Salafisten und die Innere Sicherheit

22. April 2012 | Veröffentlicht von Marion Taubert /ws

Die Verteilung von angeblich 25 Millionen Koranexemplaren am vergangenen Wochenende in mehreren deutschen Städten sorgt für Aufsehen und Beunruhigung.

Aber die eigentlichen Gründe zur Besorgnis werden in den breiten Medien nur oberflächlich benannt.

Laut den Aachener Nachrichten sollte die Verteilaktion auch in Aachen stattfinden. Doch inwiefern es den sogenannten Salafisten in Aachen gelungen ist, dieses Vorhaben zu realisieren, lieferte allenfalls genügend Stoff zur PR in den Medien und verschob den Fokus weg von dem eigentlichen Problem bis hin zu religiösen Debatten. Überdies bot die selbst unter islamischen Gesichtspunkten fragwürdige Aktion an diesem Wochenende rechten Gruppierungen wie Pro NRW die Gelegenheit, das gesellschaftliche Klima weiter anzuheizen.

Geld aus arabischen Staaten

Die behördlichen Untersuchungen ergaben, dass die Ulmer Buchdruckerei bisher einen Druckauftrag für 300.000 Exemplare für die Gruppe um den Prediger Ibrahim Abou Nagie erfüllt hatte. Nach Angaben von Fokus Online wurde der bisherige Kostenaufwand in Höhe von 300.000 EUR schon vorab gezahlt. Dass der Verein soviel Geld für den Bücherdruck hat, ist auffällig. Hans-Werner Wargel, Chef des Landesverfassungsschutzes in Niedersachsen, erklärte dem Magazin „Der Spiegel“, dass er von Geldgebern aus dem arabischen Raum ausgehe. „Es gebe Erkenntnisse, dass bereits in der Vergangenheit Geld von der Arabischen Halbinsel an das salafistische Netzwerk in Deutschland überwiesen worden sei“ (Fokus Online, 15. 04. 2012).

Die gängige Darstellung der Medien

Es scheint, als gebe die PR-Aktion allein deswegen Anlaß zur Sorge, weil ihre Initiatoren aufgrund ihrer islamischen Überzeugung zu Gewalttaten bereit seien.

Diese einseitig Darstellung hat die negative Folge, dass Muslime aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit unter Generalverdacht fallen und dazu der verfassungsrechtliche Schutz zur freien Religionsausübung ins Visier gerät.

Die „Salafisten“

Bei den als Salafisten bezeichneten Glaubensanhängern fällt auf, daß sie die Deutungshoheit der Scharia (=Offenbarung) für sich beanspruchen und islamische Grundsätze wie die Zwanglosigkeit im Glauben unterbelichten. Außerdem polarisieren sie die Gemeinschaft der Muslime.

Interessant ist vor allem, daß hier Geld aus arabischen Ländern geflossen ist.

Diese Merkmale erinnern stark an ein Muster, das aus Ländern wie Afghanistan bekannt ist: Intolerante Fanatiker wurden seit den 60er Jahren bevorzugt mit Geldern u.a. aus den arabischen Ländern und geheimdienstlichen Maßnahmen unterstützt, um aus einer ungebildeten Bevölkerung sogenannte Mujaheddin zu rekrutieren, die stellvertretend für US-amerikanische Interessen zuerst Krieg gegen die UDSSR führten und dann gegeneinander. Daß ein einst friedliches Land wie Afghanistan vor allem aufgrund solcher Taktiken destabilisiert werden konnte, läßt nachvollziehen, dass Verfassungsschützer in diesem Fall beunruhigt sind.

Aber die eigentliche Frage ist, ob die richtigen Maßnahmen getroffen werden, um derartiges zu verhindern.

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