Ein Vogelschiss in der Geschichte der Firma Zentis

12. Juni 2018 | Veröffentlicht von Detlef Peikert / ws

Ablehnung eines Leserbriefes in AN/AZ

Die Fa. Zentis schaltete am 6.9. in der Lokalzeitung eine Anzeige „Seit 125 Jahren ist die Geschichte der Firma Zentis eng mit dem Standort Aachen verbunden“. Darin wurden die Leistungen von Zentis-Familienmitgliedern mehrerer Generationen gepriesen, wertschöpfende Beschäftigte fanden keine Erwähnung. Ebensowenig die Verquickung der Firma mit dem Faschismus, insbesondere wurden die Zwangsarbeiter verschwiegen.
Den folgenden Leserbrief von Detlef Peikert hat der Zeitungsverlag abgelehnt zu veröffentlichen, der Schutz der Anzeigeninserenten ist dem Verlag vorrangig. (Es folgt der Leserbrief)

Vogelschissbeseitigung

In den „Fragen eines lesenden Arbeiters“ („Wer baute das siebentorige Theben?“) erinnerte Bertold Brecht daran, dass es nicht die Krupps und die Zentis selbst waren, die ihre Werke bauten und ihren Reichtum mehrten.
In der Zentis-Selbstdarstellung der Firmengeschichte deutet das Verschweigen der Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis 1945 auf eine Missachtung der gegenwärtig Beschäftigten. Bedeutsamer noch ist, dass Zentis die Zeit des Faschismus aus Opfersicht erwähnt, nämlich „der Krieg schlägt zurück“. Jedoch verschweigt Zentis eine weitere Quelle seines Reichtums:
Die Sklavinnen und Sklaven, die als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeit im Unternehmen schuften, leiden, hungern und sterben mussten. Im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf Reg. Aachen 23093 sind auf Blatt 86, 116, 127 und 134 17 sogenannter „Ostarbeiter“ nachgewiesen, in den Firmenarchiven von Zentis mögen weitere Nachweise und Schicksale aufzufinden sein. Mangelnde Wertschätzung der Beschäftigten und der Versuch, im Stile der AfD den „Vogelschiss“ der Geschichte zu beseitigen, gehen hier offensichtlich Hand in Hand.

(Leserbrief von Detlef Peikert)