Utopisch? Natürlich!

7. Juli 2013 | Veröffentlicht von Hannes Rader / ws

Befreiender Wandel statt Zerstörung und Alternativlosigkeit

innenhofUnter dem Motto „Welt im Wandel“ lud das Eine Weltforum an diesem Wochenende zum 27. Aachener Weltfest. Rund 500 Menschen besuchten am Samstag bei strahlendem Sonnenschein die Veranstaltung. Die Besucher erwartete ein buntes, vielfältiges und interessantes Programm.

Eröffnet wurde das Weltfest mit den Klängen afrikanischer Trommeln. Die Kindergruppe KOUMPO zog mit rhythmischer Musik zunächst rund um das Welthaus und anschließend über das Gelände des Hauses zur Hauptbühne. Mona Pursey, Leiterin des Eine Welt Forums, und Oberbürgermeister und Schirmherr des Weltfestes Marcel Philipp begrüßten dort die Gäste und Teilnehmer.

Informationsmarkt und kulinarische Weltreise

Der Parkplatz verwandelte sich sodann in einen bunten Ort der Information und des Austausches, der Kunst und des Handwerks, der Esskulturen und Düfte. Auf dem sogenannten Informationsmarkt haben die Mitgliedsgruppen des Eine Weltforums hier die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit zu präsentieren. Das „Deutsch-Iranische Forum Aachen e.V.“ verzauberte die Gäste außerdem mit einer kulinarischen Weltreise und bot verschiedene Gerichte für kleines Geld an.

Podiumsdiskussion „Transition Town“

Eine halbe Stunde später strömten zahlreiche Besucher Richtung Aula während sich die Kinder auf die Mal- und Bastelaktionen stürzten.
In der Aula begann um 15.30 Uhr die Podiumsdiskussion „Transition Town“. Die Gäste: Oberbürgermeister Marcel Philipp, Oliver Pesch, Gründer der Aachener Transition Town Initiative, Walter Jost von Transition Town Mönchengladbach und Jürgen Jansen, Politikwissenschaftler und Vorstandmitglied des Eine Weltforums. Für die Kinder gab es auf der ersten Etage die Mal-Aktion „Acryl auf Leinwand“, dieses Jahr zum wichtigen Thema Wasser. Wer nicht gerne malt, konnte im Innenhof „Traumlandschaften“ aus Naturmaterialien gestalten, die vom Ökologie-Zentrum Aachen e.V. zur Verfügung gestellt wurden.

Mode & Musik

djAb 16.30 Uhr präsentierte die Designerin Annika Kuhn bei einer Modenschau die Sommerkollektion ihres T-Shirt-Labels, bei dem ausschließlich Bio-Materialien aus Fairem Handel verwendet werden. Um 17.15 Uhr präsentierte die Hip-Hop-AG der Victoriaschule ihre neuste Choreografie und lud anschließend zu einem Hip-Hop-Workshop für jung und alt ein. DJ Mr. Coconut heizte ab 18.15 Uhr mit Indonesien Pop den Gästen im Innenhof ein.

 

Politisches Kabarett

kabarettEiner der Höhepunkte des Weltfestes begann um 17.45 Uhr in der Aula: Die sechsköpfige Kabarett-Gruppe Muita Merda führte hier Ausschnitte aus ihrem neuen Bühnenprogramm „Im Dienste ihrer Märkte“ vor. Kanzlerin Merkel wurde hier als Lady Gaga auf die Schippe genommen. Doch auch Banker und Bürger bekamen ihr Fett weg.

 

 

Partnerschaft mit  Lampaseh

Ab 19.15 Uhr berichteten Mitglieder des Eine Weltforums über ihre Reise nach Lampaseh. Nach der Tsunami-Katastrophe 2004 hatte das Eine Weltforum eine Partnerschaft mit dem indonesischen Fischerdorf begonnen. Seit dem wurde erste Hilfe nicht nur mit medizinischen sondern auch mit alltäglichen Notwendigkeiten geleistet. Darüber hinaus gibt es seit 2008 ein erfolgreiches Projekt für die einkommensschaffende Beschäftigung für Frauen. Im Jahr 2012 reisten einige Mitglieder des Eine Weltforum in die Stadt, um die persönlichen Kontakte zu stärken.

Ausklang eines gelungen Tages

bandBevor ab 20.00 Uhr die kubanische Band Azucar Blanca für den musikalischen Ausklang sorgte, gab es im Innenhof noch die Verlosung der Tombola. Der Erlös der Tombola unterstützt den Bau einer Sportanlage und erweitert den Bestand der Jugendbibliothek in Lampaseh. Anschließend machten es sich die Gäste im Innenhof gemütlich und ließen den gelungen Tag an einem lauen Sommerabend mit Bier, Cocktails oder alkoholfrei ausklingen.

 

Rahmenprogramm

Vor dem eigentlichen Weltfest, das immer samstags stattfindet, gab es zum Einstieg am 2. Juli einen Vortrag zum Thema „Welt im Wandel – Die Länder der Region Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten“. Referent war der selbst aus dem Mittleren Osten stammende Dr. Peyman Javaher-Haghighi. Anhand konkreter Beispiele bot er den Zuhörern spannende Analysen über die Ereignisse in den arabischen Ländern als Teil eines allgemeineren Wandels des globalen Machtgefüges. Darüber hinaus wurde am 4. Juli der Dokumentarfilm Voices of Transition gezeigt. Transition Town ist eine Bewegung, der es um einen Wandel hin zu einem Leben der Selbstversorgung, Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit geht. Weitere Informationen dazu gibt es unter: www.transition-aachen.de

Vom zerstörerischen zum befreienden Wandel – Anspruch und Bedeutung des diesjährigen Weltfestes

infostndeDas Motto und die inhaltliche Konzeption des diesjährigen Weltfestes war besonders gelungen umgesetzt. Die „Welt im Wandel“ wurde hier in einen historischen Kontext gestellt und endete in der logischen Konsequenz eines befreienden Wandels, der nicht naiv und utopisch, sondern notwendig ist. Eine Machtstruktur des Kolonialismus wandelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einen ideologischen und militärischen Kalten Krieg, der wiederum in eine Weltordnung mündete, in der durchindustralisierte reiche Regionen das Schicksal der armen Regionen bestimmen. Diesem zerstörerischen Wandel stellen sich lokale, nationale und internationale soziale Bewegungen entgegen, die sich für Demokratie und Selbstbestimmung einsetzen und schließlich einen befreienden Wandel herbeiführen müssen. Das Eine Weltforum bot bezüglich diesen wichtigen Themen Informationen, Analysen und Beispiele. Die sogenannte Transition Bewegung ist davon ebenso ein wichtiger Teil wie die Revolutionen in den Ländern des Südens. Die Mitglieder und angrenzende Initiativen des Welthauses begleiten die lokalen Möglichkeiten des Wandels und setzen wichtige Impulse vor Ort.

Insgesamt ein wunderbar gelungenes Fest.
Die kraz freut sich auf das 28. Weltfest in 2014!