„Netzwerk des Todes – die Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden“

11. September 2016 | Veröffentlicht von Gerhard Diefenbach / ws

Eine Podiumsveranstaltung mit Jürgen Grässlin

bild-2Unter dem Titel „Netzwerk des Todes – die Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden“ berichtet Jürgen Grässlin als Experte für Kleinwaffenhandel und Rüstungsexport aus Deutschland im Haus der Evangelischen Kirche. Er hatte für sein Engagement 2011 den Aachener Friedenspreis erhalten.

bild-1Veranstaltet wurde der Abend von einer Kooperation aus Aachener Antikriegsbündnis, Aachener Friedenspreis, Evangelischem Erwachsenenbildungswerk, pax christi Aachen und VVN Aachen. Annähernd 90 Besucher folgten der Einladung und gestalteten den Abend zu einem guten Erfolg. Nicht zuletzt trug dazu Jürgen Grässlin mit seinem engagierten und außerordentlich lebhaften Referat  bei.

Roman „Netzwerk des Todes“

Anhand seines jüngsten Romans „Netzwerk des Todes“ schilderte und geißelte Grässlin mit deutlichen Worten den Verdacht illegaler Waffenlieferungen und die Verflechtungen der  Rüstungsindustrie – hier der Deutschen Firma Heckler und Koch – und Vertretern deutscher und mexikanischer Behörden beim illegalen Waffenexporten nach Mexiko.

Scharfe Kritik an den Waffenexportgenehmigungen der Regierung

Scharfe Kritik übte der Referent auch an den Waffenexportgenehmigungen durch die Regierung von Kanzlerin Angelika Merkel und Wirtschaftsminister Gabriel. Sigmar Gabriel (SPD) hatte vor der letzten Bundestagswahl versprochen, die Waffenexporte der Bundesrepublik Deutschland deutlich zu reduzieren. Die realen Zahlen sprechen eine andere Sprache.
Wie die Zeitung Welt am Sonntag (WamS) berichtet, hat die deutsche Bundesregierung im Jahr 2015 Waffenexporte im Wert von 7,86 Milliarden Euro genehmigt – und damit fast doppelt so viele wie 2014 (3,97 Milliarden Euro). Das gehe aus dem Rüstungsexportbericht 2015 hervor, der am 6. Juli vom Bundeskabinett beschlossen werden soll und der der Zeitung bereits jetzt schon vorliege.

Höchste Exportrate

Laut dieser Zeitung ist dies der höchste Wert in Deutschland seit Beginn des Jahrhunderts. Die Bundesregierung habe 12.687 Rüstungsexportanträge durchgewinkt – darunter auch die Lieferung von Kampfpanzern und Panzerhaubitzen nach Katar im Wert von 1,6 Milliarden Euro. Lediglich 100 Anträge seien dagegen abgelehnt worden. Die meisten Waffenexporte – nämlich 59 Prozent – gingen an Drittländer, also an Länder, die nicht der EU oder der Nato angehören.
Deutschland ist damit hinter den USA und Russland heute der drittgrößte Waffenlieferant der Welt.

Besonders schlimm: Export von Kleinwaffen

Besonders vehement kämpft Jürgen Grässlin gegen den Export von Kleinwaffen wie Revolver, Gewehren und Maschinenpistolen, weil mit diesen Waffen die meisten Todesopfer zu beklagen sind. In kriegerischen Auseinandersetzungen werden 63% der Toten mittels Kleinwaffen umgebracht. Darüber hinaus ist immer zu bedenken, dass über die Todesopfer stets auch Menschen mit schwersten Verletzungen zurückbleiben, die für den Rest ihres Leben gezeichnet und traumatisiert sind. Und nicht zu vergessen sind deren Familien, die allesamt den Verlust und die Beschädigungen mittragen müssen.
Jürgen Grässlin stellte am Ende auch einen Zusammenhang zwischen deutschen Waffenexporten  und Flüchtlingen her : „Wer Waffen säht wird Flüchtlinge ernten!“

Anhang