Doch eine Chance für die Campusbahn?

11. Januar 2012 | Veröffentlicht von Pressemitteilung der Stadt Aachen / ws

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es Bemühungen, in Aachen wieder eine Stadtbahn einzuführen, aber bisher sind alle Versuche gescheitert. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf – und der sieht gut aus!

 

Campusbahn – ein innovatives Verkehrssystem elektrisiert Aachen

Die Stadt Aachen plant den Bau einer modernen Stadtbahn. Der erste Streckenabschnitt der sogenannten „Campusbahn“ wird vom Universitätsklinikum über den neuen Campus Melaten, Campus Westbahnhof und die Innenstadt bis in den Aachener Stadtteil Brand führen. Mit ihrer Trasse entsteht gleichzeitig eine Infrastruktur für Elektromobilität, die von Elektrobussen und anderen Elektrofahrzeugen genutzt werden kann. Die Campusbahn wird in ein durchgängiges Verkehrssystem mit Bahn und Bus sowie ausleihbaren Elektroautos und Elektrofahrrädern integriert. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp stellte das Projekt heute Nachmittag gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Adolf Müller-Hellman, Geschäftsführer des Förderkreises des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der Öffentlichkeit vor. Wenn der Rat nach einer umfangreichen Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung eine positive Entscheidung trifft und die Finanzierung gesichert werden kann, könnte der erste Teilabschnitt der Campusbahn im Jahr 2019 eröffnet werden.

Die Idee, eine neue Stadtbahn zu bauen, nachdem im September 1974 der Straßenbahnbetrieb in Aachen eingestellt wurde, entstand im Rahmen der Planung des neuen Hochschulerweiterungsgebietes RWTH-Campus. Bei den Untersuchungen, wie dieses Gebiet, in dem viele neue Arbeitsplätze entstehen, bestmöglich an die Innenstadt angebunden werden kann, kristallisierte sich eine Stadtbahn, die „Campusbahn“, als beste Lösung heraus.

Neben der Planung eines Einstiegskonzeptes mit einer Verbindung zwischen Universitätsklinikum und Brand ist in einer späteren Ausbaustufe eine zweite Trasse vorgesehen. Diese soll von der niederländischen Grenze bei Vaals bis Würselen verlaufen. Beide Trassen bilden ein Achsenkreuz mit Schnittpunkt am Aachener Bushof und sind zusammen 24 Kilometer lang. Die Einstiegstrasse hat an den Bahnhöfen Aachen-West und Rothe Erde Umsteigepunkte zur Regionalbahn. Die zweite Trasse sieht eine weitere Umsteigemöglichkeit am Bahnhof Aachen-Schanz vor.

Campusbahn stärkt den Öffentlichen Personennahverkehr und verbessert das Klima

Der Bau der Campusbahn bietet die Chance, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Aachen nachhaltig zu stärken. Das gut ausgebaute Busnetz stößt wegen der kontinuierlich wachsenden Fahrgastzahlen schon heute oft an Kapazitätsgrenzen. So nutzen auf Strecken wie dem Adalbertsteinweg täglich rund 30.000 Menschen den Bus. Stadtbahnsysteme finden überall eine hohe Akzeptanz.

Deshalb ist zu erwarten, dass mit dem Angebot einer modernen Stadtbahn noch mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen. Dies entlastet die Verkehrssituation und reduziert die verkehrsbedingten Emissionen zusätzlich. Die Campusbahn fährt weitgehend emissionsfrei. Das verbessert die Luftqualität in der Stadt. Da die Campusbahn Strom aus erneuerbaren Energiequellen nutzt, leistet sie auch einen Beitrag zum Klimaschutz.

Die Campusbahn – ein Innovationsprojekt für Elektromobilität und „intermodale Mobilität“

Gegenüber bestehenden Stadtbahnsystemen zeichnet sich die Campusbahn dadurch aus, dass mit ihrer Trasse gleichzeitig eine Infrastruktur für die elektromobile Nutzung durch andere Verkehrsmittel entsteht. Zum einen kann die Campusbahn ihre Trassen und deren Stromversorgung meist mit Elektrobussen teilen. Zusätzlich werden Ladestationen für weitere Elektrofahrzeuge entstehen.

