Menschenkette um die Ramstein-US-Air-Base

14. Juni 2016 | Veröffentlicht von

Stopp Ramstein Kampagne – Bericht eines Aachener Teilnehmers

Die Friedens- und Antikriegsbewegung hat am letzten Wochenende in Ramstein einen wichtigen Erfolg erreicht. Ca. 5.000 Menschen haben gegen Drohnenkrieg, gegen die Aggressionen der NATO aber auch gegen die Kumpanei der BRD an diesen Kriegen an der Ramstein-US-Air-Base mit einer Menschenkette demonstriert.Aus Aachen waren etwa 30 Personen aus unterschiedlichen politischen Strukturen angereist: ‚Frieden Jetzt!‘, ‚Friedenspreis‘, Antikriegsbündnis, attac, Linkspartei und mehrere unorganisierte Leute. Sogar die Aachener Video-Dokumentationsgruppe ’newscan‘ war vor Ort und überall dabei. (Der link zu deren Bericht folgt hier)

Camp in Ramstein

Zentraler Anlaufpunkt war ein Zeltcamp dicht bei dem beschaulichen Ort Ramstein-Miesenbach. Die über 300 Zelte der TeilnehmerInnen und die diversen zusätzlichen großen Zelte für die Infrastruktur (Essen) ergaben am Samstagabend ein imposant-romantisches Bild.
Erwähnenswert: Ein Aachener Teilnehmer bewies enormes Durchhaltevermögen und zeltete mit seiner Frau auf dem doch ziemlich feuchten Wiesengelände – obwohl er in dieser Woche sein 80. Lebensjahr beginnt – Gratulation sowohl für den Geburtstag als auch das Durchhaltevermögen.

Das Ganze war logistisch anspruchsvoll

Freitagnachmittag und Abend gab es in Kaiserslautern diverse gut besuchte Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen in der größten evangelischen Kirche Kaiserslauterns, u.a. mit: Brandon Bryant (ehemaliger Drohnenpilot), Ray McGovern (ehemaliger Mitarbeiter der CIA) Rainer Rupp (ehemaliger Analyst im NATO-Hauptquartier und gleichzeitig Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes!!). Außerdem sprachen Alexander Neu (MdB DIE LINKE), Anneliese Fikentscher, (‚Arbeiterfotografie‘) und Klaus Hartmann (Deutscher Freidenkerverband).
Mit deutlich über 500 BesucherInnen war die Veranstaltung mit Albrecht Müller (Nachdenkseiten) und Willy Wimmer (CDU, ehemaligen Staatssekretärs) völlig überfüllt.
Abends mussten die Campteilnehmer wieder 23 km zurück zu ihren Zelten fahren.

Am Samstag gab es dann drei Auftakt-Kundgebungen

  • Auf der in Kaiserslautern sprach u.a. Oskar Lafontaine vor 800 bis 1.000 ZuhörerInnen.
  • In Ramstein- Miesenbach sprachen vor über 400 Menschen u.a. Claudia Haydt (Informationsstelle Militarisierung), Torsten Schleip (‚Kooperation für den Frieden‘), Karl-Heinz Peil (Bundesausschuss Friedensratschlag).
  • In Landstuhl stellte sich unter anderem die ‚Lebenslaute‘ vor. Das ist ein interessantes politisches Projekt, bei dem sich Musikbegeisterte zusammen tun, gemeinsam (qualitative hochwertiger) Musik machen, sich dazu angemessen (also chic) anziehen, das aber auf „verbotenem“ also illegalem Gelände machen tun – und dadurch die staatlichen ‚Repressionsorgane‘ erheblich irritieren!

Die Menschenkette

Um 13 Uhr startete dann die Bildung der Menschenkette von den drei Auftakt-Kundgebungen aus. Gegen 15 Uhr war es geschafft die Ramstein Air Base in einem fast 12 km langen (bis auf 500 Meter) Halbkreis zu umketten. Für diesen ersten Anlauf zur Wiederbelebung eines gemeinsamen Widerstandes gegen die Militärstrukturen ein enormer Erfolg.

Bei dieser Menschenkette hatte der Teil der Aachener Gruppe, die zusammengeblieben waren auch einen enormen Spaßfaktor, weil man doch mit sehr vielen anderen extrem gute Kontakte bekam. Und als dann diese AC-Gruppe zufällig auch an der Stelle zugegen war, wo die Fernsehkameras ihre Aufzeichnungen machten, da kamen der politische Slogan der Stelltafeln ins Bild „Schluss mit der deutsch-amerikanischen Kumpanei bei Drohnenmorden und militärischen Interventionen“. (Hierzu ein kurzer Video-Clip von Reuters, siehe bei Minute 1:35ff)

Dem schlechten Wetter getrotzt

Es war eine tolle Stimmung – trotz Dauerregens vor und während der Menschenkette. Die Aachener Aktivisten hatten während der Aktion viel Spaß miteinander und die Aktion wird sicher helfen, die Spaltungen der letzten Jahre zu überwinden und in AC wieder in die ‚Aktion‘ zu kommen.

Ähnlich ist wohl das Gesamtergebnis einzuschätzen: Es war keine gigantische Demozahl und es gibt immer noch viele offene Fragen, aber es war ein wichtiger und riesiger Schritt zur Wiedererstarkung einer bundesweiten Friedens- und Anti-Kriegspolitik

Machtdemonstration durch Anschauungsunterricht

Während der Kundgebungen und der Menschenkette aber noch mehr vom Camp aus zeigte sich immer wieder sehr physisch und sehr konkret warum wir uns gegen diese militärische Kriegsmaschine wehren müssen. Das tiefe Brummen und Dröhnen der riesigen Militärtransporter die in geringer Höhe über die Köpf der Menschen hinwegzogen. Auf dem Weg von irgendwelchen Rüstungsfabriken mit neuen, tödlichen Waffen oder aber mit Söldnern auf dem Weg in ihre weltweiten Kriegseinsätze. Man konnte spüren, wie diese Maschinen in nicht mal drei oder vier Stunden irgendwo im Nahen/mittleren Osten ihre tödlich ‚Arbeit‘ machen würden.

Keine Informationen durch die Aachener Medien?

Es klingt wie die billige Bestätigung von Vorurteilen, aber bis zum Montagnachmittag gab es in den Aachener Medien keinerlei Erwähnung dieser Aktion. Vielleicht wird es noch Leserbriefe oder Nachträge geben? Falls ja, werden wir hier entsprechende Hinweise nachliefern.


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