Kippung des AVR-Reaktorbehälter eher suboptimal

12. November 2014 | Veröffentlicht von Rainer Moormann / ws

Kippung des AVR-Reaktorbehälter

Zur Zeit wird in Jülich der Reaktorbehälter des alten Kugelhaufenreaktors gekippt, um ihn „besser“ lagern zu können. Hierzu berichten AN/AZ und überregionale Medien hinreichnd.

Was sie NICHT berichten ist folgende Info:

(sie wurde uns durch Rainer Moormann zur Verfügung gestellt)

Entstehung von brennbareb Gasen

Der 2008 in den Reaktor gefüllte Porenleichtbeton, genauer sein Wasser, wird durch Strahlung zersetzt. Das hat man in der Genehmigung des Zwischenlagers 2008 auch berücksichtig – aber ob ausreichend – ist noch unklar. So sollen in 60 Jahren 180 m³ brennbares Gas durch diese Zersetzung entstehen, zusätzlich zu knapp 400 m³, die u.a. durch Reaktion von Metallen mit dem Betonwasser entstehen.

Eine undurchdachte Genehmigung
Was man bei der damaligen Genehmigung aber völlig vergessen hat ist, dass der entstehende Wasserstoff leicht beweglich ist und in den Graphit eindringt und dann, wieder durch Strahlung verursacht, mit dem Graphit zu Methan reagiert.
Das ist deshalb übel, weil die Oberfläche von Graphit im AVR voll von radioaktivem Kohlenstoff-14 und Tritium sitzt, was dann in das Methan eingebaut wird. Das Gasgemisch wird also sehr radioaktiv.

Altes Wissen verloren gegangen

Diesen Effekt der Methanbildung hat AVR GmbH 1976 sogar schon veröffentlicht („radiolytische Methanbildung“), aber bei der Genehmigung 2008 war das offenbar nicht mehr bekannt. AVR hat andererseits 2008 so sehr auf seine völlig unzureichenden Abschätzungen gesetzt, dass es laut der Umweltverträglichkeitsuntersuchung zum Zwischenlager (06.03.2008) keinerlei Kohlenstoff-14 Freisetzung aus dem Behälter gibt und es sogar behauptet wird, die Tritiumfreisetzung „aus dem Reaktorbehälter führt selbst unter konservativsten Annahmen zu solch vernachlässigbar geringen Konzentrationen in der Raumluft, dass eine Emissionsüberwachung nicht notwendig ist.“
Moormann hält diese Aussagen von AVR/EWN für grob falsch und viel zu günstig, und er hat deshalb unter Federführung des BUND eine Anfrage nach Umweltinformationsgesetz gestellt, um Aussagen zu den realen Messwerten zu bekommen. Wenn diese vorliegen, werden wir das berichten.

Die (neue) Gefahr

Derzeit kann das Gas noch an einer Öffnung am Kopf des Behälters entnommen werden. Wenn er im Zwischenlager liegt, benötigt man mehrere Öffnungen, da sich mehrere radioaktive Gasblasen, die u.U. explosionsfähig werden können, bilden werden. Das erschwert natürlich die Kontrolle und die sichere Handhabung, eine senkrechte Lagerung des Behälters wäre vorzuziehen. Hinzu kommt, dass eine radioaktive Gärung in einem Endlager nicht tolerabel ist, man hat die die Endlagerung durch die Betonverfüllung also sehr erschwert.

AVR-Entsorgung eher suboptimal

Insgesamt zeigt sich, dass die Arbeiten zur AVR-Entsorgung eher suboptimal geplant wurden. Bei Berücksichtigung der Bildung radioaktiven Methans hätte man vermutlich andere Wege gewählt.