Hausaufgaben für die Gewerkschaften

1. Mai 2013 | Veröffentlicht von Hannes Rader / ws

1. Mai in Aachen – dabei zu Gast: Prof. Heiner Flassbeck

Am heutigen Mittwoch, kamen bei strahlendem Sonnenschein rund 1500 Menschen in Aachen zusammen, um den Tag der Arbeit zu feiern und für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Organisiert vom DGB unter dem Motto „1. Mai – unser Tag“, nahmen zahlreiche weitere Gruppen teil.

Darunter waren Verdi, IG-Metall, und eine kritische Gewerkschaftsgruppe, parlamentarische Parteien ( SPD, Grüne und Die LINKE), kirchliche Gruppen für Sozialarbeit, attac, DKP, SAV, das Anti-Kriegs-Bündnis, Linksjugend ’solid, und viele KollegInnen aus dem Migrantenspektrum.
Treffpunkt war um 10.00 Uhr das Gewerkschaftshaus in der Dennewartstrasse. Von dort aus startete der lange und bunte Demonstrationszug Richtung Markt.

Arbeitsbedingungen in der Pflege

Verdi trug dabei die menschenwürdige Pflege zu Grabe. Unter dem Motto „Der Druck muss raus“ machten sie auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Pflege aufmerksam.

Wege gegen das Vergessen

An der Kleinkölnstrasse 18 machte der Demonstrationszug einen kurzen Halt. Dort befand sich vor der NS-Zeit das Gewerkschaftshaus des ADGB. Am 2. März 1933 wurden die Funktionäre verhaftet und das Vermögen beschlagnahmt. Hier wurde eine Bronzetafel der Reihe „Wege gegen das Vergessen“ eingeweiht. Sie soll an dieses Ereignis erinnern.

Stände am Markt

Am Markt waren zahlreiche Stände der teilnehmenden Gruppen und Initiativen aufgebaut.Auffallend war ein großer Stand von Amnesty International. Überall gab es Information, Literatur sowie Essen und Trinken.

Professor Heiner Flassbeck: Das scheinbar Normale

Zunächst sprach DGB-Vorsitzender Ralf Woelk, anschließend Professor Heiner Flassbeck. Flassbeck
war bis vor kurzem Chef-Ökonom der UNO. Er appellierte an die Zuhörer, das scheinbar Normale nicht als „normal“ hinzunehmen. Er kritisierte scharf die EU- und Arbeitsmarkt-Politik der Regierung, aber auch das Verhalten „der Deutschen“ in Bezug auf die Krise in unseren Nachbarländern. Zu seiner ansonsten vorzüglichen, frei vorgetragenen Ansprache ist kritisch anzumerken, dass er unkritisch das „WIR“ gebrauchte, wo er doch sicher nicht seine Aachener Zuhörer meinte, sondern die Herrschenden in der deutschen Gesellschaft.
Den Gewerkschaften gab er Hausaufgaben mit auf den Weg: 4-6% Lohnerhöhung – nicht in fünf oder zehn Jahren – sondern PRO Jahr! Für viele undenkbar, für Flassbeck das einzig logische und ökonomisch sinnvolle Weg aus der drohenden ökonomischen Katastrophe. (Siehe dazu auch das aktuelle Interview in den Aachener Nachrichten)

DGB-Jugend

Im Anschluss trat die DGB-Jugend auf die Bühne. Sie forderten nicht nur mehr Geld für Bildung und bessere Lernbedingungen für Studenten, sondern gerade auch bessere Lern- und Arbeitsbedingungen für Auszubildende.  

Pro Arbeit e.V.

Besonders bewegend war auch die Rede von Peter Brendel. Er ist Vorsitzender des Vereins Pro Arbeit in der Städteregion Aachen. Der Verein fördert die soziale und berufliche Integration von chancen-benachteiligten Menschen. Brendel machte auf die irrsinnigen bürokratischen Bedingungen aufmerksam, unter dem der Verein arbeiten muss. Förder- und Beschäftigungsprojekte müssten europaweit ausgeschrieben werden, langfristiges Planen sei nahezu unmöglich. (Weitere Informationen hier)

Kulturprogramm

Zum Abschluss hatte der DGB ein umfangreiches Kulturprogramm organisiert. Verschiedene Folkloregruppen traten auf, außerdem das Kult-Trio Lagerfeuer sowie der Circus Gioco.

Dokumentation der Transparente (folgt noch)