Nur Panikmache – oder echte Gefahr?

21. April 2013 | Veröffentlicht von Hannes Rader / ws

„Der größte Raubzug der Geschichte“

Am vergangenen Samstag fand der
Vortrag „Der größte Raubzug der Geschichte“ der beiden Ökonomen und Buchautoren Matthias Weik und Marc Friedrich im Haus der Evangelischen Kirche statt. Rund 200 Besucher kamen, um deren Analyse der aktuellen Finanzkrise zu hören.

Der Vortrag basierte auf dem gleichnamigen Spiegel-Bestseller  und war Auftakt der geplanten Veranstaltungsreihe Einwände! von Attac Aachen in Kooperation mit LOGOI (Institut für Philosophie und Diskurs), der VHS, Occupy-Aachen sowie EkiR (Evangelische Kirche im Rheinland). Die Aachener Nachrichten hatten am 15.4.13 auf die Veranstaltung in einem ausführlichen und informativen Artikel vorab hingewiesen.

Geld …

Im ersten Teil ihres Vortrages erklärten die Referenten
wie Geld in unserem heutigen kapitalistischen System entsteht. Sie erläuterten den Unterschied zwischen gedeckten und ungedeckten Geldsystemen. Unter dem Titel „Krise 1.0“ gingen sie der Frage nach, wie die jetzige Krise entstanden ist. Mit „Krise 2.0“ beschrieben sie die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage unseres Wirtschaftssystems.

Ursachen der Krise

Am Ende ihres Vortrags fassten sie die Ursachen der Krise in neun Thesen zusammen:

  • Ungedecktes Papiergeldsystem

  • Zinseszins

  • Exponentielles Wachstum

  • Niedrige Zinsen, billiges Geld

  • Deregulierung der Märkte

  • Abhängigkeit der Politik von der Finanzindustrie

  • Keine Haftung der Verursacher

  • Globalisierung

  • Gier, Maßlosigkeit, Überheblichkeit

Durch Änderungen in diesen Themenbereichen sahen Weik & Friedrich zugleich die Chancen, wie man aus der Krise herauskommen könne.

illegales und illegitimes Verhalten

Immer wieder wiesen die Autoren auf illegales und illegitimes Verhalten von Politikern, Beratern und Vorstandvorsitzenden hin. Die sog. „Bankenrettung“ ist für sie eigentlich nur eine Erpressung der Politik seitens der Banker. Heftig kritisierten sie die vermeintliche Systemrelevanz der Banken und prangerten die Umverteilung des Vermögens zugunsten der Reichen sowie die Vergesellschaftung der Schulden an. Die bisherigen Rettungsmaßnahmen und Lösungsansätze seitens der Politik seien ökonomischer Wahnsinn und statt Schadensminimierung eher eine Maximierung. Der Euro einige nicht Europa, sondern spalte den Kontinent. Im Gegensatz zu den Aussagen der Politiker, dass die Krise vorbei sei, betonten die Vortragenden, dass dies genau NICHT nicht der Fall sei. Sie warnten sehr vor einer europaweiten Zerstörung der Mittelschicht, hoher Arbeitslosigkeit, Separatismus und Extremismus, bürgerkriegsähnlichen Zuständen und Zwangsenteignungen.

Menschen aufzuklären

Ihr Vortragsstil war mitreißend und engagiert. Viele Aussagen wurden mit spontanem Applaus honoriert. Sie selbst nannten ihren Vortrag und ihr Buch einen „Akt der Zivilchourage“. Ihr Ziel sei es, möglichst viele Menschen aufzuklären und auf die Dinge, die noch auf uns zukommen werden, vorzubereiten.

Leider konnten ihre hehren Ziele und ihre sympathische Art nicht die Schwächen ihrer Analyse aufheben. Oberflächlich und mit einer gefährlichen Vermischung von volks- und betriebswirtschaftlichen Sachverhalten bleibt das ungute Gefühl von Skandalisierung und Panikmache. Ihr gutgemeinter Appell „werden Sie aktiv“, hinterließ bei vielen im Publikum Ratlosigkeit darüber, was genau zu tun sei. Die anschließende Diskussionsrunde verlief wenig strukturiert und warf deutlich mehr Fragen auf als beantwortet wurden.

Dennoch war die Veranstaltung gelungen. Die Organisatoren bekamen viel positives Feedback. Der elegante Saal im Haus der Evangelischen Kirche, die kostenlosen Getränke und der Büchertisch des Buchladen 39 sorgten für eine angenehme Atmosphäre.
Ziel der Veranstaltungsreihe Einwände! ist es, Gegenthesen zu gängigen Politikeraussagen zu diskutieren. Man darf gespannt sein, welche ReferentInnen die nächsten Vorträge im Rahmen der Veranstaltungsreihe halten werden.

 

Hier zur Buchbesprechung von „Der größte Raubzug der Geschichte“

Hier zum Link des Veranstalters attac-Aachen