Aktion der „Friedensbewegung 2014“ in Aachen

8. April 2014 | Veröffentlicht von Walter Schumacher / hr

Hintergründe und Fragen zu dieser Aktion

Am Samstag 12.4. wird es in Aachen ein Kundgebung & Demo geben, die von einer Friedensbewegung 2014 organisiert wird. https://www.facebook.com/events/637165352987663/

Die zentrale Parole lautet: „AUFRUF ZUM FRIEDLICHEN WIDERSTAND! FÜR FRIEDEN! IN EUROPA! AUF DER WELT! FÜR EINE EHRLICHE PRESSE! & GEGEN DIE TÖDLICHE POLITIK DER FEDERAL RESERVE (einer privaten Bank)!“

Organisierung im Internet

Organisiert wird das ganze über Facebook. Solche Kundgebung sollen in vielen Städten der BRD stattfinden. Es besteht also offenbar ein organisatorischer Zusammenhang, der aber nicht sichtbar ist.

Da die handelnden Personen weder in der linken Aachener- noch in der Friedensszene bekannt sind, würde man gerne „mehr“ wissen. Einige der veröffentlichten Positionen sind sehr vernünftig, einige skuril, andere haben eine deutliche Querfront-Tendenz.

Wie sich verhalten?

In der Aachener linken Szene wird nun heftig aktuell diskutiert, wie man sich verhalten soll.
Das Anti-Kriegs-Bündnis-Aachen hat beschlossen, am Samstag vor Ort zu sein und mit eigenen politischen Parolen (großen Tafeln) Positionen zu beziehen. Das AKB wird auch am „offenen Mikrofon“ reden, solange der Ablauf der Veranstaltung akzeptabel ist. Das AKB geht davon aus, dass dort viele (junge) Menschen sein werden, die politisch interessiert sind und auch Infos vom AKB gut gebrauchen können.
Andere Gruppen wollen aber nicht dorthin gehen, weil sie das Ganze für eine Querfront-Veranstaltung halten.

Wirklich Querfront?

In einem Hintergrundartikel vom SDS Magdeburg (Jugendorganisation der Linkspartei) wird dazu einiges gesagt:
http://www.linke-jugend-md.blogspot.de/2014/03/rechten-verschworungsideologen-und.html#more

Selber lesen & denken

Damit die kraz-Leser sich ein Bild der Situation machen können, dokumentieren wir hier zwei Stellungnahmen:

Roter Traktor:

… was die Friedensbewegung2014 losgetreten hat, ist doch genau das, worauf wir als Linke schon immer sehnsüchtigst gewartet haben, nämlich dass die Menschen, die genauso die Schnauze voll haben wie wir, endlich den Arsch hochkriegen und für ihre Interessen auf die Straße gehen? Dieses positive Element sollten wir bei der Suche nach dem Haar in der Suppe nicht gänzlich aus dem Auge verlieren. ….

Roter Traktor:

Bei der Suche nach dem Haar in der Suppe das Ziel nicht gänzlich aus dem Auge verlieren

… die beiden verlinkten Artikel (Indymedia und SDS Magdeburg) sind in meinen Augen Musterbeispiele für linkes Scheuklappendenken, nach dem Motto: Wer nicht ausdrücklich links ist, der muss automatisch ein Rechter sein, und wer sich nicht in das Links-Rechts-Schema einordnen lassen will, der macht das nur, um seine rechte Gesinnung zu verbergen.
Ansonsten werden in beiden Artikeln wahllos Gruppen in einen Topf geworfen (Zitat: Das Verteilen von Flyern rechter Reichbürgergruppen (Staatenlos, Chemtrailsgegner), verschwörungsideologische und völkische Aussagen auf Plakate und Transparenten („911 inside job“, „Wir sind das Volk“, etc.)…), ohne auch nur den Hauch einer Erklärung dafür, was Chemtrailgegner mit Reichsbürgergruppen oder was 9/11-Truther mit völkischen Ideologen zu tun haben. Es gibt noch etliche andere Zitate und Aussagen, die man mit rhetorischer Logik locker in der Luft zerreißen könnte, so zb. die angebliche „BRD-GmbH-Verschwörung“ oder die Kritik an „Die neue NS-Diktatur heißt NSA“, aber das würde den Rahmen dieser Mail sprengen.
Mit einer solchen „Argumentation“ kann man natürlich alles und jeden in die rechte Ecke stellen, so wie es auch mit Ken Jebsen gemacht wird, der wegen seiner israel-kritischen Äußerungen gleich als Antisemit verunglimpft wird. Ich habe schon etliche Stunden von Ken Jebsens Reportagen gesehen und noch keine einzige antisemitische Bemerkung darin gefunden. Ein Beispiel, um sich ein eigenes Bild zu machen, ist das Interview von Ken mit Evelyn Hecht-Galinski, der Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in D, Heinz Galinski: https://www.youtube.com/watch?v=dUeMz9uB7dY
Für die Demo am Samstag kann ich nur sagen, dass wir mit unserer Beteiligung dafür sorgen sollten, dass unsere linken Positionen dort deutlich vertreten sind. Bei einer Beteiligung von Hunderten oder sogar Tausenden Teilnehmern ist es fast unvermeidlich, dass sich auch rechte Gestalten darunter mischen werden. Es ist (auch) unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese neue Bewegung, die sich noch in der Orientierungsphase befindet, nicht nach rechts abdriftet. Wenn wir uns nicht beteiligen, hinterlassen wir ein politisches Vakuum, in das die Rechten nur zu gerne vorstoßen werden.
Das kann nicht Ziel linker Politik sein, auch wenn diese inner-linke Sichtweise (dass alles, was nicht ausdrücklich links ist, automatisch zum Feindeslager gehört) natürlich auch seine Vorteile hat. So könnte man zb. in dem Fall, dass die Demo tatsächlich nach rechts aus dem Ruder laufen sollte, sich nachträglich selber auf die Schulter klopfen und sagen, dass man es ja schon immer besser gewusst hat, aber dabei wird dann geflissentlich außer Acht gelassen, dass es nur deshalb dazu kommen konnte, weil wir Linke unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben und den Rechten von vorneherein ohne Not kampflos das Feld überlassen haben.
Wenn man aus Angst davor, etwas Falsches zu machen, erst gar nichts macht, dann macht man damit das Falscheste überhaupt. Falls auf der Demo etwas passieren sollte, das nicht mit unseren Grundsätzen vereinbar ist, dann können wir uns immer noch davon distanzieren und die Demo verlassen. Als starker linker Kreisverband sollten wir aber zu allererst dafür sorgen, dass unser politischer Einfluss zur Geltung kommt, und uns nicht ängstlich wegducken, nur weil da eventuell auch ein paar rechte Nasen auftauchen könnten.

Jochen:

….. Bei 800 Zusagen und 12,5tausend Eingeladenen sollten wir nicht die gleiche Schlussfolgerung ziehen wie der SDS Magdeburg und das öffentlich in die rechte Ecke stellen, sondern linke Alternativen anbieten… auch wenns kompliziert ist. Die meisten die da teilnehmen wollen sind halt friedensbewegte Leute und keine rechten Spinner …..

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