Karim Popal: „Afghanistan nach 14 Jahren Krieg“

20. November 2015 | Veröffentlicht von Ansgar Klein (Würselner Friedensinitative)

Ein Zwischenbericht: „Afghanistan nach 14 Jahren Krieg“

KarimZusammen mit dem evangelischen Erwachsenenbildungswerk Aachen hatte die Aachener Aktionsgemeinschaft ‚Frieden jetzt!’ zu einem Abend mit dem deutsch-afghanischen Rechtanwalt Karim Popal aus Bremen in das Haus der ev. Kirche in der Frére-Roger-Straße eingeladen. Thema des Abends: „Afghanistan nach 14 Jahren Krieg“. Etwa 50 ZuhörerInnen waren anwesend.
Der Leiter des Erwachsenenbildungswerkes, Jürgen Groneberg, wies zu Beginn des Abends auf das schon vor Jahren gesprochene Wort von Margot Käßmann hin: „Nichts ist gut in Afghanistan!“. Er glaube, dass Karim Popal heute diesem Wort kaum widersprechen werde. „Mitnichten!“ bestätigte Popal.

Der Bericht

Die Zuhörer erlebten dann einen Redner, der, ergriffen von dem Schicksal seines Heimatlandes, aus seinem Mitleiden für seine Landsleute keinen Hehl machte, schonungslos die Situation in Afghanistan schilderte und Ross und Reiter beim Namen nannte.

Afghanistan ist ein TOT-sicheres Land

Zu Beginn geißelte Popal die Absicht des Innenministers de Maiziere, afghanische Flüchtlinge in „sichere Gebiete“ Afghanistans abschieben zu wollen, mit den Worten: „Afghanistan ist kein sicheres Land, es ist ein todsicheres Land!“. Im Verlauf seiner teils emotionalen Rede machte er an Hand vieler Beispiele deutlich, welches Elend der Krieg der US-geführten NATO und der ‚Willigen’ über sein Heimatland gebracht hat.
Er rief in Erinnerung, dass ja nicht nur 14 Jahre Krieg mit dem ‚Westen’ das Land und seine Bewohner ins Chaos gestürzt haben, sondern Afghanistan schon von 1979 bis 1989 von der Sowjetunion mit Krieg überzogen worden war. „Nach Abzug der sowjetischen Armee trieben bekanntlich die im Krieg gegen die Sowjetunion von den USA mit Waffen und Geld unterstützten Warlords und Taliban in Afghanistan ihr Unwesen.“ so Popal.

„Die vier (nicht eingehaltenen) Versprechen der NATO bei Kriegsbeginn 2001

1. die Taliban zu vertreiben,
2. Demokratie einzuführen,
3. den Drogenhandel zu unterbinden und
4. das Land wirtschaftlich zu stabilisieren,
sind allesamt nicht erfüllt worden. Im Gegenteil, die Zustände in  allen vier Bereichen sind schlimmer als vorher.“ rief Popal  aus.

Die Diskussion

Hier gab es einen Zwischenruf: „Diese Ziele waren nur vorgeschoben, die USA und ihre Verbündeten wollten diese Ziele gar nicht erreichen. Dieser Krieg hat rein geostrategische Ziele!“
Später gab es Fragen, wie denn überhaupt ein Ende der Misere in Afghanistan erreicht werden könne. Popal: „Die Besatzungsmächte sollen endlich das Land verlassen, sie haben uns Afghanen nur belogen. Afghanistan muss über sein Schicksal selbst bestimmen können.“
Zum Schluss sprach Karim Popal auf Nachfrage aus dem Publikum noch über seine Tätigkeit als Anwalt der Angehörigen der über 140 Todesopfer des auf Befehl eines deutschen Kommandanten angerichteten Massakers bei Kundus. Er betonte, wie schwer es ihm auf allen Ebenen gemacht würde, diesen Gerichtsprozess durchzufechten. Er hofft jetzt auf eine positive Entscheidung des obersten deutschen Gerichts zu Gunsten der klagenden Afghanen.

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