Clima-Train to Warschau: Ein Bericht

19. November 2013 | Veröffentlicht von Walter Schumacher / hr

Mit dem Zug zum Klimagipfel nach Warschau

warschau-2Über 700 TeilnehmerInnen reisten von Freitag bis Sonntag mit einem Sonderzug von Brüssel nach Warschau. Dort gab es eine Demonstration mit knapp 1.800 TeilnehmerInnen zum Klimagipfel. Alles stand unter dem Slogan:
No Clima-Change: System-Change!

Ein ständiges Sprachengewirr: französisch, niederländisch, englisch und manchmal auch deutsch, so ging es Stunde um Stunde auf dem Weg von Brüssel nach Warschau; und genauso ging es zwei Tage später wieder auf dem Rückweg. Ca. 700 Personen saßen in dem Sonderzug, um an der internationalen Demonstration in Warschau teilzunehmen, die die Belange des Klimaschutzes auf der UN-Klimakonferenz unterstützen sollten.

Die UN-Klimakonferenz

In Warschau hatten sich auf der offiziellen UN-Klimakonferenz die Vertreter der Herrschenden versammelten, um – so behaupteten sie – über Maßnahmen zur Rettung des Klimas zu beraten. Die Demonstranten machten sich jedoch wenig Illusionen über die Ernsthaftigkeit der Eliten. Sie forderten stattdessen in einer sehr klaren Sprache massive Veränderungen der Gesellschaft ein. Die zentrale Losung lautete dabei immer wieder:
„We need NO-Clima-Change, but System-Change!“ verbunden mit den GEMEINSAMEN Forderungen: „Vernünftige Jobs & erneuerbare Energien & Klima retten“.

Der Demoweg in Warschau

warschau-1Bei feuchter Kälte startete am Samstag ein bunter Zug von knapp 1.800 Menschen vom Versammlungsplatz. Dieser Demonstrationszug wurde „eng begleitet“ von Polizei.
Die Polizisten waren vielfach ausstaffiert wie Robo-Cops, also Maschinen-Polizisten. Nach 2 Stunden war der Abschluss in einem Kultur-Park, wo es zwei kurze Ansprachen von Rebecca Harms (Grüne) und Anabella Rosemberg (International Trade Union) gab. Ansonsten wurden drei-minütige Statements am „offenen Mikrofon“ von allen teilnehmenden Organisationen gebracht.
Die Demo setzte sich aus unterschiedlichen Strukturen zusammen. Da waren etwa 700 polnische Teilnehmer (Einzelpersonen und div. Gruppen). Es gab die 700 Zug-Mitfahrer und dann gab es noch mehrere kleine Gruppen aus Nachbarländern (zusammen ca.300 Menschen): das waren Menschen aus der Ukraine, Deutschland, Russland. Sichtbar war auch ein lautstarker Block von Afrikanern, die in Polen leben.

Der Zug war politisch wichtig

Die Zahlen zeigen, wie wichtig der clima-train für die Unterstützung der Umweltbewegung in Polen war. Vermutlich hätte es gar keine Demonstration zum Klimagipfel gegeben, wenn nicht die 700 Menschen aus dem Zug einen organisierenden Kern gebildet hätten. Bei allen Gesprächen zeigten sich die polnischen Teilnehmer sehr dankbar, dass sie diese Unterstützung durch die Gleichgesinnten aus dem clima-train bekommen hatten.
Ohne den Zug wäre dieser Protest so nicht zustande gekommen. Dazu ist die gesellschaftliche Situation für die Umweltaktivisten in Polen (noch) zu schwierig.
Offensichtlich war jedenfalls, wie sehr der polnische Staat die Umweltaktivisten einschüchtern will; das war sichtbar während der Demo selber, aber auch schon bei der Anreise des clima-trains: an allen Bahnhöfen zwischen Grenze und Warschau waren reichlich Polizeiketten demonstrativ sichtbar positioniert – selbst dort, wo der Zug überhaupt nicht gehalten hat!

