NSU – Alles nur Verschwörungstheorie?

15. April 2013 | Veröffentlicht von Walter Schumacher

Am Sonntag gab es eine spannende
Veranstaltung bei der Aachener Linkspartei. Es ging zum einen um die Morde der NSU. Insbesondere wurden aber die Hintergründe und die Beteiligung der staatlichen Dienste an diesen Aktivitäten und deren Verschleierung beleuchtet.

Etwa 60 ZuhörerInnen lauschten den beiden Referenten hochkonzentriert im Linken Zentrum.

Drei Varianten von Zivilpolizei?

Ali Demir war damals Vorsitzender der Initiative Keupstraße/Köln. Er berichtete, was er 2004 als unmittelbarer Ohrenzeuge des Bombenanschlags erlebt hat. Knapp eine Minute nach der Explosion hatte er Zivilpolizisten am Ort des Attentats an ihren Waffen erkannt. Er hatte das damals gemeldet, war aber von allen staatlichen und juristischen Organen bis 2011 ignoriert worden. Erst 2013 wurde ihm schriftlich bestätigte, dass er mit seiner Vermutung, Zivilpolizei erkannt zu haben, Recht hatte: aber ihm wurden bis jetzt drei Varianten verkauft, welche Art von Polizei das gewesen sein sollte: a) Zivil-Beamte, die zufällig nur erste Hilfe geleistet hätten, b) Hundeführer, c) Drogenfahnder. Seither fühlt sich Herr Ali Demir wenig ernst genommen!

NSU-Morde und deren dienstliche Vertuschung

Ulla Jelpke, MdP und innenpolitische Sprecherin der Linkspartei, gab einen Überblick über die NSU-Morde und deren Aufdeckung. Für sie ist das weniger eine Aufdeckung, sondern mehr eine Folge von Vertuschungsaktionen seitens der deutschen Inlandsgeheimdienste. Jelpke bestritt ihnen den Titel VerfassungsSCHUTZ! Aus ihrer Sicht entpuppt sich der „VS“ mehr als eine Organisation  zur Förderung der Neo-Nazis.
Das könne man auch an der Geschichte des NPD-Verbotes sehen: In der NPD sei jedes 7. Führungsmitglied durch  den Geheimdienst bezahlt. Deshalb sei das NPD-Verbot auch nicht aus inhaltlichen Gründen gescheitert, sondern wg. „fehlender Staatsferne“ der NPD! Letztlich hätten also die V-Leute des Geheimdienstes die NPD gerettet!

Organisierte der deutscher Geheimdienst 1980 das Attentat am Münchner Oktoberfest?

Jelpke berichtet im weiteren über einen gerade erst bekannt gewordenen, aber noch nicht abschließend verifizierten Skandal der deutschen Geheimdienste: Es gibt einen deutlichen Hinweis, dass der größten Terroranschlag in Deutschland nach 1945, nämlich der Terroranschlag auf dem Münchner Oktoberfest 1980, vom deutschen Geheimdienst bzw. der Bundeswehr organisiert wurde. Die Details wurden ausführlich in der JungenWelt vom 12. und 13.4. dargestellt.

Um die Hintergründe verständlich zu machen, berichtet Ulla Jelpke, dass es viele ähnliche Terror-Aktionen schon mal in den 70er/80er Jahren in Italien gegeben hatte. Dort wurden durch die staatlichen Dienste reihenweise Menschen ermordet. Der größte Massenmord war das Bombenattentat auf den Hauptbahnhof von Bologna/Italien, bei dem 86 Menschen starben. Heute steht (gerichtlich abgesichert!) fest, dass diese Ermordungen keineswegs von irgendwelchen Linken, sondern von staatlichen Diensten in Italien durchgeführt wurden – und zwar im Rahmen eines Nato-Konzeptes, das mittlerweile unter dem Namen „Gladio“ bzw. „Stay-behind“ (a.u. siehe Wikipedia) bekannt ist.

Warum spricht die AN von Verschwörungstheorien?

In dem ausführlichen Bericht der Aachener Nachrichten vom 15.4. zu der Veranstaltung wird mit keinem Wort der „Münchner-Terroranschlag“ noch „Gladio/Stay-behind“ aus dem Beitrag von Jelpke erwähnt. Warum eine bürgerliche Zeitung darüber nicht berichten möchte, ist das eine. Doch ist es schon dreist, wenn dann die Darlegungen von Jelpke – ohne Inhaltliches darüber zu  berichten – wie folgt denunziert werden: „Doch manches, was man bei der Sonntagsmatinee hört, mutet an wie Verschwörungstheorien.“

Es sei daran erinnert, dass Thesen über systematische Neo-Nazi-Morde als Verschwörungstheorien gegolten haben, bis man dann die zwei NSU-ler geselbstmordet in einem Wohnmobil gefunden hat!

Nachtrag.

Erstmals gibt es seit heute (Dienstag, 17.4.) im Freitag unabhängig von der JungenWelt Artikel mit Hinweisen auf das Münchner Oktoberfest-Attentat.
Und in einer Luxemburger Zeitung gibt es die Details der Luxemburger „Gladio“-Anschläge, über die Ulla Jelpke berichtet hatte.