Schließung von Bombardier (Talbot) Aachen?

24. Oktober 2012 | Veröffentlicht von Sozialistische Kooperation Aachen / ws

Die aktuelle Meldung auf dem kapitalistischen Arbeitsmarkt in Aachen lauten: Das Werk „Bombardier“ mit 400 Festangestellten und ca. 200 Leiharbeitern soll in Aachen geschlossen werden. Von überall kommen Solidaritätsmeldungen; dabei sind viele, viele echte – aber es gibt auch Krokodilstränen.

Was ist wirklich los?

Ein Betrieb kündigt die komplette Schließung einer Niederlassung an. Begründet wird das mit fehlenden Aufträgen für DIESE Niederlassung ab Mitte 2013 – in einem Konzern mit ca. 8600 Beschäftigten alleine in Deutschland. Gleichzeitig, so heißt es seitens der Geschäftsführung, ist das Aachener Werk aktuell zu über 120 % deutlich ausgelastet!).

Was ist an der Schließungsankündigung „wahr“?

Wir wissen nicht, was an diesen Informationen korrekt ist. Wir wissen aber sehr wohl, dass es im Kapitalismus „normal“ ist, wenn mit allen Tricks und harten Bandagen gekämpft wird.

Wir wissen, dass aus Sicht der Kapitaleigner

  • die Aachen Stammbelegschaft immer noch zu groß ist,

  • dass die 37 Stundenwoche auch gerne wieder zu einer 40-Stundenwoche werden dürfte,

  • dass die Stammbelegschaft immer noch zu viel Urlaub hat, und

  • dass tatsächlich sogar noch Überstundenzuschläge gezahlt werden usw.

Da wir keine GenossInnen im Aachener Werk haben, fehlt uns internes betriebliches Wissen. Aber das übliche Konzept unserer Wirtschaft ist uns trotzdem vertraut und genau deshalb haben wir KEIN Vertrauen in die öffentlichen Verlautbarungen.

Werksschließung ist nicht das eigentliche Ziel

Wir glauben nicht, dass die Bombardier-Zentrale in Berlin das Aachener Werk wirklich schließen will. Es geht vielmehr darum, Aachen „billiger“ zu machen. D.h. zurück zur 40-Stunden-Woche, weniger Urlaub, geringere oder keine Ü-Stundenzuschläge, mehr Leiharbeiter, usw.

Wir vermuten also hinter der „Drohung mit Werkschließung“ nichts anderes als den Versuch der Geschäftsführung Verängstigung und Verunsicherung in die Belegschaft zu tragen. Wir sind uns sicher, dass es hinter den Kulissen schon längst Verhandlungen gegeben hat und auch noch weitere gibt, in denen man zur „Abwendung des größeren Übels“ das „kleinere Übel“ betreibt, nämlich die bisherigen tariflichen Errungenschaften der (Stamm-)Belegschaft weitestgehend abzuschaffen.

Krokodilstränen?

Aus unserer Sicht sind es politische Bedingungen, die es den Konzernen in Deutschland immer einfacher machen, die Beschäftigten ihrer kleineren Standorte mit Entlassungen zu bedrohen.

Deshalb vergießen die Politiker oder politische Strömungen, die die Leiharbeit eingeführt haben, die den Mindestlohn verweigern und die sich nicht für eine generelle Arbeitszeitverkürzung einsetzen Krokodilstränen, wenn sie die aktuelle Schließungsdrohung bei Bombardier beweinen.

Nur wer sich ernsthaft für

  • gesetzlichen Mindestlohn

  • generelles Verbot der Leiharbeit

  • 30 StundenWoche

  • Rente mit 60 usw. usf.

einsetzt, der kämpft für den Erhalt von Arbeitsplätzen und somit auch für den Erhalt des Aachener Bombardier Werkes.

Was können die Aachener Beschäftigten machen?

Wir glauben, dass die Aachener sehr gute Chancen haben, sich erfolgreich zu wehren. Was können sie dafür machen?

  • Zuerst einmal eine gemeinsame Einschätzung entwickeln von dem, was die Firmenleitung wirklich will: Eine Komplett-Schließung oder „nur“ Lohnkürzungen?

  • Zum Zweiten wäre zu bestimmen, welche Trümpfe die Aachener in Händen haben: Das sind der aktuelle Auftragsbestand, wobei der Zwang zu Überstunden anzeigt, dass im Hintergrund für Bombardier Strafzahlungen bei verspäteten Lieferungen lauern. Und es gibt das Interesse der NRW-“SPD“-Politik, dass nicht 600 Arbeitsplätze im (high-tech) Maschinenbau einfach so zerstört werden.

Aus Sicht der Bombardier-Beschäftigten ergeben sich daraus folgende Handlungsvarianten:

a) Keine Überstunden mehr !

Würde man ab sofort nur noch 100 % arbeiten dann wäre die Auslastung mindestens zwei bis drei Monate länger und würde die eine eventuelle Schließung entsprechend nach hinten verschieben.

b) Streiken

Würden ab sofort auch nur einzelne Tage gestreikt, so hätte die Belegschaft ein erhebliches Druckmittel in der Hand, weil der Firmenleitung mit Sicherheit enorme Vertragsstrafen drohen, falls die „Aufträge bis unters Dach“ nicht termingerecht erledigt sind.

Würde sogar mehrtägig gestreikt, würde der Verhandlungsvorteil sicher noch größer werden. Nur: dieser Streik müsste BALD kommen. Sobald die zeitkritischen Aufträge abgewickelt sind, ist ein wichtiger Trumpf verloren.

Sympathie für Streiks in Aachen?

Nach allem was zu lesen und zu hören ist: Die Sympathie der Aachener Bevölkerung wäre den Streikenden nach unserer Einschätzung jedenfalls sicher. Die allgemeine Wut auf den Umgang der Konzerne mit den Beschäftigten ist groß. Leider wird diese Wut aber durch die Gewerkschaftsbürokratie immer noch erfolgreich im Zaum gehalten.

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