Electrabel hat ihn wieder hochbekommen – Aber wie lange?

15. Dezember 2015 | Veröffentlicht von

DSCF8488Hoffentlich gibt’s keinen finalen Schlaganfall, sondern nur kleinere Infarkte!

Electrabel hat ihr Atomkraftwerk Tihange 2 heute Nacht um 21:30 wieder hoch gekriegt.
Mit viele Mühen und uns unbekannten Hilfsmittel ist es Electrabel gelungen, das altersschwache Bröckel-AKW-Tihange 2 wieder hochzufahren und auf Leistung zu bringen. (siehe hierzu den kraz-Artikel). Jetzt produziert der Atomreaktor wieder Strom – und Electrabel verdient reichlich Geld.

Im AKW-Tihange 2 brennt wieder das atomare Feuer!

Die mehrfach abgebrochenen und wiederholten Startversuche deuten auf technische ernste Störungen hin in den Druckleitungssystemen, bei den Pumpen, in der Elektronik, und und und. Selbst das Notfallkühlwasser muss mittlerweile dauerhaft bei 40 Grad (statt normal 20-30) gehalten werden, um die geforderten Minimalsicherheitsmargen einzuhalten!

Vielleicht passt hier der Vergleich des AKWs mit einem alten kranken Menschen: In dem altersschwachen und durch Risse schwer geschädigten AKW könnte es zu kleineren Infarkten kommen, die nicht unbedingt ‚das Ende‘ bedeuten. Käme es aber zum Bersten des Reaktor-Druck-Behälters, dann wäre das wie ein Schlaganfall im AKW mit Todesfolge für das Werk!
Nur: anders als bei einem sterbenden Menschen würde dieser Tod aber hier leider auch die Schädigung vieler Anwohner aus der Region des AKWs nach sich ziehen..

Leider verschweigt Electrabel wie üblich die problematischen Details. ‚Vertrauen-Erzeugen‘ ist das Gegenteil von dem was Electrabel betreibt.

Wird Tihange 2 länger stabil bleiben?

Das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie (AAA) erwartet in nächster Zeit diverse Störungen im Betrieb dieses AKWs. Solange es sich nur um kleiner Unfälle im nicht-nuklearen Bereich handelt, wären die noch nicht wirklich schlimm, sondern nur weitere Hinweise auf die Unsicherheit dieses AKWs. Käme es aber in Folge auch zu Störungen im nuklearen Bereich, sieht die Sache übler aus, auch wenn das immer noch nicht unbedingt gesundheits- oder lebensbedrohend für Aachener werden muss.

Also alles gut?

Das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie (AAA) sieht das anders. Experten der Gruppe beschreiben den Reaktor als etwas ganz außergewöhnliches. Sind schon normale Reaktoren gefährlich, so ist in Tihange die Risikosituation wesentlich schlimmer.
Der stählerne Reaktor-Druck-Behälter (RDB) eines AKWs (aus 20 cm dickem Stahl, Durchmesser 4 Meter, Höhe 12-16 Meter, 160 Bar Innendruck, Temperaturen über 300 Grad) ist so berechnet, dass es keinen denkbaren Fall gibt (geben darf), in dem dieser Behälter spontan undicht werden kann.
Im Fall einer Kernschmelze ist zwar klar, dass die Stahlhülle diese nicht lange aushalten kann, aber es wird davon ausgegangen, dass zwischen ‚Beginn Kernschmelze‘ und ‚Austritt von nuklearem Material‘ mind. 20-30 Stunden Zeit bleiben für Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen für die Bevölkerung.

Des Besondere an Tihange 2

In Tihange 2 (& Dole 3) würde das leider dadurch ganz anders aussehen, weil der Stahl durch die bis zu 18 cm großen Risse deutlich vorgeschädigt ist. Bei unvorhergesehenen Ereignissen im Inneren des RDB können dadurch Situationen entstehen, die das eigentlich Undenkbare eintreten lassen würde: Ein SPONTANES Versagen des RDB! Ihn also reißen oder gar explodieren lassen könnten und somit das nukleare Inventar das AKWs unmittelbar und weitestgehend in die Umwelt austreten lassen.

Die worst-case-Folgen

Bei den vorherrschenden Windverhältnissen würde das bedeuten, dass ca. 2 h nach Bersten des RDBs die nukleare Wolke über Aachen ankommen würde. Und je nach Ausgangssituation (Menge des ausgetretenen Nuklearmaterials, Windstärke, Auswaschung über Aachen) könnte das für die Bewohner Aachens von leichter Verstrahlung bis zu schwersten Verseuchungen und Unbewohnbarkeit der Region führen. Es wird zwar sicher keine ‚Sofort‘-Toten geben, aber alle Varianten von Krebserkranken sind sicher die Folge.
Es ist dieses worst-case-Szenario, dass das AAA seit vier Jahren antreibt, die sofortige und dauerhafte Schließung von Tihange 2 zu fordern.

Und das Wiederhochfahren dieser potentiellen „schmutzigen A-Bombe“
ist das genau das Gegenteil einer sinnvollen Maßnahme!