Remember Fukushima – Stop-Thiange

10. März 2013 | Veröffentlicht von Walter Schumacher

Große Demo gegen das AKW-Thiange (Update mit Festnahmevido!)

Heute haben in Huy/Belgien etwa 2100 Menschen bunt und gut gelaunt gegen Atomkraft, insbesondere aber gegen das AKW-Tihange demonstriert. Es kamen sechs Busse aus Belgien und einer aus den Niederlanden. Aus Deutschland kamen von westlich des Rheins sechs Busse, die von den Grünen und ein Bus, der von der Linkspartei organisiert wurde. Viele TeilnehmerInnen reisten aber auch individuell mit PKW oder der Bahn an.

Die TeilnemerInnen der Demo kamen aus allen Ländern – und mittlerweile auch nicht mehr nur aus der Birkenstock-Generation. Der Demostrationszug ging durch den Ort Huy, einem alten Bergarbeiter- und Stahlarbeiterstädtchen, das heute ökonomisch zu 70% vom AKW-Tihange abhängt. Während des Demonstartionszuges war die Polizei dezenter als 2011, aber doch sichtbar.

Die Demonstration hatte viele belgische, niederländische, aber auch deutsche Medien angelockt, die mit ihren Teams vor Ort waren. Vermutlich wird die Demo daher einen breiten Widerhall finden.

Die Reden nahmen Bezug auf die Katastrophe in Fukushima vor zwei Jahren, die immer noch andauere – nur würde das in den Medien normalerweise nicht mehr gemeldet.

AKW-Tihange dauerhaft schließen

Schwerpunkt aller RednerInnen war jedoch die Situation am AKW-Tihange selber. Die dort gefundenen Risse sind so gefährlich, dass der defekte und z. Zt. stillstehende Reaktorblock-2 NIE wieder ans Netz gehen dürfte. Auch wurde die Unabhängigkeit der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC angezweifelt, weil deren jetziger Leiter Jan Bens mehrere Jahre selber Chef des AKW-Doel war, das die gleichen Fehlstellen hat wie des AKW-Tihange!
Daher würde Herr Bens genau die Fehler als Verantwortlicher untersuchen, die früher unter seiner Verantwortung entstanden sind. Die Schlussfolgerung von Jörg Schellenberg vom Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen lautete daher: „Treten sie zurück Herr Bens“!

Unschönes Verhalten der Polizei am Schluss

Exakt 5 Minuten vor Ende der Abschlusskundgebung gab es noch eine sehr unschöne Aktion der belgischen Polizei: Kinder hatten drei kleine AKW-Aufkleber auf ein Kreisverkehrsschild geklebt und wurden von der Polizei zum Abknibbeln der Pepper gezwungen. (Hier ein Video der Festnahme)

Das defekte SchildEin junger Mann hatte das beobachtet, sich eingemischt und dann demonstrativ einen 10cm-AKW-Nein-Danke Aufkleber angepeppt. Das führte unmittelbar zu seiner Festnahme, sein verbaler Widerspruch wurde als Widerstand interpretiert – und nach Ankunft von 4 (!) großen Polizeiwagen wurde er nach Huy ins Revier gefahren. Seine Freunde „durften“ ihn dann zwei Stunden später dort abholen.  Die weiteren rechtlichen Konsequenzen sind noch unklar.

Wofür Wasserwerfer?

Außerdem berichteten Teilnehmer, dass sie auf der Heimfahrt von der Demo eine großen belgischen Wasserwerfer überholt hätten.

Ähnlich wie bei der Festnahme des jungen Mannes ist auch dies ein Indiz für eine hohe Konfliktbereitschaft der belgischen Polizei bei AKW-Demos.
Oder war der Wasserwerfer seitens der Polizei eher als potentielle Notkühlung für Tihange eingeplant?

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