Fanprojekt der Alemannia erhält mehr Personalstellen

29. September 2012 | Veröffentlicht von Anne Waldgraf / ws

Das Fanprojekt spricht bei der Städteregion Aachen vor. Aber haben alle Ratsmitglieder wirklich die Problematik verstanden, die auf dem Aachener Tivoli vorliegt?

Am 27.09.2012 stand das Aachener Fanprojekt der Alemannia auf der Tagesordnung der Städteregion. Das Fanprojekt sollte über seine Arbeit berichten. Im Anschluss ging es um die Frage, ob dem Fanprojekt die finanziellen Zuschüsse erhöht werden sollen.

Das Fanprojekt

Das Fanprojekt wird bisher von drei Instanzen, dem DFL, dem Land und der Städteregion finanziert. Das Präsidium der Städteregion betonte zu Beginn des Tagesordnungspunkts die Wichtigkeit, dass rechten Strukturen auf dem Tivoli entgegengewirkt werden soll und so die Alemannia ihr Image wieder verbessert. Nur so könne sie wieder ein Aushängeschild für die Region sein.

Momentan steht die Alemannia nicht nur wegen ihres sportlichen Misserfolges in der Kritik, sondern auch wegen einer, nach rechts offenen Ultra Gruppierung, der ‚Karlsbande Ultras‘. Diese Gruppierung griff vor sieben Wochen die antirassistischen Aachen Ultras (ACU) in Saarbrücken an. Dieser Übergriff löste eine mediale und politische Diskussion über rechte Strukturen im Tivoli aus. (Wir berichteten über beides)

Probleme im Fanprojekt

Im Anschluss folgte ein Bericht von Kristina Walter, die hauptamtlich für das ‚Fanprojekt‘ arbeitet. Sie betonte, dass Fragen im Anschluss an ihren Bericht durchaus erwünscht seien.

Frau Walter stellt fest, dass die Aachener Fanszene im letzten halben Jahr sehr negativ aufgefallen ist. So stehen nicht die sportlichen Leistungen der Alemannia, sondern mehr die Ausschreitungen der Fans im Fokus der Medien. In den letzten Monaten habe sich ihre Arbeit schwierig gestaltete. Sie habe innerhalb der Fanszene Themen – wie die Schwierigkeiten mit den rechten Strukturen – angesprochen, was dort nicht sehr gerne gehört wurde. Zudem habe sie „eine bestimmte Ultra-Gruppierung unterstützt, welche sich für eine „bunte Kurve“ einsetzt. (Diese Anspielung gilt der ACU).

Kristina Walter sieht durchaus die Chance mit Fußball aufzuzeigen, wie Integration gelingen kann und wie dieser Gedanken in die Fanszene hinein getragen werden kann.

Störungen von Rechts

Hier muss man wissen, dass sich rechte Fans durch die Einstellung von Frau Walter offenbar provoziert fühlen. Das gilt auch für Sascha W., der in der rechten Szene aktiv ist und u.a. bei der Bundestagswahl 2005 als Direktkandidat der NPD in Pirmasens-Zweibrücken (Wahlkreis 213) kandidierte. Sascha W. schrieb dem Fanprojekt einen Brief, in dem er Kristina Walter und die ACU beschuldigt, die Fanszene der Alemannia zu spalten. Er begründete das an folgender inhaltlichen Position von Frau Walter: Sie hatte sich deutlich gegen Tendenzen in der Fanszene gewandt, Fußball und Politik voneinander zu trennen; so nach dem Spruch „Fußball ist Fußball und Politik ist Politik“. Aus ihrer Sicht führt genau diese Trennung zum Entstehen rechter Strukturen, weshalb sie die Trennung ablehnt.

Frau Walter beschrieb dann noch weitere Themenbereiche, die das Fanprojekt ebenfalls abdeckt: Drogen, Alkohol, Gewalt und Pyrotechnik.

Zum Abschluss ging es um die finanzielle Situation: momentan hat das Fanprojekt Gelder für 1,5 Personalstellen. Dies ist zu wenig. Darum wird eine Aufstockung auf drei ganze Stellen gebeten.

Störungen von der FDP

Es gab keine Fragen zu Kristina Walters Arbeit, jedoch wurde diese gewertet. Im Allgemeinen hatte man den Anschein, dass der Städteregion ein gegeneinander Aufwiegen von links und rechts mehr am Herzen lag, als das Bekämpfen rechter Strukturen. So forderte einige Mitglieder der Städteregion, dass sich das Fanprojekt der Fan-IG annähern solle. Dabei bedenken sie jedoch nicht, dass sich die Fan-IG immer noch rechte Strukturen bereit ist zu dulden. So hält diese immer noch an der Position fest: Fußball ist Fußball und Politik ist Politik.

Besonders negativ fiel der Sprecher der FDP auf, der nach eigener Angabe auch Mitglied des Polizeibeirats ist. Er berief sich auf die Einschätzung des Polizeipräsidenten. Einerseits bestätigte er die Sorge, dass die Nazis die Regie bei der KBU führen und dadurch ihre rechten Strukturen weiter ausbauen. Andererseits äußert er die Sorge, dass die UCA (vermutlich war ACU, was für Aachen Ultras steht, gemeint) von links unterwandert seien. Von daher kaum „die Guten“ bei diesem Konflikt sein können. Damit versuchte er, „rechte und linke Politik“ gegeneinander aufzuwiegen.

Ihm fiel dabei nicht auf, wie sehr seine Aussage an der aktuellen Problematik auf dem Tivoli vorbei zielt. Schließlich hat die die Alemannia kein Problem mit vermeidlich „linken“ Fangruppierungen. Vielmehr stärken solche Aussagen, die bereits vorhandenen rechten Strukturen.

So stellt sich die Frage, wann Polizeipräsident Oelze und Teile der Mitglieder der Städteregion endlich einsehen werden, dass die Aachener Region kein Problem mit linker Politik, sondern mit dem Rechtsradikalismus hat, und dass eine Gleichsetzung dieser beiden Positionen eine ganz schlechte Idee ist.

Im Ergebnis: Doch drei Stellen bewilligt

Im Ergebnis der Sitzung bewilligte die Städteregion schließlich doch die Aufstockung des Fanprojekts auf drei Stellen mit 66 zu 3 Stimmen.