Vergisst AN die Linkspartei auch am Tag vor der Wahl?

13. Mai 2012 | Veröffentlicht von Walter Schumacher / jw

Die Aachener Nachrichten „vergisst“ auch am letzten Tag vor der Wahl erneut die Linkspartei. Unbewusster Fehler oder absichtlicher Eingriff in den Wahlkampf?

 

Wir hatten in der kraz schon zweimal berichtet, wie in den Aachener Nachrichten/Aachener Zeitung bzgl. der NRW-Wahl durch konsequentes „Nicht-erwähnen“ der Linkspartei manipuliert wird. Hier die dritte Folge:

Die Samstags-AN hat den Aufmacher-Artikel „NRW wählt: Sicher ein Echo in Berlin“. Dort werden die Wahlchancen der einzelnen Parteien analysiert, wer wie viel Prozent bekommen wird und wer welche Fehler gemacht hat und die Situation der FDP wird schöngeredet „Demoskopen sehen die FDP sicher über der 5% Hürde bei sechs bis sieben Prozent“.

Auf der zweiten AN-Seite ein weiterer Artikel („Bauchlandung zwei Tage vor der Wahl“), der sich speziell mit den Fehlern von CDU-Norbert Röttgen beschäftigt.

Überhaupt nicht behandelt wird die spannende Frage, ob die Linkspartei die 5% Hürde schafft. Dieser Fall würde – insbesondere wenn auch die FDP den Wiedereinzug schafft – eine Regierungsbildung erheblich komplizieren und der Linkspartei viel Einfluss eröffnen. Diese Variante wird auf den beiden ersten AN-Seiten, und nur dort werden die NRW-Wahlen angesprochen, nur an einer einzigen erwähnt: im Kommentar „Lahme Turbo-Wahl“ von Johannes Nitschmann: „Für eine rot-grüne Koalition … könnte es erneut knapp werden, vor allem, wenn die Linkspartei doch noch den von den Demoskopen kaum für möglich gehaltenen Sprung über die 5% Hürde schafft.“

Auch diese Art von „Berichterstattung“ ist Wahlkampf – hier aber nicht von einer Partei, sondern von einem Zeitungsverlag! Wir fragen uns, ob solch eine Beeinflussung, nicht gegen die Spielregeln des modernen Journalismus spricht.