Die gesamte Strominfrastruktur der Campusbahn wird in „intelligente“ Stromnetze integriert. In diesen sogenannten Smart Grids spielen dann auch die Stromspeicher eine wichtige Rolle, die Campusbahn und Elektrobusse auf den Streckenabschnitten mit Energie versorgen, wo keine Oberleitungen vorhanden sind.

Unterstützt wird das Projekt durch das umfangreiche Know-how der Hochschulen und Unternehmen der Region zum Thema Elektromobilität. So kann die Campusbahn zu einem viel beachteten Innovationsprojekt werden.

Die Campusbahn bildet nicht nur das Rückgrat für den Ausbau der Elektromobilität in Aachen. Sie ist auch die Grundlage eines innovativen Mobilitätsverbundes umweltfreundlicher Verkehrs-mittel. Zu diesem Verbund gehören neben Bahn, Campusbahn und Bus auch Miet- und Ladestationen für Elektroautos und Elektrofahrräder. Diese entstehen an geeigneten Haltestellen und werden über die Infrastruktur der Campusbahn mit Strom versorgt. Alle Verkehrsmittel dieses intermodalen Mobilitätsverbundes werden optimal verzahnt und sollen möglichst mit einem durchgängigen Ticket benutzt werden können.

Die Campusbahn – gut integriert, barrierefrei und attraktiv

Bei der Planung der Trassen und der Infrastruktur wird sorgfältig darauf geachtet, dass sich die Campusbahn möglichst konfliktfrei in den Straßenraum und das Stadtbild einfügt. Sofern möglich, nutzt sie die vorhandenen Busspuren, sonst fährt sie in einer eigenen Trasse. Beispiele in anderen Städten zeigen, dass diese gemeinsame Nutzung des Straßenraums mit anderen Verkehrsteilnehmern problemlos möglich ist. Die Haltestellen der Campusbahn werden sicher und barrierefrei gestaltet, ebenso die Umsteigepunkte zum Bus, zu den Bahnhöfen der Deutschen Bahn und den Mietstationen für die Elektro-Fahrzeuge.

Investitionsvolumen rund 170 Millionen Euro

Das Investitionsvolumen beträgt einer ersten Schätzung zufolge für Fahrweg und Betriebshof inklusive Planungs- und Baunebenkosten rund 170 Millionen Euro (ohne Fahrzeuge). Bei der Streckeninfrastruktur wird eine Förderung über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) angestrebt. Die Förderquote liegt überwiegend bei 90 Prozent. Erste Gespräche mit Zuwendungsgebern auf Bundes- und Landesebene sind positiv verlaufen. Darüber hinaus hat das Land Nordrhein-Westfalen das Projekt für eine Förderung durch das Bundesprogramm „Schaufenster Elektromobilität“ vorgeschlagen.

Welche ökonomische Wirkung vom Bau einer Campusbahn ausgeht, wurde im Rahmen eines Gutachtens untersucht. Es kam zu einem überraschend positiven Ergebnis: Für die Trasse des Einstiegskonzeptes beträgt der Nutzen-Kosten-Faktor 1,5. Das bedeutet, dass der Nutzen erheblich höher ist als die Kosten.

Umfangreiche Information und Beteiligung

Mit der ersten Vorstellung des Konzeptes durch die Projektpartner am heutigen Mittwoch im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung für den Rat der Stadt beginnt eine umfangreiche Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung. Geplant sind Informations- und Diskussionsveranstaltungen in allen Stadtbezirken, es gibt eine Wanderausstellung, eine Website mit Diskussionsforum (www.campusbahn.de) sowie umfangreiches Informationsmaterial.

Die endgültige Entscheidung, ob die Campusbahn gebaut wird, trifft der Rat der Stadt Aachen. Mit einer Verwirklichung des ersten Streckenabschnitts ist voraussichtlich im Jahr 2019 zu rechnen.


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