Exzellenz der RWTH auch bei ethischer Verantwortung?

5. Dezember 2013 | Veröffentlicht von Aachener Friedenspreis / ws

Forderung des Aachener Friedenspreises: Keine Forschung der RWTH für Kriegsministerien oder Rüstungsschmieden

Der AFP hat viel unternommen, um sowohl das Militär von den Schulen fernzuhalten als auch Rüstungsforschung an der RWTH zu verhindern. Es gab dazu in diesem Jahr sogar eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Rektor der RWTH, Herrn Schmachtenberg. Da hatte es eigentlich so ausgesehen, als ob die RWTH keine Kriegsforschung machen wolle. Jetzt haben aktuelle Meldungen in den Aachener Nachrichten bewiesen, dass es doch Aufträge seitens des Pentagons an die Aachener Uni gibt. Der Vorstand des AFP ist entsprechen erbost und veröffentlich eine entsprechende Pressemeldung:

AFP ist befremdet

Mit großem Befremden haben wir zur Kenntnis genommen, dass die RWTH Aachen für das Kriegsministerium der USA forscht. Einem Staat, der in vielen Ländern der Welt gegen jedes Völkerrecht Kriege führt und geführt hat. Der Aachener Friedenspreis lehnt jegliche Forschung ab, die Kriegsführung vorbereitet oder unterstützt.

Der AFP begrüßt

diese Selbstverpflichtung ausdrücklich. Gemäß dem Entwurf des neuen Hochschulzukunftsgesetzes (NRW) verpflichten sich die Universitäten zukünftig in Teil 1, §3 Absatz (6) : „Die Hochschulen entwickeln ihren Beitrag zu einer nachhaltigen und friedlichen Welt. Sie sind friedlichen Zielen verpflichtet und kommen ihrer besonderen Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung nach innen und außen nach. Das Nähere zur Umsetzung dieses Auftrags regelt die Grundordnung …“

Der Rektor der RWTH Aachen äußerte vor wenigen Tagen, nicht garantieren zu können, dass Forschungsergebnisse nur zivil genutzt werden.

Gefahr bekannt

Uns ist die Gefahr des sogenannten „Dual-Use“ ziviler Forschungsergebnisse durchaus bekannt. Wenn aber Forschung explizit vom Pentagon, also dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium, in Auftrag gegeben und bezahlt wird, liegt der Verwendungszweck unstrittig auf der Hand, nämlich Rüstungsproduktion und/oder effizientere Kriegsführung.

Insofern ist die obige Aussage von Herrn Schmachtenberg leider nichts weiter als ein verharmlosendes Versteckspiel.

Forderungen

Der Aachener Friedenspreis fordert die RWTH Aachen auf:
  • eine Zivilklausel einzuführen, die mit Nachdruck umgesetzt wird und jede weitere, von vorneherein klare Rüstungsforschung ausschließt;
  • ihre Forschungsaufträge und deren Auftraggeber umgehend offenzulegen, wie dies im übrigen andere Universitäten jüngst bereits getan haben;
  • zukünftig keine Forschungsaufträge von Unternehmen und Staaten mehr anzunehmen, die an völkerrechtswidrigen Kriegen beteiligt sind.

Gefährdung von Arbeitsplätzen?

Das bei Diskussionen über Rüstungsproduktion immer wieder vorgebrachte Argument der Gefährdung von vielen Arbeitsplätzen oder der Entwicklung neuer Technologien ist nicht stichhaltig. In den Bereichen Umweltschutz, regenerativer Energiemodelle, Klimaforschung und ziviler Konfliktbehandlung gibt es viele Forschungsfelder, die den Menschen dienen und deren Erkenntnisse unsere Welt friedlicher machen können.
Im Übrigen unterstützen wir die Forderung an die Bildungsministerien der Länder und des Bundes, mehr öffentliche Gelder für die Hochschulen für zivile Forschungszwecke bereitzustellen, um die Drittmittel-Forschung zu begrenzen.
Der AFP würde es sehr begrüßen, wenn die RWTH Aachen als Exzellenz-Universität sich künftig auch durch Exzellenz in ethischer Verantwortung auszeichnen würde. Schließlich obliegt ihr die Bildung junger Menschen, die in der nächsten Generation unsere Gesellschaft maßgebend prägen werden.