Das Buch als Beute

29. April 2014 | Veröffentlicht von Hannes Rader /ws

Der Konzern Amazon und seine Unternehmensstrategie

Seit 25 Jahren existiert das WWW, seit 20 Jahren Amazon. Der Versandgigant hat in diesen Jahren massiv an Größe gewonnen. Welche Folgen das für den Buchhandel, die Verlagslandschaft und am Ende auch für die Bürger und die Demokratie hat, hat Daniel Leisegang untersucht. Gestern gab er dazu einen Vortrag in der Stadtbibliothek. Die Veranstaltung „Amazon: Das Buch als Beute“ wurde vom Buchladen39 in Kooperation mit der Stadtbibliothek und Attac Aachen organisiert.

Nach einer kurzen Vorstellung des Unternehmens sowie der schillernden Persönlichkeit des Gründers erläuterte der Referent die aktuellen Phasen der Amazon-Strategie: Self-Publishing, Übersetzungen und gezieltes Abwerben renommierter Autoren. Mit dieser Strategie wird ein Ziel verfolgt: Wachstum (nicht Profit). Es ist Amazons erklärtes Ziel Marktanteile zu gewinnen, Profite sind zweitrangig.

Als Folge dieser Strategie ist leicht zu erkennen, dass sowohl der stationäre Buchhandel als auch die vielfältige Verlagslandschaft und somit ein ausgewogenes Literaturangebot auf dem Spiel stehen. Amazon binde Buchhändler und Verlage durch seine aggressive Wachstumspolitik derart an sich, dass sie mit dem Unternehmen nicht mehr konkurrieren, sondern nur noch in seiner Abhängigkeit weiterleben können. Der Konzern wolle zu einem globalen Medienimperium heranwachsen und langfristig den gesamten Markt kontrollieren – von der Produktion bis zum Vertrieb eines jeden Buches.

Amazon und das Freihandelsabkommen

Leisegang betont während seines Vortrags welche Folgen das geplante Freihandelsabkommen für die Kultur insgesamt, aber eben auch für den Buchmarkt im Besonderen hat. Mit dem Abkommen ließe sich die Buchpreisbindung leicht unterlaufen. Die Buchpreisbindung sorgt in Deutschland für ein pluralistisches Literaturangebot, weil weniger gutverkäufliche Literatur durch Bestseller quersubventioniert werden kann. Ähnliches gilt für den ermäßigten Steuersatz auf Bücher.

Reaktionen

Leisegang beklagt zudem die fehlenden Reaktionen entsprechender Berufs- und Interessensverbände (bspw. des Börsenvereins des deutschen Buchhandels). Überrascht zeigt er sich außerdem über die scheinbar betont gelassene Reaktion der meisten Verleger. Diese ruhten sich zu stark auf ihrem Kissen „Qualität und Autorenbegleitung“ aus und unterschätzten die Gefahr massiv.

Gut besucht war die Veranstaltung bedauerlicherweise nicht, was möglicherweise an ihrer kurzfristigen Ankündigung gelegen haben mag. Gelohnt hätte es sich alle Male; der Referent ist ein guter Redner, seine Thematik interessant und hochbrisant. Die Diskussions- und Fragerunde im Anschluss war, durch die geringe Teilnehmerzahl, aber umso besser. Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse seiner aktuellen Recherche: Die Strategie des Konzerns auf dem Film-, TV- und Serienmarkt.

Der Referent

Daniel Leisegang ist Politikwissenschaftler und Redakteur bei der Zeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“. Er schreibt insbesondere zu netz- und medienpolitischen Themen. Eine Liste bisheriger Artikel findet sich hier.

Weiterführende Informationen

Wer mehr über die Thematik erfahren möchte, sei sein Buch empfohlen:

Daniel Leisegang

Amazon: Das Buch als Beute

ISBN: 978-3896570680

Preis: 12,80 Euro

Außerdem lesenswert sein kürzlich beim Freitag erschienener Artikel

Amazon zieht in die Schlacht

Und wer lieber schaut, statt liest, dem sei die aktuelle Arte-Doku zum Thema empfohlen:

Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt


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