Informativer Hintergrundbericht in den AN zum Giftgas im Syrien-Krieg

16. April 2017 | Veröffentlicht von

Ein Lob wem Lob gebührt

Wir kritisieren als kraz immer wieder heftig falsche, tendenziöse oder fehlende Inhalte in den AN. Aber wo ein Lob verdient ist wollen wir es auch gerne aussprechen:

Diesmal aber ein großes Lob an die Kollegen der Aachener Nachrichten.
Die Aachener Nachrichten haben als eines von ganz wenigen deutschen Printmedien einen seriösen Hintergrundbericht zu den Giftgas-Toten in Syrien abgeliefert. Der Artikel vom 05.04.2017 trägt den richtigen Titel: „Grausamer Krieg gegen Kinder“ und versucht, die Geschehnisse und deren Hintergründe in Syrien mal genauer zu analysieren.

Seit den Meldungen über die Giftgastoten in Syrien wird das Geschehen fast uno sono im  deutschen Blätterwald vermittelt, dass es einen Angriff mit Giftgas seitens der syrischen Luftwaffe gegeben habe. Und aus dieser Schuldzuweisung ergibt sich dann durchgängig, dass die US-Luftangriff auf Syrien rechtens sei, dass Assad weg müsse, usw.
Kaum benannt wird die syrisch/russische Aussage, dass das Giftgas aus einem Lager der Halsabschneider (IS / Al-Nusra/ …) gekommen sei. Und genauere Analysen – so wie hier in den AN – dazu haben wir tatsächlich nirgendwo anders gefunden.

Wir verweisen deshalb auf den AN-Artikel vom 05.04.2017.

Er ist unterzeichnet von Michael Wrase, leider aber nur als Bezahltext zu lesen. Wrase ist kein regelmäßiger AN-Redakteur, sondern ein Freelancer, der ab und an Artikel in den AN platziert. Um Ihnen als Leser*innen den Inhalt in etwa zu vermitteln, zitieren wir hier einige Passagen aus den AN und hoffen, dadurch juristisch trotzdem nicht belangt zu werden!

…. Für die Behauptung des syrischen Militärs, man habe in Chan Scheichun eine Giftgasfabrik von Al Kaida bombardiert, gibt bisher es keinerlei Anhaltspunkte.

„.…  Die syrische Opposition vergleicht die Angriffe auf Chan Scheichun mit dem Giftgas-Massaker in den Vororten von Damaskus, bei dem im August 2013 bis zu 1400 Zivilisten ums Leben kamen. Auch damals wurde Sarin eingesetzt. Die amerikanische Luftwaffe bereitete eine groß angelegte Vergeltungsoffensive gegen das Assad-Regime vor, die von US-Präsident Barack Obama völlig überraschend gestoppt wurde. Was war geschehen?

Hier die entscheidende Passage:

„Vom britischen Geheimdienst [in 2013] untersuchte Bodenproben ergaben, dass das bei Damaskus eingesetzte Sarin nicht aus Beständen der syrischen Armee stammte. Assad Truppen verfügten zwar über Sarin, aber in einer anderen chemischen Zusammensetzung. Die Briten informierten daraufhin ihre amerikanischer Kollegen, die ihre Erkenntnisse sofort ans Weiße Haus weiterleiteten.“

Und hier die Angabe einer Quelle, die die anderen Zeitungsredaktionen einfach verifizieren oder falsifizieren könnten – wenn sie denn wollten:

„Drei Monate vor dem Giftgas-Massaker in Damaskus waren 13 Mitglieder der Al-Nusra-Front bei Adana verhaftet worden. Die türkische Polizei hatte bei ihnen zwei Kilogramm Sarin entdeckt. Eine Aufklärung des Skandals wurde vom türkischen Geheimdienst verhindert. Er veranlasste die sofortige Abschiebung der Inhaftierten nach Syrien. Die Redaktion der liberale Zeitung Zaman, die über den Sarin-Fund ausführlich berichtet hatte, wurde mehrfach gestürmt und nach dem gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 auf Regierungslinie gebracht.“

Und dann zieht Wrase das bittere Resume:

„So kam die „Wahrheit“ über die Giftgasangriffe in Damaskus bis heute nicht ans Tageslicht: War es ein Massaker des Assad-Regimes oder ein Versuch der vom türkischen Geheimdienst unterstützten Al-Nusra-Front, mit einer Operation unter falsche Flagge die US-Armee in den Syrienkrieg zu ziehen? Vermutlich wird es auch in Chan Scheichun noch eine Zeitlang dauern, bis die „Wahrheit“ über die entsetzlichen Ereignisse bekannt wird.“

Wir können uns seiner Ansicht nur anschließen.

— Anhang —

  1. Hier eine wichtige Info aus dem ZDF: https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-5-april-2017-100.html (ab Minute 12: lüders im zdf)
  2. Diesen Behauptungen von Lüders widerspricht der folgende Bericht: https://correctiv.org/blog/2017/04/12/faktencheck-giftgas-syrien-2013-can-duendar/
  3. Aber hier noch ein aufwendiger Artikel, der ebenfalls bestreitet das Syrien oder Russland , sondern die Halsabschneider das Giftgas eingesetzt haben. https://www.rubikon.news/artikel/giftgasmassaker-war-false-flag-operation

Ob das alles mit oder ohne Wissen des CIA geschehen ist, ist natürlich völlig spekulativ, aber glauben darf man mittlerweile wohl alles. Wir können mit unseren Mitteln diese Infos nicht überprüfen. Die genannten Thesen müssen nicht stimmen.( ==> Aber warum werden diese Gegenpositionen nicht zumindest als solche benannt?)

Nachtrag 1: (Joachim Zinsen/AN)

Auch der politisch Kommentator der Aachener Nachrichten, Herr Joachim Zinsen hat am gleichen Tag einen lesenswerten Text zu der Kampagne um den Giftgas-Einsatz in Syrien geschrieben. Hier einige Zitate seines Textes:

„Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Lässigkeit Teile der Bundesregierung seit dem US-Militärschlag auf einen syrischen Flughafen versuchen, zwei zentralen Fragen auszuweichen. Nämlich: Ging das Giftgasmassaker, das Anlass für den amerikanischen Angriff war, tatsächlich auf das Konto des syrischen Machthabers Baschar al-Assad? Und: War der Luftschlag durch das Völkerrecht gedeckt? „
… später …
„Gleiches gilt für den Giftgasangriff 2013 in einem Vorort von Damaskus, der mehr als tausend Menschen das Leben gekostet hat. Auch dieses Verbrechen wird von der Verteidigungsministerin Assad zugeschrieben und nun als ein Indiz für dessen neuerliche Täterschaft ins Feld geführt. Doch bis heute gibt es an dieser Version erhebliche Zweifel. Einiges deutet sogar darauf hin, dass islamistische Rebellen von der Al-Nusra-Front damals mit Gas zugeschlagen haben, um den Westen zu einer Militäraktion gegen Assad zu veranlassen.“
… später …
„So uneindeutig also die Ausgangslage für die jüngste US-Intervention war, so eindeutig ist deren juristische Bewertung. Der Angriff war ein Verstoß gegen das Völkerrecht.“

Nachtrag 2 (Telepolis)

In Telepolis wird die These untersucht, ob die Kampagne um den „Giftgasangriff in Chan Scheichun“ das Ziel hatte, eine Delegitimierung Assads zu erreichen: https://www.heise.de/tp/features/Giftgasangriff-in-Chan-Scheichun-Das-Ziel-ist-die-Delegitimierung-Assads-3688973.html