Konferenz der Braunkohle(dinosaurier)

23. Mai 2018 - 0:00

RWTH, Templergraben

Braunkohledinosaurier geriert sich an der RWTH Aachen als Zukunftsprophet

Am 23. und 24. Mai 2018 findet an der RWTH Aachen AIMS, das Aachen International Mining Symposium statt. Das Motto „Mines of the Future“ (Bergwerke der Zukunft) hat dabei durchaus seine Berechtigung. Es gilt z.B. über die Nachnutzung alter Steinkohlebergwerke oder über umweltverträgliche Erzgewinnung nachzudenken. Jedoch tritt unter dem zukunftsweisenden Leitsatz auch eines der vergangenheitsorientiertesten Energieunternehmen als Sponsor auf: Der Klimakiller RWE, der das Rheinische Braunkohlerevier ausbeutet und die Kohle gleich vor Ort verbrennt – das zerstört nicht nur das Weltklima sondern belastet auch die Luft in der Region mit Feinstaub, Quecksilber und anderen Giften.

Anstatt die Konferenz zur Neuorientierung und Alternativensuche zu nutzen, hält RWE an der Braunkohle fest und fabuliert von angeblich sauberen neuen Kraftwerken. Der Konzern will die Nutzung der nach CO2-Ausstoß pro erzeugter Kilowattstunde klimaschädlichsten Art der Stromerzeugung noch weit in die Zukunft verlängern, sogar mit Kraftwerksneubauten. Nach den üblichen Regeln der Abschreibung bedeutet das, diese Stromerzeugungsart bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts zu verfolgen. „Hier verschließt ein Konzern ganz fest die Augen vor dem unausweichlichen Kohleausstieg“, sagt Lea Heuser,Sprecherin von Fossil Free Aachen. „Es gibt keine saubere Kohleverstromung und unsere einzige Chance auf eine Abmilderung des Klimachaos sind die erneuerbaren Energien.“

Auf der Homepage der Konferenz unter http://www.aims.rwth-aachen.de/rwe-power-ag/ schreibt der Stromkonzern dazu freimütig: „Mittelfristig liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung des Kraftwerksportfolios, insbesondere durch die Optimierung bestehender Anlagen und durch gezielte Neubauten. Dazu gehören die Verlängerung der wirtschaftlichen Nutzungsdauer bestehender Anlagen durch Sanierungsmaßnahmen und Effizienzsteigerungen sowie gezielte Kraftwerkserneuerungen“. Außerdem heißt es, RWE könne als „großer deutscher Stromerzeuger […] weitgehend auf die eigene Rohstoffbasis zurückgreifen“. Mit der „eigenen Rohstoffbasis“ können aber ausschließlich die rheinischen Braunkohle-Tagebaue gemeint sein, die RWE gehören. Braunkohle stellt mit 36,7% der Stromerzeugung den mit Abstand größten Posten im „Energiemix“ von RWE dar, gefolgt von Erdgas (26,7%), Atomenergie (15,0%) und Steinkohle (14,5%). Von den Brennstoffen muss lediglich die Braunkohle nicht importiert werden. – Erneuerbare Energien firmieren bei RWE unter „ferner liefen“ (5,6%). (Zahlen von 2017, Quelle: de.statista.com)

Die RWTH Aachen schreibt sich „Thinking the Future“ (die Zukunft denken) auf die Fahnen. Statt rückwärtsgewandte Energiekonzerne als Sponsoren zu gewinnen, täte die renommierte, technische Hochschule deutlich besser daran, alternative Stromerzeugung und -speicherung zu erforschen und zu lehren. Fossil Free Aachen bekräftigt daher anlässlich der AIMS-Konferenz seine Forderung nach einem möglichst baldigen und vollständigen Kohleausstieg Deutschlands und einer Neuausrichtung von Forschung und Lehre an der RWTH Aachen. „Die Ingenieurinnen und Ingenieure von morgen haben ein Recht darauf, zu lernen, wie sie die Zukunft in ihre eigenen Hände nehmen können“, betont Heuser.

Fossil Free Aachen unterstützt daher den Aufruf zu einer Protestkundgebung auf dem Aachener Markt. Am Mittwoch, dem 23.05.18 um 18:30 Uhr, kurz bevor sich die Konferenzteilnehmenden in der Nähe zum gemeinsamen Abendessen treffen, will die Initiative die Öffentlichkeit über die ewig gestrigen Pläne der RWE AG informieren und ihren Widerspruch zum Ausdruck bringen.

ICAL