Keine Alternative in Sicht

25. Juni 2012 | Veröffentlicht von Jens Wegener / rk

Die Hochschulwahlen an der RWTH stehen an und auch beim zweiten betrachten der Wahlzeitung lässt sich keine linke Liste mehr entdecken. Sind die Zeiten so düster an der Technischen Hochschule?

 

Die RWTH war sicherlich nie eine Quelle für progressive Politik, dennoch schafften linken Hochschulgruppen immer wieder den Einzug in das Studierendenparlament und stellten sogar den AStA. Doch nun tritt keine linke Liste mehr an. Dies ist sicherlich zum einen der Politik der Linken Liste (LiLi) geschuldet, die sich auf ein pseudo-linkes Intellektuellenmilieu reduzierte und nur selten schaffte klare und für die Studierendenschaft nachvollziehbare Inhalte zu präsentieren. Das verharren auf kleinbürgerlich linksradikalen Positionen hat der Linken mehr geschadet als genutzt. Auch das Antreten der SDS – Die Linke Liste konnte 2011 daran nicht viel ändern. Zwar schaffte die Liste auf Anhieb einen Sitz im Studierendenparlament, aber auch die der Partei Die Linke nahestehende Liste konnte niemals ernsthafte Inhalte den Studierenden näher bringen. Das Ergebnis ist das klanglose verschwinden des SDS. Was übrigbleibt ist das Nichtvorhandensein einer echten Alternative. Die bestehenden Listen machen die Hochschulwahl zu einer Farce. Die einen sind lediglich die Steigbügel für spätere Parteikarrieren und die anderen stehen den reaktionären Burschenschaften nahe. Von der Liste AlFa braucht man gar nicht reden, schließlich hat diese Liste immer wieder bewiesen, dass sie ihr Fähnchen in die Richtung schwenkt, wo die Teilnahme am AStA sicher ist.

Lediglich die Grüne Hochschulgruppe (GHG) schafft es noch fortschrittliche Inhalte zu vertreten. Sie ist die einzige Liste, die eine Zivilklausel für die RWTH fordert, also eine Klausel die Kriegsforschung unterbinden soll. Doch auch die GHG schafft es nicht, dem langen Schatten der Grünen Partei zu entkommen.

Wer eine progressive Politik an der RWTH unterstützen will, der wird entweder gefrustet zum Nichtwähler oder gibt seine Stimme der GHG. Bauchschmerzen werden so oder so entstehen. Das es kein Potenzial für linke Hochschulpolitik gibt, ist ein Märchen, welches die reaktionären Kräfte gerne auftischen. Der Bildungsstreik hat jedoch das Gegenteil bewiesen. 3000 Studierende waren damals dem Aufruf der Streikenden gefolgt, darunter auch viele Studierende der RWTH. Vielleicht wird es Zeit, endlich eine ernstzunehmende linke Hochschulgruppe zu gründen, die reale Hochschulpolitik betreibt und die es wieder schafft den Studierenden zu zeigen, dass linke Politik mehr ist, als dagegen zu sein, dass linke Politik sich an den Interessen der Studierenden und einer fortschrittlichen Hochschule orientiert.

2012 wird es keine Chance auf eine solche Politik im Studierendenparlament geben, aber vielleicht sorgt diese erschreckende Erkenntnis für einen Neuanfang der linken Kräfte an der RWTH.     

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