundschaft mit Frankreich sei ein gutes Vorbild. Und natürlich wird die Freundschaft zu anderen Nationen wie Polen und Ukraine nicht vergessen. Sie stehe aktuell nur nicht so sehr im Fokus, da medial keine emotionale Abgrenzung zu diesen Ländern aufgebaut werde.

==> Hier ein Interview mit Andrej Hunko in der NRHZ

Als zentraler Punkt der Veranstaltung wurde ein „Offener Brief“ diskutiert und verabschiedet, der an die Bundesregierung und den Bundestag geschickt werden soll und zur Kenntnis an den Botschafter der Russischen Föderation in Berlin. Darin werden die PolitikerInnen aufgerufen, eine Entspannungspolitik mit den europäischen Staaten, zu denen auch Russland gehört, zu praktizieren. Es sei ein Dialog unter gleichberechtigten Partnern und eine Anerkennung des Sicherheitsbedürfnisses aller Beteiligten, auch Russlands, nötig. Die Bürgerinitiative möchte damit dem Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung nach einer guten Nachbarschaft mit Russland Ausdruck verleihen. Es sind alle interessierten Menschen eingeladen, sich dieser Initiative anzuschließen.

Zum Abschluss stellte Valentin Veithen die Partnerschaft der Region Düren mit dem russischen Distrikt Mytischi vor und lud alle Bürger zur deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz 2019 in Düren ein.

Den musikalischen Rahmen der Veranstaltung gestaltete das Duo ‚Josie & Kur“ mit ihrem Song vom ‚Feindbild‘ und dem Lied „Sag mir wo die Blumen sind“.

==> Hier ein weiterer Bericht dieser Gründungsversammlung in der NRhZ:

 

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