Eine merkwürdige Begegnung beim Karlspreis in Aachen

10. Mai 2013 | Veröffentlicht von Walter Schumacher / nr

Zusammenhänge zu Gladio und dem Attentat auf dem Münchner Oktoberfest 1980?

dscf3307-kleinAn Himmelfahrt wurde der Karlspreis der Stadt Aachen an Frau Dr. Dalia Grybauskaite. aus Litauen vergeben. Hierzu gibt es viele Berichte – auch durchaus kritische.
Wir werden deshalb nicht einen weiteren Artikel über die Verleihung liefern, sondern möchten von einem kleinen, aber doch sehr spannendem Ereignis am Rande berichten.

Zum Verständnis muss eine kleine Vorgeschichte erläutert werden:

Attentat auf dem Oktoberfest in München 1980

1980 wurden bei einem rechtsextremen Attentat auf dem Oktoberfest in München dreizehn Menschen ermordet, über 200 weitere – teils schwer – verletzt. Es war der bisher größte Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.

2013 steht der Duisburger Historiker Andreas Kramer unter Eid vor einem Gericht in Luxemburg. In einem Interview mit der Zeitung »junge Welt« erklärt er, sein Vater sei als BND-Mann am Oktoberfest-Attentat 1980 beteiligt gewesen. Chef seines Vaters sei ein General Chalupa gewesen, der heute in Aachen lebe. »Dort [im Generalstab] hat er [Kramer senior] wohl die entscheidenden Leute kennengelernt und seine Verbindungen geknüpft. Auch zum späteren Viersterne-General Leopold Chalupa, der 1983 Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa Mitte (AFCENT) wurde und es bis 1987 blieb. Der war in der für die Attentate in Frage kommenden Zeit sein höchster Vorgesetzter, von ihm kamen letztlich die Befehle. (jw vom 13.4.2013)«

Das Defilier

Nach der Karlspreisverleihung gibt es traditionell ein Defilier der Honoratioren & Besucher bei der Aachener Bevölkerung und somit auch an protestierende Mitbürger.

Als sich eine Personengruppe (dabei ein uniformierter Offizier) der Protestgruppe näherte, wurde von einem Antimilitaristen gerufen „Hallo Herr General, nicht nur in Afghanistan wird gekämpft, sondern auch hier in Europa!“.
Aber statt des Uniformierten fühlte sich ein älterer Zivilist angesprochen. Der drehte sich um und ging, emotional hoch erregt zu der Protestgruppe.

Der Wortwechsel

Dort erkannte ihn jemand als den ehemaligen Viersterne-General Leopold Chalupa und sprach ihn (auf den oben beschriebenen Vorgang) an mit „Haben Sie da nicht noch ein Gerichtsverfahren in Luxemburg?“
Antwort von Chalupa: „Nein der war kein Untergebener von mir … ich habe dazu schon von Gysi einen Brief bekommen.

(Letzteres ist wahrscheinlich eine Verwechslung und bezieht sich vermutlich auf eine mündliche Anfrage [24.4.2013] des MdB Hunko [Partei Die LINKE] zu Gladio/Stay-behind und dem oben beschriebenen Prozess in Luxemburg.)

Im Weiteren ereiferte sich Herr Chalupa über Martin Schulz, den Präsident des Europa-Parlaments. Dieser hatte in seiner Laudatio für die Karlspreisträgerin u.a. jene Bewegungen hoch gelobt, die die Veränderungen in der DDR durchgesetzt hatten. Chalupa: „Die Mauer ist doch nicht gefallen, weil sich da ein paar Leute drauf gestellt haben. Sondern das war ein Ergebnis langer Arbeit … !

Kurz danach endete der Wortwechsel.

Was will Herr Chalupa uns sagen?

Als Beobachter und Redaktion bleiben wir von der kraz etwas ratlos zurück.
Was wollte Herr Chalupa mit seiner Aussage sagen? Will er von den Anschuldigungen wg. eines misslungenen Attentats auf dem Münchner Oktoberfest ablenken und Lob bekommen für eine erfolgreiche Arbeit im damaligen Ostblock?
Ist er nur dünnhäutig und hat überreagiert?

Wir wissen es nicht und können nur die z.Zt. beginnende Auseinandersetzung der bürgerlichen Medien um die Hintergründe des Oktoberfest-Attentats weiter beobachten.

 

 

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