Das Krankenhaus als Fabrik?

4. April 2019 - 18:00 bis 20:00

DGB Haus, DGB Haus, Dennewartstr. 17 (Nähe Europaplatz), 52068 Aachen

Welche Auswirkungen hat die Ökonomisierung im Gesundheitswesen auf die Krankenhäuser?

Vortrag und Diskussion von Dr. Nadja Rakowitz  (Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte)

Welche Auswirkungen hat die Ökonomisierung im Gesundheitswesen auf die Krankenhäuser?

Seit 2004 werden die Krankenhäuser in Deutschland durch Diagnosebezogene Fallpauschalen (DRG) finanziert, sie wurden in ökonomische Konkurrenz zueinander gebracht, in zunehmendem Maße privatisiert und jegliche gesetzliche Regelung von Personalstandards wurde abgeschafft.
Über die Auswirkungen dieser Politik wollen wir informieren, gemeinsam diskutieren und einen Ausblick wagen welche Alternativen es gibt.

Seitdem sind Krankenhäuser – unabhängig davon ob sie in öffentlicher, kirchlicher oder privater Trägerschaft sind – dazu gezwungen, ihre „Wettbewerbsposition“ zu verbessern oder zumindest zu halten. Um der nun in der stationären Gesundheitsversorgung eingeführten marktwirtschaftlichen Logik zu gehorchen, müssen Krankenhäuser die Einnahmen erhöhen und ihre Ausgaben senken. Das tun sie durch eine Steigerung der Anzahl an behandelten Patient*innen (Fällen) und die Abrechnung möglichst lukrativer Diagnosen auf der einen Seite sowie durch Einsparungen beim Personal und wachsender Arbeitsverdichtung auf der anderen Seite.
Im Ergebnis erleben wir eine für die Patient*innen unsinnige bis schädliche Über- und Fehlversorgung mit medizinisch nicht notwendigen Operationen und Prozeduren sowie eine Fokussierung auf apparative Diagnostik und eine Unterversorgung durch Personal- und Zeitmangel. Beides ist schlecht für Patient*innen und Beschäftigte.Trotz des gestiegenen Leistungsdrucks in den Krankenhäusern und der ökonomischen Effizienzsteigerungen droht immer mehr Krankenhäusern die Insolvenz.

Seit den – erfolgreichen –Tarifauseinandersetzungen für mehr Personal an der Charité in Berlin lautet der Kampfruf der Krankenhaus-Beschäftigten: „Mehr von uns ist besser für alle“. Seither haben sich auch andere Belegschaften auf den Weg gemacht, für mehr Personal zu kämpfen – für eine bessere Versorgung der Patient*innen und für bessere Arbeitsbedingungen im Krankenhaus. Warnstreiks, Streiks und erste Tarifverträge folgten. Derzeit werden Personaluntergrenzen für Krankenhäuser diskutiert.

Nadja Rakowitz wird die ökonomischen Entwicklungen der letzten Jahre und ihre Auswirkungen darstellen. Zudem wird sie über die Arbeit und die Forderungen des Bündnisses „Krankenhaus statt Fabrik“ berichten.
Gemeinsam wollen wir diskutieren, wie eine am Bedarf der Bevölkerung orientierte medizinische Versorgung aussehen und aufgebaut werden kann.
Dr. Nadja Rakowitz ist Leiterin der Geschäftsstelle des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte und Autorin der Broschüre „Gesundheit ist eine Ware“.

Eine Veranstaltung des Rosa-Luxemburg Clubs Aachen :

In Kooperation mit:
Rosa Luxemburg Stiftung NRW (RLS NRW)
Ver.di Bezirk Aachen/ Düren/ Erft
DGB Region NRW Süd-West
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