Selbsterklärte Märtyrer: RWE-Mitarbeitenden im Aachener Dom

1. November 2018 | Veröffentlicht von AachenerKlimaschutzbewegung / ws

„Wir büßen für die Klimasünden der Welt“

Mitarbeitende der RWE AG nutzten am 01.11.2018 den Pontifikalamtsgottesdienst zu Allerheiligen für eine geschmack- und pietätlose Protestaktion. Unter dem Motto „Wir büßen für die Klimasünden der Welt“ nahmen mehrere Personen in RWE-Kluft am Gottesdienst teil und inszenierten sich anschließend im Domhof mit einem Pranger als Opfer, anstatt ihre eigene Instrumentalisierung durch einen Skrupellosen Konzern zu erkennen und anzuprangern.

Orange gekleidete RWE-Mitarbeitende mit einem Pranger

An einem Tag, an dem Katholik*innen ihrer Heiligen und ihrer verstorbenen Ahnen gedenken, wo Familien Gräber aufsuchen und im grauen November eine Kerze für liebe entschwundene Seelen aufstellen; an einem Tag, der explizit als stiller Feiertag begangen wird, um Trauernden einen Moment der Stille und Aufmerksamkeit zu schenken, kommen orange gekleidete RWE-Mitarbeitende mit einem Pranger an den Aachener Dom. Sie klagen an, dass sie „für die Klimasünden der Welt büßen“ müssten. Büßen für etwas, das andere über ihre Köpfe hinweg entscheiden könnten.

Doch was könnten sie einbüßen?

Einen sicheren Arbeitsplatz, den das Unternehmen ihnen vorgaukelte, das ihnen allzu lange die Illusion einer heilen Welt ohne Sorgen versprach? Oder könnten nicht auch sie die Lebensgrundlage auf einer Erde einbüßen, weil unsere heutige Art zu leben und zu wirtschaften – und vor allem: unsere Energie aus fossilen Rohstoffen wie Braunkohle zu gewinnen – die Zukunft der nachfolgenden Generationen gefährdet? Von den „Klmasünden der Welt“ hat RWE wahrlich einen beträchtlichen Anteil selbst begangen.

Wer entscheidet eigentlich, und wer trägt welche Verantwortung?

Ein Energiekonzern mit Milliardengewinnen, der es versäumte seine Profitgier dem Wohl seiner Mitarbeitenden und dem Entschluss der Klimakonferenz unterzuordnen, lässt lieber die Situation eskalieren und fegt gleichermaßen über die Sorgen der Mitarbeitenden und den mehrheitlichen Wunsch der Menschen in diesem Land hinweg, in einer gesunden lebenswerten Welt zu leben. Die Politik schweigt sich entweder aus oder geht auf Kuschelkurs mit dem Energieriesen. Der Strukturwandel im Revier wird so verzögert, bis er nur noch durch einen Bruch bewältigt werden kann.
Und die Angst der Mitarbeitenden um ihre Sicherheit lässt sie nun nicht einmal mehr spüren, dass sie mit ihrer politischen Aktion die intimsten Gefühle der Menschen verletzen, die in der Kirche Trost für den Verlust ihrer Verstorbenen suchen.

Angemessener Stil – angemessene Aktionsform?

Kommunikation ist wichtig, keine Frage. Es bleibt nur zu bedenken, ob dies an diesem Tag und an diesem Ort der angemessene Stil ist. Zudem stellt sich die Frage, wen die Kohlekumpel an den Pranger stellen sollten. Wäre das nicht eigentlich der richtige Platz für ihren Arbeitgeber, der sie für seine Profite einspannt, anstatt durch einen Strategiewechsel und die Abkehr von der Braunkohle nicht nur ihre sondern die Zukunft aller Menschen zu sichern?