Der Aachener Polizeipräsident hat Schmerzen…

7. Februar 2019 | Veröffentlicht von Käthe /ws

Friedliche ZeitungsleserInnen sollen helfen.

Käthe kommentiert für die kraz den o.g. Artikel aus der Aachener Zeitung vom Freitag, den 02.02.2019:
Wussten Sie es schon?
Die Aachener Polizei scheint neuerdings die treuen AZ/AN-LeserInnen glaubhaft vermitteln zu wollen, dass sie zumindest mal mit dem Gedanken kokettiert, Gewalt sei keine Lösung…

Polizei appelliert an Umweltschützer“

Damit die nächste Baumhausräumung im Hambacher Wald zur Abwechslung möglichst friedlich ablaufen und nicht unnötig Bäume gefällt werden „müssen“, bittet die Polizei über den Zeitungskanal nun „Friedliche Akteure im Kohlewiderstand“, sich psychologisch um die gewaltbereiten – wahrscheinlich längst wieder mit (aus menschlichen Exkrementen zusammengesetzten) Wurfgeschossen ausgestatteten – WaldbesetzerInnen zu kümmern, diese an die Hände zu nehmen und dann brav die Baumhäuser zu verlassen, damit die Polizei den Abbau der brandgefährdeten Neubauten bewachen und RWE darin unterstützen kann, den Ort wieder in den Zustand seiner eigentlichen Bestimmung zurückzuversetzen.
Fragt sich jetzt nur, welcher Art der Bestimmung: einfach wieder „Wald zu sein“ und das CO2 aus der nahen Kohleverbrennung zu verstoffwechseln oder sich still bereit zu halten für die endgültige, totale Zerstörung?

Eine spontane Gedankenflut setzt dazu bei mir ein

Hat Herr Weinspach etwa zu viele Beschwerdebriefe von aufgeregten BürgerInnen bekommen? Ist endlich der – tief in seiner Seele sitzende – Respekt gegenüber den UmweltschützerInnen erwacht? Hatte er einen nicht vorhersehbaren Ethikanfall?
Oder ist die kleine Zeitungsmeldung quasi ein ‚Precursor‘ für den nächsten Räumungs-Großeinsatz? Nach dem Motto: „Wir hatten Euch ja eine friedliche Lösung angeboten, die Waldzerstörung zu verhindern!“

Ergo: wenn der Wald komplett zerschreddert ist, sind die Umweltschützer selbst schuld!

Darüber, dass dieser Appell – ohne dabei Schlagzeile zu sein – auf die Titelseite der AZ/AN durfte, bin ich ehrlich gesagt sehr irritiert und finde momentan wirklich keine überzeugende Erklärung dafür.
Ich schlage deshalb vor, dass sich der Polizeipräsident mit seinen Wünschen, Sorgen und Schmerzen statt an die ZeitungsleserInnen doch besser direkt an Armin Laschet wenden sollte, der uns Menschen in NRW als amtierender Ministerpräsident, und somit auch ihm, einiges Großartiges bei der Amtsübernahme im Mai 2017 versprochen hatte. Er wolle nämlich vor allem zuhören, hatte Herr Laschet gesagt. Auch wenn es mal unangenehm wird und auch dann, wenn es schmerzt. Diese Rede finden Sie übrigens ganz einfach im www.

Was tut Laschet und Weinspach, falls der Wald doch stehenbleibt?

Ich behaupte einfach mal, dass beide Herren, Laschet und Weinspach, schon seit längerem Schmerzen ‚weghecheln‘ müssen – und das ist doch eine prima Voraussetzung für ein persönliches Gespräch. Finde ich zumindest.
Was Herrn Weinspach betrifft, könnte ich mir vorstellen, dass ihm insbesondere die Empfehlung der Kohlekommission Schmerzen bereitet , dass der Hambacher Wald nun doch stehen bleiben soll. Demzufolge wäre dann das ganze Vorgehen der letzten Monate einfach nur sinnlos gewesen. Es könnten ja durchaus Gewissensbisse entstanden sein, total blind einer voreiligen und industriehörigen Landesregierung gedient zu haben, in dem er für viele viele Steuer-Millionen einen teuren Personaleinsatz der Aachener Polizei komandiert hat, um einen Kampf gegen die – ungeahnt widerständige und ausdauernde, sehr gut vernetzte – Waldbesetzerszene nebst Zehntausenden bürgerlicher UnterstützerInnen zu führen.

Laschets Rede Anfang 2018

Und Laschet, der sprach Anfang letzten Jahres noch davon, es würde einen Wandel in NRW geben. Für ihn sei Zusammenhalt wichtiger als denn je und postulierte Neujahr 2018 in seiner Rede an Land und Leute, das Ehrenamt müsse gestärkt werden. Wünschte uns NRWlern sogar ein herzliches „Glück-auf“ dazu.
Spätestens bei dieser Begriffsverwendung hätten wir uns allerdings fragen müssen, wie die unter uns, die keine Kohle-Kumpels als Vorfahren haben, oder grundsätzlich keine Grubenfans sind, DAS denn verstehen dürfen. (https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/ansprache-von-ministerpraesident-armin-laschet-zum-neujahr-2018)
Dass der Ministerpräsident dann im Laufe des Jahres mit seinen Wandel- Annahmen und Prognosen ausgerechnet im Fall Hambacher Forst (und scheinbar auch nur dort) Recht bekommen sollte, das muss dem Tugendhaften ja weh getan haben!
BürgerInnen organisierten sich ehrenamtlich und gingen gemeinsam und in großen Zahlen demonstrieren. Für den Klimaschutz, den es mehr als je zuvor einzufordern gilt und für den Erhalt des restlichen Hambacher Waldes.

und Laschets Neujahrsansprsche 2019?

So war es dann auch nicht verwunderlich, dass Laschet in seiner zweiten Neujahresansprache rhetorisch vorsichtiger wurde und die Aufmerksamkeit vornehmlich auf das Schicksal NRWs im Zusammenhang mit dem Brexit lenkte.
Apellierend an unser aller Bekenntnis zu Europa -im weiteren Verlauf leider recht ungeschickt vermischt mit einer kleinen Sorgenprise Tihange: „Vieles lernt man erst zu schätzen, wenn man es nicht mehr hat. Das gilt heute für die Briten. Das könnte morgen aber auch für uns in Nordrhein-Westfalen gelten.“ (https://www.land.nrw/de/neujahrsansprache-von-ministerpraesident-armin-laschet) Ob der Noch-Regierungschef damit auch auf die Wahrscheinlichkeit eines SuperGAUs im hochgefährlichen belgischen Kernkraftwerk Tihange 2 und unseren damit verbundenen Heimatverlust anspielt? Möglich.
Oder den Verlust eines schützenswerten Waldes ? Auch möglich.
Oder das angebliche Verlustgeschäft von RWE? Wer weiß….

und falls Weinspach mit Laschet spricht

Sollte sich Weinspach persönlich an Herrn Laschet wenden, wäre es ratsam, wenn er sich vorher vergegenwärtigen würde dass dieser sich grundsätzlich schwer tut mit dem Zuhören. Außer den RWE- Kumpels und Kumpelinnen hat Laschet bisher ja offensichtlich KEINEM so richtig zugehört. Insofern wäre es spannend, wie sich unser Aachener Polizeichef in Bezug auf die Planung der unweigerlich kommenden nächsten Personaleinsätze im Hambacher Wald weiterentwickeln würde, wenn er mit dem Landesboss seine Sorgen besprechen könnte.

Och Herm, egal, was dabei rauskäme und wie sich die Dinge am Tatort Hambi weiterentwickeln werden: Weh tun werden Herrn Weinspach in jedem Fall die Schultern, die gar nicht breit genug sein können für all die Verantwortung, die er weiter zu tragen haben wird:
Für den Kampf seiner PolizistInnen gegen friedliche UmweltschützerInnen, den Lärm, das Zerstörungsszenario im Wald des eigenen Heimatbodens, vielleicht noch ein weiteres Todesopfer während der nächsten Räumungswelle? Diesmal ein Polizist, eine Polizistin oder wieder ein Waldschützer, eine Waldschützerin, jemand von der Presse, ein Demonstrant, eine Demonstrantin, ein kleines Kind, ein frustrierter RWE-Kumpel,….?

am liebsten würde Käthe Herrn Weinspach selber mal fragen

Herrn Weinspach würde ich gern persönlich fragen, warum er den Wald nicht für ALLE vorläufig sperren und die UmweltschützerInnen wieder friedlich auf Herrn Claßens kohleträchtiger Wiese campen lässt. Dann hätte zu aller erst niemand mehr Schmerzen, denn auf dieser Fläche, die sich RWE mit Staatshilfe einheimsen will, stehen keine Bäume, keine brandgefährdeten Neubauten und dort existieren keine ungesicherten Verkehrswege, weil es diese auf einem Privatgelände gar nicht gibt! Es entstünde ein schmerzfreier Raum im Wald und auf der Wiese. Und ein wenig Ruhe. Ganz einfach.
Nur der Herr Laschet, der würde dadurch wieder neue Schmerzen bekommen, weil RWE sicherlich so gar nicht einverstanden sein würde mit einer solch friedvollen Lösung.
Schauen wir mal, welche Vorschläge für uns Friedlichen die nächsten Ausgaben des Aachener Zeitungsverlages durchlaufen werden……

Viele Grüße,
Eure Käthe