Eine schräge These: Bedroht Russland den ’schwachen‘ Westen?

3. Mai 2015 | Veröffentlicht von Walter Schumacher

Die Deutsch-Atlantische-Gesellschaft in Aachen

AtlantischeGesellschaftSymbolDie Atlantische Gesellschaft hatte am 30.4. in Aachen eingeladen und üblicherweise hört man dort zwar stock-konservative Informationen, diese aber normalerweise aber auf einem hohen analytisch-intellektuellen Niveau. Insofern war die kraz auf den angekündigten Vortrag gespannt.Vortragender war diesmal Herr Wolfgang Stützer, der sich als „European Affairs Consultancy“ begreift. Vermutlich hat er solche analytischen Fähigkeiten wirklich, aber in Aachen spulte er leider einen plumpen Agitations-Vortrag ab. Es fehlte jede Analyse, es gab keinerlei Begründungen, sondern eine Aneinanderreihung von Tatsachenbehauptungen und Unterstellungen.
Vortrag von Wolfgang Stützer, Atlantische GesellschaftEr appellierte weniger an den Verstand als an Bedrohungsgefühle. Er knüpfte an die Vorurteile der ZuhörerInnen an und versuchte, diese zu bestätigen. Gekommen waren 35 Personen, davon 6 aktive Uniformierte (niedrige Dienstgrade), die anderen alles pensionierte (also vorzüglich dotierte) ehemalige BW-Angehörige und zwei oder drei Nicht-BW-Personen.

Der Vortrag begann mit zwei Kernaussagen:

  • „Der Westen ist (jetzt) schwer geschwächt“.  Unklar blieb dabei, wo und in welchen Positionen der Westen schwächer als früher sei. Selbst auf spätere Nachfrage gab es dazu nichts greifbares. Aber durch die Unterstellung der Richtigkeit dieser Positionen ergab sich „natürlich“, dass der Osten (konkret Russland) jetzt stark ist und diese Stärke ausnutzt, um dem Westen Entscheidungen (welche?) aufzuzwingen.
  • „Es besteht eine Bedrohungslage durch Russland lautete die zweite Kernausssage.Auch gab es nicht EINE Begründung.

Und dann wurde durch-dekliniert: „Der Westen hat zu wenig Waffen, zu geringe Militärausgaben, keinen Willen zur Verteidigung, wehrt sich nicht richtig, lässt die östlichen NATO-Staaten (Baltikum bis Rumänien) im Stich, usw. usf.“.

Es gab zwischen durch eine durchaus richtige Aussage („Führungsmacht zu sein entscheidet sich an materiellen Fähigkeit, aber auch an dem Willen ob man „führen will“.) die zeigte, dass Herr Stützer sicher analytischer sein kann, als er das im Vortrag gezeigt hat. Aber leider diente auch dieser Gedankenansatz letztlich nur erneut dazu aufzuzeigen, dass „der Westen schwach ist“.

Alles in allem war es ein Perforce-Ritt durch eine Weltsicht, die man von borniertem US-Militär erwarten würde, nicht aber von enem Analytiker.

Die Vortrags-Ankündigung hatte spannend geklungen:

Das Spannungsfeld der NATO und EU zur Strategie der Politik und Wirtschaft im Dreieck USA-EU-Asien

Krisenherde in Vorderasien und Jemen führen unverändert zu fürchterlichen Verbrechen ohne Aussicht auf schnelle Lösungen. Hintergrund ist allem Anschein nach der Kampf um die Vormachtstellung in der Region zwischen Saudi Arabien und dem Iran. Auch in diesem Zusammenhang steht das soeben abgeschlossene Atomabkommen mit dem Iran. Gleichwohl lässt sich noch nicht genau absehen, ob sich so tatsächlich die iranische Atombombe in der Zukunft verhindern lässt.
Zeitgleich findet derzeit ein gewaltiger Wettlauf um die Weltmärkte der Zukunft statt: Zwischen der von China propagierten Freihandelszone Asien-Pazifik mit den USA (FTAAP), die rund 40 Prozent der Weltbevölkerung umfassen würde und zwischen dem schleppend vorankommenden Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP), das vor allem in Europa auf Skepsis stößt. Die Sorge geht unverändert um, dass beim TTIP Standards ausgehandelt werden, denen sich die EU nur noch anpassen könnte.
Die USA verfolgen zudem gleichzeitig ohne China eine kleinere Alternative zur FTAAP mit Japan, die Transpazifische Partnerschaft (TTP) an der 12 Staaten Interesse zeigen. Auf deutsche Unternehmen könnten gravierende Nachteile für den Welthandel zukommen, sollten sich die USA mit den Asiaten tatsächlich früher einigen.

Leider wurden die durch diese Ankündigung geweckten Erwartungen in keiner Weise erfüllt.


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