Vernichtendes Gutachten zu den AKWs Tihange-2 und Doel-3

9. April 2014 | Veröffentlicht von Aktionsbündnis gegen Atomenergie / ws

DasGutachtenHeute wurde im EU-Parlament ein wissenschaftlicher Bericht (1) vorgestellt, durch den bewiesen ist, dass der Betrieb der beiden AKWs Tihange-2 und Doel-3 besonders risikoreich und somit unverantwortlich ist.
Der Bericht ist das Ergebnis einer Konferenz, die durch das Aktionsbündnis gegen Atomenergie in Aachen im Januar dieses Jahres organisiert wurde. Sie hatte sich speziell mit den veröffentlichten Unterlagen des Betreibers Electrabel und der belgischen Atomaufsicht FANC zu den Rissen in Tihange-2 und Doel-3 befasst.

Die zentralen kritischen Punkte im Bericht

  • Statt notwendiger konservativer Ansätze bei Tests und Sicherheitsfragen wurden seitens der FANC immer wieder „Best-Case“-Annahmen getroffen
  • Es gibt kein echtes Probenmaterial des realen Reaktormantels für Belastungstests (2).
  • Eine von der FANC einberufene internationale Expertenkommission hatte schon im Frühjahr 2013 schriftlich gewarnt, dass durch die Risse alle Sicherheitsreserven des Reaktor-Stahl ausgereizt würden, was zum Abschalten des Reaktors hätte führen müssen. Diese Information wurde zwar anfangs durch die FANC noch dokumentiert, verschwand aber im Abschlussbericht zur Untersuchung der Risse ohne jede Begründung!
  • Obwohl dem Betreiber bekannt war, dass noch entscheidende Tests anstanden (die jetzt ja zum Abschalten geführt haben!) wurden trotzdem parallel beide Reaktoren wieder in Betrieb genommen.

Auf der Pressekonferenz war auch Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, anwesend. Sie sagte: „Der Bericht zeigt deutlich, dass die belgische Aufsichtsbehörde 2013 vorschnell grünes Licht für die Wiederinbetriebnahme der beiden defekten Reaktoren gegeben hat. Sie ignorierte die zahlreichen offenen Fragen und Warnungen von Experten. Angesichts der katastrophalen Folgen, die mit dem Bersten eines Reaktordruckbehälters verbunden wären, ist das vollkommen verantwortungslos. Solange die Herkunft der Fehlstellen nicht zweifelsfrei geklärt werden kann, müssen Doel3 und Tihange2 stillstehen.“
Und Jörg Schellenberg vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomkraft ergänzt: „Die aktuellen Tests weisen offensichtlich nach, dass die Versprödung signifikant höher ist als erwartet. Mit der Entscheidungen, die Reaktoren im Mai 2013 wider besseren Wissens zu starten, hat die belgische Aufsichtsbehörde FANC das Leben von Millionen wissentlich gefährdet. Ein so skrupelloses Verhalten ist für eine Aufsichtsbehörde unfassbar. Wir bedauern, dass die Europäische Union keine Instrumente hat, einer solchen Aufsichtsbehörde Einhalt zu gebieten. Wir fordern eine europäische Behörde mit entsprechenden Befugnissen, die die Sicherheit aller EU-Bürger über die Grenzen hinweg im Blick hat.“

Endgültige Abschaltung?

Auf der Pressekonferenz war belgische, deutsche, niederländische und französische Presse anwesend. Die katastrophalen Risse in den beiden Reaktoren bekommen jetzt offenbar doch ein angemessenes Medienecho.
Das Aachener Aktionsbündnis hofft sehr, dass durch diese europaweite Aufmerksamkeit die „vorläufige“ Abschaltung der beiden Reaktoren auch offiziell bald zu einer ENDGÜLRTIGEN Abschaltung wird!

Pfingstsonntag: Jetzt strahlen wir

Das Bündnis lädt vorsorglich schon mal zu einer Demo & Anti-Atomfest auf dem Dreiländereck ein. Dort sollen am Pfingstsonntag (8.6.) um 14 Uhr nach einer kurzen Drei-Länder-Demo die ersten Sektkorken knallen unter dem Motto: „Jetzt strahlen wir!“

—-

(1) Der Bericht ist in vier Sprachen verfasst und auf der Seite des „Aktionsbündnisses gegen Atomenergie Aachen“ abgelegt. Jeder darf ihn sich herunterladen: ==> Der Text ist sehr angenehm zu lesen. Es lohnt sich!

(2) Die Testergebnisse, die am 25.3.14 zum (vorläufigen?) Stillstand geführt hatten, waren Materialproben aus 2012 – also erneut nur eine „Best-Case“-Annahme des Betreibers! (Siehe hierzu den entsprechenden kraz-Bericht). Übel, dass selbst diese Probe offenbar zu derart desaströsen Ergebnissen geführt hat, dass sie den Betreiber zum sofortigen Abschalten der AKWs gezwungen haben.

Artikel weiterempfehlen: