Muslime, Polizisten und Medienleute

16. Juni 2012 | Veröffentlicht von Mechthild Tauber / ws

Köln, Samstag, 09.06.2012: Rund um den Barmer Platz gab es ein hohes Polizeiaufgebot aufgrund einer Kundgebung von Pierre Vogel, genannt Abu Hamza, ein deutscher, zum Islam konvertierter Prediger.

Etliche Kamerateams und andere Medienvertreter waren präsent. Vor etwa 300 Teilnehmern hielt Pierre Vogel einen Vortrag über die Authentizität Mohammads als den letzten Propheten nach Jesus und den Propheten des alten Testaments.

Ein Freund Pierre Vogels sang ein Bittgebet für die Menschen in Syrien. Es wurde zu Spenden für die Opfer in Syrien aufgerufen. Auch der umstrittene Prediger Abu Nagie kam zu Wort und beteuerte, bezüglich der Koranverteilaktion kein Geld von Saudi Arabien für die Kosten des Buchdrucks angenommen zu haben. Die Kosten für den Buchdruck seien allein aus deutschen Spendengeldern finanziert worden.

Im weiteren Verlauf der als Kongress angekündigten Kundgebung behauptete Pierre Vogel, es gäbe eine Hetze gegen den Islam in Deutschland und verglich die Struktur der Hetze heutzutage gegen die Muslime mit der Struktur der Hetze aus der Zeit des Hitler-Regimes gegen die in Deutschland lebenden Semiten. Diese Behauptung versuchte er anhand von Zeitungsüberschriften zu belegen wie „Kopftücher sind hier verboten“ , „Moslems sind das Problem“ , „Die heimliche Invasion“ im Vergleich zu damaligen Aussagen wie „Juden sind hier unerwünscht, “Judentum ist organisiertes Verbrechen“. Er kritisierte, dass islamfeindliche Internetplattformen in ihren Karikaturen offen zu einem atomaren Kreuzzug gegen den Islam aufrufen oder den Bauch einer schwangeren Frau mit Kopftuch als „islamische Bombe“ darstellen dürfen.

Während der Veranstaltung traten ein halbes Dutzend Zuhörer durch Aussprechen des Glaubensbekenntnis dem Islam bei. Sichtlich Freude bereitete es Abu Hamza mit den Anhängern den „Takbir“, den Lobpreis „allahu akbar“ (übersetzt: der Gott ist sehr groß bzw. der Gott ist der Größte) auszutönen, was als Pendant zu den grölenden Fußballfans erschien, die zeitgleich in Wellen das Bahngleis des Deutzer Bahnhofs herunterkamen. Die Polizei beaufsichtigte die friedlich ablaufende Versammlung.

Nur ein Satz Abu Nagies gefiel mir nicht: „Und philosophiert nicht!“ Aber warum sollte man das nicht? Schließlich sei es eine öffentliche und für alle zugängliche Diskussion einerseits über das, was die Offenbarung sprich Scharia, also die gesamte schriftliche Überlieferung bedeutet, und andererseits wie z.B. ein daraus abgeleitetes Rechtssystem sein soll.

Angesichts der Frage nach der Demokratietauglichkeit des Islams kann es nicht sein, dass die Scharia von den Medien fälschlich als islamisches Gesetzesrecht dargestellt wird, und islamische Fanatiker ihrerseits zum Missverständnis beitragen, indem sie Kritik an der Interpretation der Scharia, also an der Interpretation der Offenbarungstexte als unislamisch abtun und unterstellen, sie ließe keine alternative Auslegung zu der ihren zu.

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