Trotz Evakuierung – Nukleare Volllast im AKW-Tihange

22. März 2016 | Veröffentlicht von Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen / ws

AKWs-weiter am Netz – trotz aller Terror-Warnungen

Aus Belgien werden zwei menschenverachtende Anschläge auf U-Bahn und Flughafen mit vielen Toten gemeldet. In der laufenden Berichterstattung kam über viele renommierte Medien die Meldung, dass die AKW-Anlage Tihange evakuiert werden würde. Kurz darauf der Zusatz, dass auch in Doel evakuiert würde.
Trozdem wird in allen 7 Atomkraftblöcken weiter mit nuklearer Volllast Strom produziert. Auch wenn die Gefahr noch so groß ist!via gmx-Nachrichtendienst:

14:08 Uhr: Nach den angekündigten Sicherheitsmaßnahmen für Atomkraftwerke erreicht uns jetzt die Meldung, dass ein belgisches AKW evakuiert wird. Es soll sich dabei um das Atomkraftwerk Tihange handeln. Es ist 70 Kilometer von Aachen entfernt. Das berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf den lokalen Polizeichef.
Sowohl Polizei als auch Militär seien vor Ort, wie der Betreiber Engie laut Nachrichtenagentur Belga mitteilt.

via gmx-Nachrichtendienst:

14:49 Uhr: Das belgische Atomkraftwerk Tihange ist nach Angaben des Betreibers Electrabel nicht evakuiert worden. Vielmehr sei verzichtbares Personal aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt worden, unterstreicht das Unternehmen auf Twitter.

und folgendes Spiegel-online-Zitat, 16:05 Uhr, 22. März 2016

Die beiden belgischen Atomkraftwerke sind teilweise evakuiert worden. Das für den Betrieb der Anlagen nicht unbedingt notwendige Personal verlasse die Kraftwerke in Doel und Tihange, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Electrabel. Mit dieser Maßnahme würden Sicherheitsanordnungen der Behörden umgesetzt.

Unberührt davon ist nicht erkennbar, dass die Stromproduktion aus den 7 AKW-Blöcken beendet wurde. Es gab auch KEINE Meldung über eine möglicherweise bald geplante Beendigung der Stromerzeugung – was ja bei einer ernsthaften Evakuierung der Anlage die logische Folge sein müsste.

Evakuierung / Teil-Evalkuierung / Keine Evakuierung?

Kurz darauf kam von dpa die Meldung, dass die Evakuierung doch nicht (oder nicht weiter) stattfinden würde.

22.03.16 | 14:48 Uhr „Brüssel (dpa) – Das belgische Atomkraftwerk Tihange ist nach Angaben des Betreibers Electrabel nicht evakuiert worden“ Vielmehr sei verzichtbares Personal aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt worden, unterstrich das Unternehmen auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Genaue Gründe oder Details zu den Aussagen der Evakuierung/Nicht-Evakuierung sind z.Zt. (17 Uhr) nicht bekannt.

AKWs weiterlaufen lassen – trotz ernsthafter Terrorgefahr?

Das Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen (AAA) ist entsetzt über die Kaltschnäuzigkeit, mit der Meldungen über eine Evakuierung der AKWs gestreut werden, statt dass eindeutig und klar erklärt wird, dass die Anlagen ZUERST heruntergefahren werden und DANN eine Evakuierung stattfindet.
Wenn wirklich eine Evakuierung geplant ist, dann muss doch zuerst durch Herunterfahren aller Reaktoren der Schutz der Bevölkerung mit allerhöchster Priorität sichergestellt werden.
Erst danach bzw. zeitgleich dürfte eine Evakuierung des Personals angeordnet werden, das nicht unbedingt zum Betrieb notwendig ist. Aber selbst dann muss immer eine Bedienungsmannschaft in den Reaktoren zurückzulassen werden, die die gefährliche Anlage auch in dieser Hoch-Risiko-Situation weiter betreut. Alles andere würde noch verantwortungsloser sein als selbst wir Kritiker das von der Atom-Industrie erwartet hätten.

Offenbar ist das weitere (private) Geldverdienen durch nukleare Stromerzeugung wichtiger als das Leben der Menschen unserer Regionen!

Behinderung unserer Kommunikation?

Parallel zu diesen Meldungen wurde heute deutlich sichtbar, welche Konsequenzen diese Terror-Panik auf unsere Kommunikationswege haben kann. Obwohl wir sicher nur eine Vorgeschmack auf eine echte Katastrophe bekommen haben, konnte jedeR schon heute bemerken, welche Behinderung im Internet bzg. Geschwindigkeit und Zugriffsmöglichkeiten geherrscht hat. Belgische KollegInnen berichten uns Ähnliches über Schwierigkeiten in der mobilen Telefon-Kommunikation.

Wir zitieren erneut eine Spielegl-Online-Meldung, 15:32 Uhr, 22. März 2016

„Es gibt derzeit Wichtigeres als Unterhaltung: Das Krisenzentrum des belgischen Innenministeriums hat Internetnutzer zum vorläufigen Verzicht auf Musik- und Video-Streaming aufgerufen. „Haltet das Internet frei für Kommunikation“, twitterte die Behörde“

und 14:40 Uhr, 22. März 2016

„Da das Mobilfunknetz noch immer überlastet ist, sollten die Notfallnummern vom Festnetz angerufen werden. Das empfiehlt das belgische Krisenzentrum auf Twitter.“

Noch ein Nachtrag: Artikel vom 18.3.16 im Deutschlandfunk:

Was ein Zufall: Wie der Deutschlandfunk am 18.3.16 meldet, ist bereits im Oktober 2014 bekannt geworden, dass ein „belgischer Dschihaddist drei Jahre lang für Belgiens ältestes Kernkraftwerk gearbeitet hatte. Und zwar als Techniker im Hochsicherheitsbereich des AKW Doel nahe Antwerpen.“

Hier zum Artikel: Kraftwerke in Belgien – Angst vor der schmutzigen Bombe

Belgische Kernkraftwerke werden immer mehr zum Sicherheitsrisiko – nicht nur aufgrund der veralteten Anlagen. Ein aktives Mitglied einer Terrororganisation arbeitete über Jahre hinweg als Techniker im AKW Doel, ein führender Isotopenspezialist wurde ausspioniert. In Belgien wächst die Angst vor möglichen nuklearen Anschlägen.