Nicht gegen unseren Widerstand!

25. Dezember 2014 | Veröffentlicht von Klaus-P. Schleisiek / ws

Zur aktuellen Auseinandersetzung um den Konflikt in der Ukraine, insbesondere aber wegen des Verhältnisses zu Russland sind mittlerweile zwei Erklärungen im Netz verbreitet:

Unser Leser Klaus-P. Schleisiek hat zur ersten der beiden Erklärungen eine Stellungnahme geschrieben, die wir im folgenden veröffentlichen:

Zum Aufruf von 60 Prominenten unter dem Motto:
„Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“

Diese Überschrift macht einen seltsam halbgaren Eindruck: Dass es im Jahre 2014 einen Krieg in der Ukraine gibt, ist ja Tatsache, keine Frage. Dies ist nicht einmal der erste innereuropäische Krieg nach dem Weltkrieg. Und was soll das heißen: „Nicht in unserem Namen“? Welcher Krieg wird schon in jemandes Namen geführt? Selbst der Aufruf-Unterzeichner, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, führte den rechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien ja nicht in seinem eigenen Namen, sondern verlogen im Namen von Auschwitz. Er will wohl sagen, dass er dieses Mal nicht wieder Schuld am drohenden Krieg sein will. Auch einige andere Mitunterzeichner, die sich durchaus nicht als Pazifisten bemerkbar gemacht haben, verweigern dieses Mal — aber lediglich ihre Zustimmung.

Aber zum Text: „Niemand will Krieg.“ So, wie Walter Ulbricht 1961 sagte: „Niemand beabsichtigt, eine Mauer zu bauen“? Dieser wohlbekannte Propaganda-Schaum seift uns nicht ein! Der mit Sanktionen gegen Russland begonnene Wirtschafts-Schaden, von USA durchgesetzt, und natürlich die Aufrüstung der NATO, sind kriegsvorbereitende Drohungen. Aber der Text stellt dies vernebelnd als unheilvolle Strömung dar, die zum Krieg treibt. Die NATO wird entschuldigt; sie soll, dem Text nach, angeblich sogar vom Gedanken geleitet worden sein, Krieg dauerhaft zu verbannen. Wer soll denn das glauben?
Die schwerwiegende Beteiligung der USA am Ukraine-Konflikt wird im Text verschleiert. Die „Sucht nach Macht und Vorherrschaft“ als Konflikt-Ursache wird damit Russland zugeschrieben und mit der angeblich völkerrechtswidrigen Annexion der Krim bekräftigt, obwohl die doch bisher die Flottenbasis der russischen Föderation trug.

Nach dieser zwar falsch begründeten, aber richtigen Warnung verlangt und begründet der Text die Möglichkeit und Notwendigkeit für Deutschland, Entspannung und Ausgleich zwischen der EU und Russland herzustellen. Mit ihrem ausdrücklichen Appell an die Politik und die Medien mahnen die Unterzeichner, sich dafür einzusetzen.

Gut, dass die 60 Unterzeichner etwas für den gefährdeten Frieden schreiben, aber schade, dass sie es so halbherzig tun. Die oben erwähnten falschen Begründungen nehmen ihrem Bemühen von vorne herein den Wind aus den Segeln. Und auf ein wichtiges Argument verzichten sie unverständlicherweise völlig, nämlich die Kollaboration des Westens mit den regierenden ukrainischen Faschisten. Auf diesem Weg ist kein Friede zu erhalten.

Zu mehr Missbilligung des offensichtlichen fatalen Kriegspfades des Westens kann sich das unterzeichnende politische Establishment offenbar nicht aufraffen.

Kann man sich diesem Aufruf anschließen, wie es ja manche „mit Bauchschmerzen“ getan haben? Tatsächlich wollen ja die meisten Menschen keinen Krieg, aber den falschen Kontext des Aufrufs mit seiner Unterschrift abzusegnen, ist auch nicht zuzumuten. Wir brauchen einen anderen Aufruf, der die Ursachen des Unfriedens klar benennt und ihnen entgegentritt. Krieg ist kein Ereignis, auf das ein namenloses Schicksal zutreibt bis er ausbricht, sondern Kriege werden von Menschen geplant, vorbereitet, organisiert, finanziert, aufgerüstet, trainiert und erst dann befohlen. So ist Krieg das größtmögliche organisierte Verbrechen! Es muss doch der Mehrheit möglich sein, wenn nicht über das Parlament (warum nur geht das nicht?), dann über passiven Widerstand nach Ghandis Vorbild die lange Kette von Kriegsvorbereitungen zu brechen.

Ich schlage eine Unterschriftensammlung unter folgendem Motto vor:

Krieg ist größtes organisiertes Verbrechen!
Nicht gegen unseren Widerstand!

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