Gedanken zum Hambacher Forst

3. September 2018 | Veröffentlicht von Käthe aus Aachen / ws

Käthe schreibt der kraz …. [1]

In diesen Tagen kann man ja wirklich viel lernen, wenn man sich in der Welt umschaut. Man braucht gar nicht weit zu gehen, denn es fängt direkt schon vor der eigenen Haustür an. Na ja, ein paar Kilometer vielleicht…
Wenn ich beispielsweise in den Hambacher Forst schaue, lerne ich die Realität ganz neu kennen und bin entsetzt über den Part, den die Polizei dort übernommen hat.
Vielleicht bin ich aber auch nur aufgewacht aus einem schönen langen Traum ?

Was eh bereits von Aachener Dächern gepfiffen wird, plappere ich jetzt einfach mal nach, frisch aus der regionalen Gerüchteküche sozusagen. Noch kurz: unser „Freund und Helfer“ hat sich ja in diesem Stück übriggebliebenen Waldes (immerhin noch 5,5 Mio qm) zu Hunderten positioniert und damit seinem Personal ein neues Tätigkeitsfeld in der Natur eröffnet: Wegbewacher für ordentlich gesicherte Straßen, Felder und Wiesen.

Das Wald-Zerstörungsszenario von RWE

Nur leider nicht für den friedlichen Waldspaziergänger, sondern für das angekündigte Wald-Zerstörungsszenario von RWE. Warum, das wissen wir ja alle. Es soll wohl möglichst bequem werden für die Mitarbeiter, oder soll ich lieber sagen, „Vollstrecker“? Natürlich sind die Waldbesetzer (nicht nur) räumlich im Wege und so werden schon mal vorsorglich deren temporäre Wohnungen, Versorgungseinrichtungen, Werkzeuge, Vorräte weggeräumt, damit bis Oktober wieder Ordnung herrscht unter den Bäumen, die Bilder kennen wir ja alle. Die eingesetzten Polizeikräfte meinen das sicherlich gar nicht persönlich, aber das wissen wir ja auch alle.
Aber dieser Teil gehört noch nicht zu der vagen Vermutung, sondern ist eine Tatsache, die man selbst überprüfen kann, indem hinfährt und reingeht in den Wald, was immer noch möglich ist, den ganzen September.
Angeblich soll die Polizei sich aber über diese Dinge hinaus auch verdeckt ermittelnd, klammheimlich, als V-Leute und Spitzel mitten unter die geschlichen haben, die diesen Wald mit allem, was ihnen lieb ist, verteidigen.

Spitzeln und Denunzieren als Methode?

Ach ja, jetzt erinnere mich, das habe ich (zum Glück aus weiter Ferne) doch schon bei den Beobachtungen des G20-Gipfels in Hamburg gelernt: der Einsatz solcher „Tabos“ ist eine strategisch überaus erfolgsversprechende Taktik der Polizei und es sieht ganz danach aus, dass diese auch in der Aktivistenszene des Hambacher Forstes bereits praktiziert wurde und wird – eine uralte Kriegsmethode, bei der der Feind sozusagen von innen angegriffen wird und man von dort aus direkt ans Herz ran kommt. Wie unfair.
Wie gesagt, das wurde mir natürlich nur „zugezwitschert“ von Menschen, die ich persönlich nicht kenne. Aber an Gerüchten ist eben meist auch was dran. So wurde aus meinem privaten Umfeld auch schon behauptet, dass wir sowieso alle längst durchleuchtet sind, spätestens seit es dieses neue BKA-Gesetz gibt, das amtlich ist und der Polizei ermöglicht, JEDEN online durchzuchecken, unbemerkt und sogar ohne Durchsuchungsbefehl. Bisher habe ich das als paranoides Geschwafel abgetan. Aber, wie gesagt, die Dinge deuten ja mittlerweile daraufhin, dass wir uns wohl an neue gesellschaftliche Strukturen gewöhnen müssen.

Grüße an den Geheimdienst/Polizei

Deshalb überlege ich jetzt ernsthaft, ob ich unter meine Mails nicht einfach standardmäßig einen Text für die Polizei anhänge, der folgendermaßen lauten könnte:
„Liebe Polizei, willkommen in meiner Privatsphäre. Ich habe nichts zu verbergen, schaut Euch bei mir ruhig online um, ich weiß ja, dass Ihr das dürft. Ihr werdet allerdings nichts Kriminelles finden, das sage ich Euch gleich, stattdessen gibt es auf meinen Festplatten (sind mehrere!) wahrscheinlich vieles, worüber Ihr Euch wahnsinnig amüsieren könntet. Ist ja auch schön, wenn der Job Spaß macht!
Aus meiner eigenen Sicht und der meiner Familie und Freunde bin ich völlig harmlos ABER manchmal sage ich eben einfach meine Meinung und will immer die Wahrheit wissen. Das kann auch mal peinlich sein, ich weiß. Wenn Ihr meint, dass das trotzdem gefährlich klingt, dann besucht mich doch, so oft Ihr möchtet, lest, was ich lese und schreibe oder hört, was ich am Mobiltelefon erzähle. Checkt auch gern meine WhatsApp-Chats, die sind ebenfalls sehr lustig und da gibt es viele bunte Bilder. Wie gesagt, ich habe damit kein Problem, wenn Ihr es aber bitte nicht gleich jedem anderen erzählt.
Auf diese Weise lernt Ihr ja dann nebenbei vielleicht auch noch was, von dem, was mich persönlich beschäftigt und denkt dann möglicherweise doch mal intensiver darüber nach, was Ihr in diesem Moment gerade für einen merkwürdigen Job macht, indem Ihr Eure Zeit mit mir verschwendet, die man besser für wesentlich wichtigere Dinge einsetzen könnte.“
So oder so ähnlich. Ist erstmal nur eine Idee.

Jetzt aber an alle LeserInnen die Aufforderung: Liebe Leute, geht in den Hambacher Forst und gebt überall kund, dass Ihr mit der Rodung überhaupt nicht einverstanden seid (es gibt ja genug Argumente). Lasst euch nicht gegeneinander aufwiegeln. Ihr kämpft da gemeinsam gegen RWE und die Waldzerstörer – durchaus mit unterschiedlichen Methoden für ein gemeinsames Ziel:

Den Erhalt des Hambacher Forstes!
Der Wald und die „Waldmenschen“, wie die Aktivisten im Hambi oft genannt werden, brauchen dringend unsere Unterstützung!

Viele Grüße, Käthe

[1] Dieser Brief bezieht sich auf die sich überschlagenden Meldungen von der Waldzerstörung im Hambacher Forst um den Abbau der Braunkohle und deren Verbrennung fortzusetzen. Die lokalen Aachener Zeitungen berichten viel zu dem Thema – auch wenn meist in der parteilichen Tendenz, den Braunkohlegegner „Gewalttätigkeiten“ zu unterstellen und die andere Seite (RWE&Polizei) konsequent als „die mit dem Recht“ hinzustellen.