Eure Gala: Armut. Elend. Ausgrenzung.

17. Oktober 2013 | Veröffentlicht von Initiative-Recht-auf-Stadt/Köln /ws

Mit viel geheucheltem Mitgefühl wollen sich am Freitag den 25. Oktober 2013 die “Reichen und Schönen” Kölns als Retter_innen von Wohnungslosen darstellen.
Bei einer Kunst-Versteigerung samt großer Gala sollen die Geldbeutel der Almosenwirtschaft gefüllt werden. Wenn man sich die Liste und Ziele der Veranstaltung anschaut scheint es besonders perfide, dass gerade die Organisatoren und Profiteure einer Politik, die Wohnen für immer mehr Menschen zu einem kaum noch bezahlbaren Luxus macht, jetzt eine Gala veranstalten, um ein paar Euro für einige ihrer ausgewählten “Opfer” zusammenzukratzen.

Sie wollen sich als Wohltäter_innen feiern

Dabei sind sie es, die Ausbeutung und Vertreibung produzieren. Darum kämpfen wir für das Recht auf Stadt – für alle!

==> Kommt deshalb zur Kundgebung gegen die Wohlfühl-Gala von “kunst hilft geben”
        Freitag 25.10.2013 | Treffpunkt: 18:00 Uhr | Chlodwigplatz, Köln

Plakat (PDF) / Flyer
http://rechtaufstadt-koeln.de/wordpress/?p=168

Eure Gala: Armut. Elend. Ausgrenzung.
Der Winter kommt, und immer weniger Menschen finden eine Bleibe. Während die Einen auf der Straße frieren und manche sogar erfrieren werden, beschweren sich die Anderen über ganz eigene Probleme: Im neuen Luxus-Loft gibt es noch immer eine kahle Wand. Um diesem “Missstand” abzuhelfen, hat sich ein Kreis von Kulturfreund_innen zusammengefunden, der „Kunst hilft geben e.V.“: mit dabei illustre Gestalten wie Baronin von Oppenheim (Kunstmäzenin und ehemalige Bewohnerin einer Villa in Marienburg), Dr. Konrad Adenauer (Haus-und Grundbesitzerverein Köln), Dr. Ulrich Soenius (Industrie und Handelskammer Köln).

Der Zweck des Vereins ist einfach und leicht zu verstehen: Im Namen der Ausgeschlossenen und Entrechteten geht Dirk Kästel (GAG Immobilien AG und ehem. Redakteur des Kölner Express) mit der Spendenbüchse rund, um bei Künstler_innen und Gönner_innen ein paar Werke von Gerhard Richter, einige von Meese und noch ein paar von Immendorf einzusammeln. Die Initiatoren versteigern sie an kaufkräftige Kundschaft mit Innendekoration-Problemen.

Um dem ganzen Unternehmen noch einen Hauch von Uneigennützigkeit zu verleihen, werden die Einnahmen an die Almosenwirtschaft Kölns gespendet und ist beabsichtigt, ein Haus für 8–10 „Vorzeige-Obdachlose“, zu erbauen. Gesucht werden dabei junge, weder drogen- noch alkoholabhängige, am besten künstlerisch begabte Wohnungslose gesucht, die bereit sind, für das Haus umsonst zu schuften und sich nach sechs Monaten gnädigen Obdachs wieder auf dem Arbeitsmarkt zurecht zu finden. Dieses Anforderungsprofil wird von den 5000 Wohnungslosen in Köln kaum zu erfüllen sein und zeigt, dass das Unternehmen nur bestimmten Obdachlosen zugute kommen soll. Es zeigt auch, dass es weniger darum geht, tatsächlich zu helfen, als sich selbst auf die Schulter zu klopfen und das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen.

Besonders perfide ist, dass gerade die Organisatoren und Profiteure einer Politik, die Wohnen für immer mehr Menschen zu einem kaum noch bezahlbaren Luxus macht, jetzt eine Gala veranstalten, um ein paar Euro für einige ihrer ausgewählten “Opfer” zusammen zu kratzen.

 

Am 25. Oktober ist die nächste Pseudo-Solidaritäts-Gala der Reichen und Schönen Kölns. Solche Galas werden begleitet von einer alt-neuen Heuchelei-Moral, die von gesellschaftspolitischen Konflikten nix mehr wissen will, der Verteilungsgerechtigkeit ein Fremdwort ist und die soziale Problemlösungen strikt auf die GönnerInnenschaft der Reichen reduzieren und privatisieren will. So lässt es sich nachts ruhig schlafen, während der sogenannte Sozialstaat weiter kahlgeschlagen, die Steuern des obersten Drittels der Gesellschaft gesenkt und die Stadtplanung in Form von Vertreibung von Wohnungslosen und Geflüchteten vorangetrieben werden.

Auch die Reichen-Gala Kölns ist ein Politikum, das sich in eine ganz bestimmte Gesellschaftsdebatte einreiht. Sie propagiert ein Menschenbild, wonach jede und jeder für das eigene Schicksal und auch das eigene Scheitern selbst verantwortlich sei und soziale Fürsorge vor allem Aufgabe lokaler Gemeinschaften ist. Damit verliert die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für Armut, Hunger und Ausgrenzung im öffentlichen Bewusstsein immer mehr an Wert. Bei der Reichen-Gala geht es in Wirklichkeit nicht um Hilfe für sozial Ausgeschlossene, sondern nur um die Präsentation des schönen Scheins eines vermeintlichen sozialen Gewissen der Reichen und Schönen. Nichts gegen etwas mehr Empathie, Wohlwollen und Solidaritätsbewusstsein füreinander; aber dann bitte nicht als moralischer Ablass, sondern konsequent mit einer Infragestellung der Logik des Marktes und dessen gnadenloser Sanierung, die tagtäglich menschliche Existenzen bedroht und vernichtet.

Ihr wollt euch mit der Charity Gala als Wohltäter feiern – dabei seid Ihr es, die Ausbeutung und Vertreibung produzieren.
Darum kämpfen wir für das Recht auf Stadt – für alle!

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