Enttäuschende Syrien-Veranstaltung

28. Januar 2014 | Veröffentlicht von Walter Schumacher / hr

syrienveranstaltung-2Ist Syrien noch zu retten?

Genfer Verhandlungen: ferne Hoffnung oder konkrete Möglichkeit…

Knapp 120 Menschen waren am 17.1.14 gekommen, um sich in Aachen auf einer breit beworbenen (1) Veranstaltung über die aktuelle politische Situation und die anstehenden Genfer Verhandlungen zu informieren.
Leider führte das Veranstaltungskonzept zu sehr wenig Klarheit sondern stattdessen zu einem Eklat.

 

Veranstalter und TeilnehmerInnen

syrienveranstaltung-1Die Veranstaltung wurde formal von der Rosa-Luxemburg-Gesellschaft organisiert. Tatsächlicher Initiator war jedoch eine linken Gruppe aus Österreich, die eine – an sich sehr ehrenwerte – Initiative („Initiative für eine politische Lösung peaceinsyria.org“) gestartet hat, um demokratische Veränderungen in Syrien vorzubringen. Wie sie das genauer machen will, erschloss sich zumindest nicht auf dieser Veranstaltung. Vielmehr arbeitet sie – wie auf der Veranstaltung vorgeführt – mit Leuten (2) zusammen, die weniger mit Fakten, sondern viel mehr mit Emotionen und Gräuel- und Propagandabildern arbeiten (mehrfache Vergewaltigung von 8-jährigen Mädchen durch die syrische Regierungsarmee; insbesondere Bäckereien würden systematisch bombardiert, damit die Bevölkerung verhungert, …).

Kritische Fragen

Kritische Fragen aus dem Publikum blieben mehrfach übergangen. Als jemand vom Antikriegsbündnis Aachen auf die Beantwortung insistierte, führte das Eingreifen von Saalordnern zu heftigen Turbulenzen und fast zum Abbruch der Veranstaltung.
Insgesamt trug die Veranstaltung wenig bis nichts zum Verständnis der Lage in Syrien bei. Das drückte sich auch dadurch aus, dass nach einer 1/2 Stunde die ersten 5 Personen gingen, nach einer ¾ Stunde weitere 10 Personen. Schon vor Ende der einzelnen Stellungnahmen (1½ Stunden) waren nur noch 50 Leute im Saal und die Schlussrunde haben sich noch knapp 35 Leute im Saal angehört.

Neuer Staat Kurdistan?

Einziger Lichtblick an diesem Abend waren Informationen zur besonderen Rolle der (Syrischen) Kurden. Sie kontrollieren mittlerweile ihre Siedlungsgebiete im Nordwesten weitestgehend selber. Mit eigenen bewaffneten Kräften halten sie sowohl die Regierungsarmee von Assad, genauso aber die Rebellen/Aufständischen aus ihrem Gebiet fern. Sie stellen sich in dem Bürgerkrieg auf keine der beiden Seiten, was zumindest von Assad zumindest zur Zeit akzeptiert wird.
Zynischerweise wurde genau DIESE Gruppe in Wien nicht zur Friedenskonferenz eingeladen. Offenbar mag der Westen solche Strukturen, die sich unabhängig von anderen Staaten entwickeln nicht. (Zur Situation in diesen Kurdengebieten gibt es einen informativen Artikel in der jw).

 

Im der SOZ fand sich im Nachgang ein weitere Bericht zur gleichen Veranstaltung, mit einer deutlich anderen Aussage.

Lest bitte selber hier (aus einer anderen Quelle, weil SOZ den Artikel nicht On-Line stellt)

 

Dokumente

(1) Einladungstext für die Veranstaltung
Syrien versinkt in einem nicht enden wollenden Bürgerkrieg, an dem die regionalen und globalen Mächte wesentlich mitbeteiligt sind. Der Konfessionalismus nimmt stark zu und die ursprünglichen demokratischen Forderungen der Volksrevolte rückten immer mehr in den Hintergrund.
Das Patt auf dem Schlachtfeld zeigt, dass es keine militärische Lösung für den Konflikt gibt. Daher sehen viele die Genfer Verhandlungen als die einzige Hoffnung – doch diese wollen nicht in die Gänge kommen.
Obwohl die Kurden bisher versuchten sich herauszuhalten und ihre Rechte verteidigten, werden sie unweigerlich in den Strudel hineingezogen, zuletzt durch den bewaffneten Konflikt mit den Jihadis.
Unter welchen Bedingungen könnte es doch zu Verhandlungen kommen? Welche Rolle spielt die kurdische Frage? Welchen Beitrag können wir leisten, um den demokratischen Rechten der syrischen Volkes sowie seiner kurdischen Komponente zum Durchbruch zu verhelfen? Ist die westliche Militärintervention mit dem Abkommen über die Vernichtung der Chemiewaffen nun wirklich vom Tisch und wem nützt sie?
Veranstalter:
Initiativ e.V, International Peace Initiative for Syria, Kurd Akad e.V Netzwerk kurdischer AkademikerInnen Aachen
Unterstützer:
Rosa Luxemburg Stiftung NRW ,
Andrej Hunko MdB Die Linke,
Eine Welt Forum Aachen,
Tamil Youth Organisation,
Junge Welt,
YXK Dachverband der Studierenden aus Kurdistan Aachen

(2) Die Diskutanten

  • Hassan al Hachimi, politischer Sekretär der syrischen Muslimbrüder (Ihvan)
  • Zuhat Kobani, Europäischer Sprecher der kurdischen PYD (Partei der demokratischen Einheit), die Mitglied des National Co-ordination Body for Democratic Change (NCB) ist
  • Samir Aita, Mitbegründer des Demokratischen Forums, ehemaliger Chefredakteur der arabischen Ausgabe von Le Monde Diplomatique
  • Huda Zein, Dozentin an der Universität Köln, ehem. Mitglied des National Co-ordination Body for Democratic Change NCB, Mitglied des »Verein der syrischen Frauen
  • Salah-Aldin Siedo, aus Syrien, Autor, Studium der Orientalistik und Islamwissenschaften
  • Wilhelm Langthaler, Mitbegründer der Initiative für eine politische Lösung peaceinsyria.org
  • Dr. Leo Gabriel, Sozialanthropologie und Mitglied des Internationalen Rates des Weltsozialforums

Moderation
Dr E.Crome, Rosa Luxemburg Stiftung

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