Stadt Aachen schikaniert Straßenmusiker

25. März 2018 | Veröffentlicht von Norbert Krzikalla / ws

Hohe Gebühren und unnötige Einschränkungen …

Um in Aachen spielen zu dürfen, muss man jede Woche Montag um 7:30 Uhr beim Ordnungsamt vor der Tür stehen und warten, bis es um 8 Uhr öffnet, um sich für 5 Tage der laufenden Woche für 25 Euro eine Genehmigung zu holen. Nur mit dieser Genehmigung – deren Kosten sich in diesem Jahr verfünffacht haben – ist es überhaupt erlaubt, in der Stadt zu musizieren.
Zwischen 13 und 14 Uhr ist das Musizieren generell verboten, am Münsterplatz ist es nur von 12 bis 14 und von 16 bis 18 Uhr erlaubt.

Beschränkungen

Die Erlaubnis ist auf wenige ausgewählte Straßen und Plätze beschränkt. Außerhalb dieser Straßen, so z. B. auch in Burtscheid, ist Straßenmusik komplett verboten. Auf jedem Platz darf man maximal eine halbe Stunde spielen und am selben Tag dann nicht mehr an diesen Platz zurückkehren. Diese Restriktionen und insbesondere die hohen Gebühren und das wöchentliche Anstehen für die Genehmigung schrecken viele Musiker davon ab, überhaupt in Aachen zu musizieren.

„Offiziell“ wirbt Aachen mit Straßenmusik für Gute Laune

Straßenmusik erhöht aber deutlich die Attraktivität der Stadt. Sie erfreut und verbindet viele Menschen. Sie schafft, gerade in einer Stadt wie Aachen mit vielen Touristen, eine frohe, positive Stimmung und lässt einen in dem oftmals hektischen Treiben in der Stadt mal für einen Moment innehalten. Im Ausland wird sogar mit Straßenmusikern für Aachen geworben. Auch für die Kurgäste in Burtscheid wäre Straßenmusik eine Bereicherung, wenn sie dort erlaubt wäre.
Es ist daher nicht nachvollziehbar, warum man den StraßenmusikerInnen solche Steine in den Weg legt. Die Regelung, nur eine halbe Stunde an einem Platz spielen zu dürfen, mag ja noch sinnvoll erscheinen, damit nicht eine Gruppe den ganzen Tag einen guten Platz blockiert, an dem auch andere gern spielen würden. Aber wofür eine Genehmigung, die nur für 5 vorher festzulegende Tage in einer Woche gilt und die man sich persönlich am Ordnungsamt abholen muss und zwar nur Montagmorgens um 8 Uhr und die seit diesem Jahr nicht mehr 5, sondern 25 Euro kostet? Das kann man nur noch als Schikane bezeichnen.

Straßenmusik = Ruhestörung?

Offensichtlich betrachtet das Ordnungsamt Straßenmusik nur als Ruhestörung und will die MusikerInnen aus der Stadt vertreiben. Ein altes Sprichwort besagt: “Musik wird oft als störend empfunden, derweil sie mit Geräusch verbunden.“ Das ist zweifellos richtig. Der Musikgeschmack der Menschen ist unterschiedlich. Was dem einen ein Wohlklang ist, ist für den anderen Lärm.
So mag sich der eine oder andere Anwohner schon mal gestört fühlen. Das wird sich nicht ganz vermeiden lassen. Aber man sollte dies in Relation zu den positiven Wirkungen der Musik bewerten. In der Stadt herrscht ohnehin immer ein gewisser Lärmpegel, der an stark befahrenen Straßen um ein Vielfaches höher ist als der durch Straßenmusik verursachte. Aufgrund des allgemeinen Stadtlärms kann man der Straßenmusik in der Regel ohnehin nur dann gut lauschen, wenn man nicht mehr als 10 Meter entfernt steht.

Auch Straßenmusiker müssen von irgendetwas leben

So manche StraßenmusikerIn ist auf die Einnahmen auf der Straße angewiesen und daher den Schikanen des Ordnungsamtes ausgeliefert. Dieser Artikel entstand aufgrund der Realitäten einer der Redaktion bekannten Aachener Musikerin. Sie lebt zum Teil von Straßenmusik und von bezahlten Auftritten, meist im Rahmen von Festlichkeiten.
Die Engagements für Auftritte bekommt sie meist dadurch, dass die Menschen durch die Straßenmusik auf sie aufmerksam werden. Sie verdient damit bei einem sehr anspruchslosen Lebensstil so eben ihren Lebensunterhalt. Die Straßenmusik ist für sie existenziell.
Über gewisse Einschränkungen bezüglich Ort und Dauer des Musizierens lässt sich sicher diskutieren. Aber die Gebühren für die Genehmigung und der wöchentliche Besuch beim Ordnungsamt um 8 Uhr morgens gehören ersatzlos abgeschafft!

Forderungen an die Stadt in Form einer Petition

Um ihren Ärger über die unsinnigen und schikanösen Regelungen der Stadt Aachen zum Ausdruck zu bringen und die Stadt aufzufordern, Straßenmusik-freundlichere Regelungen einzuführen, haben Freunde der Straßenmusik eine Internet-Petition auf der Plattform change.org gestartet (siehe: http://chn.ge/2uaMx0I ). Sie wollen mindestens 500 Unterschriften sammeln und diese dann an Oberbürgermeister Marcel Philipp überreichen.