Diese Zugfahrt war unvergesslich – und politisch motivierend

warschau-6Diese Zugfahrt war sicher für ALLE MitfahrerInnen unvergesslich! Für viele kann so etwas eine starke Motivation sein, auch weiterhin politisch aktiv zu bleiben. Einmal war da sicher die Nähe zu anderen Gleichgesinnten; es war gut zu sehen, dass es doch viele Leute gibt, die sich engagieren. Zum zweiten war es sicher auch sehr gut, dass – und wie viel – die Leute miteinander diskutiert haben.
Und natürlich sind auch solche Nächte in einem vollen Zug unvergesslich. Es ist schon erstaunlich, welche Möglichkeiten es gibt sich in einem vollen Zugwaggon trotzdem „Schlaf zu holen“!

Die Organisatoren vom clima-train

warschau-8Der clima-train wurde durch das Bündnis „Klima und Soziale Gerechtigkeit“ organisiert. Am sichtbarsten waren dabei die PvdA/PCB, Ecolo und die JNM.
Ein paar erläuternde Worte zum JNM (Jeugdbond voor Natuur en Milieu );
das ist eine sehr breite Jugendbewegung, ohne Anbindung an Parteien oder Kirchen. Sie waren ursprünglich mit einer reinen Betreuungsarbeit für und mit Jugendlichen von 10-18 Jahren angetreten. Daraus hat sich dann eine Bewegung entwickelt, die – ohne parteipolitisch gebunden zu sein – einen starken Fokus auf Umweltfragen legt. Das wiederum hat dann zu ihrer wichtigen organisierenden Rolle in Umweltfragen – aber auch zum clima-train – geführt.

Während der Fahrt

warschau-9warschau-10Die Infrastruktur für den Zug stand Anfangs durchaus auf der Kippe; Katalysator waren schließlich die festen Zusagen von Ecolo, JNM und PvdA, jeweils EINEN Waggon mit „eigenen Leuten“ zu füllen. Dadurch entstand dann eine Dynamik, aus der dann letztlich der Zug aus acht Waggons entstand.
Die interne Versorgung im Zug durch die jungen Leute war exzellent: Platzvergabe, Essen, Getränke, überall Diskussionsgruppen – und auch Müll und Toiletten waren organisiert; und die Mitfahrenden wurden in diese Arbeiten locker aber klar mit eingebunden.

Für den Schreiber dieses Berichts war die altersmäßige Zusammensetzung der MitfahrerInnen bemerkenswert: ca. 50% waren unter 25 Jahren, ein Viertel ging bis 30 Jahre und bei den übrigen gab es alles zwischen 30 bis 70. Ansonsten waren es sicher 95% Belgier an Bord. Es gab eine 10er-Gruppe aus England, weitere 15 Leute aus den Niederlanden und dann noch zwei Deutsche vom „Bündnis gegen Atomenergie Aachen“.

NACH der Demo: Eine Nacht in Warschau

Die Zugorganisation hatte dafür gesorgt, dass für die Übernachtung mehrere Schulen bereitstanden. Auch hier hatte es eine lockere, aber effiziente Gruppenaufteilung gegeben und einzelne „polnische Guides“ führten die Grüppchen zu den jeweiligen Schulen. Und dort hatten wiederum andere polnische Aktivisten bis zur morgendlichen Abreise für Ruhe und Betreuung, aber auch für Getränke gesorgt.

Politische Erklärung aus dem clima-train

Während der Rückfahrt wurde im Zug in einem breiten Beteiligungsprozess eine „Erklärung vom clima-train“ entworfen. Der endgültige Text wird als Pressemitteilung veröffentlicht werden. Die kraz wird hier den Link veröffentlichen, sobald er vorliegt.

COP21 – Wiedersehen in Paris 2015!

Zum Abschluss fast aller Gespräche, dann wenn man sich auch von seinen neuen Freunden verabschiedete, gab es wirklich einhellig die Parole:
„Auf Wiedersehen bis zum übernächsten Klimagipfel im Nov 2015 in Paris“. Für den Schreiber dieses Berichts gilt dieses Versprechen ebenfalls!

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