Vorsicht ist geboten

22. Juli 2012 | Veröffentlicht von Jens Wegener / rk

Sie stehen plötzlich vor der Türe und wollen über Gott reden oder sie stehen mit einem Wachturm in der Hand vor dem Einkaufszentrum. Fast jeder macht sich über die komisch wirkenden Fremden lustig, doch handelt es sich bei den Zeugen Jehovas tatsächlich nur um eine befremdliche Religionsgemeinschaft oder um eine gefährliche Sekte?

 

Wenn man vor kurzem durch die Aachener Innenstadt ging, fiel einem plötzlich ein Stand auf mit drei adrett gekleideten Menschen, neben dem Stand fallen dem Vorbeigehenden direkt zwei Stellwände auf, die uns versprechen das Familienglück und die innere Befreiung zu finden. Etwas direkter ist der Auftritt der Zeugen Jehovas vor der Kölner Universität. Dort prangt ein großes Schild über dem Stand auf dem schon von weitem Zeugen Jehovas zu lesen ist. Der normale Bürger könnte auf die Idee kommen, man habe es hier mit einer gewöhnlichen Organisation zu tun, die lediglich für ihre Vorstellungen vom Leben werben möchte. Ließt man jedoch die ersten Zeilen der Seite www.zeugenjehovas-ausstieg.de (1) so kommen einem Zweifel über diese Organisation. Die Organisatoren der Aussteigerhilfe schreiben dort: „Mit unseren Informationen wollen wir helfen zu verstehen, dass Zeugen Jehovas keine harmlose Religionsgemeinschaft sind, sondern eine destruktive Sekte, die Familien und Menschen zerstört. Wir wollen ein Bewusstsein schaffen in der Öffentlichkeit für das Schicksal, besonders von Kindern und Jugendlichen bei den „Zeugen Jehovas“.“ Eine ähnliche Analyse finden wir auch in der Dokumentation von Yvonne Rüchel-Aebersold „Aus dem Paradies verstoßen – Ausgestiegen bei den Zeugen Jehovas“ (2). Hier wird dem Zuschauenden das Schicksal von zwei Brüdern näher gebracht. Der eine schaffte den Ausstieg früh, der andere folgt dem Weg seines Bruders erst sehr spät. Aufeinander treffen zwei sich völlig Fremde. Nach dem Ausstieg des Bruders wird dieser aus der Gemeinschaft verbannt und verteufelt. Für die Familie ist es eine Schande und der kleine Bruder glaubt sich nun noch mehr engagieren zu müssen, damit seine Familie beim Harmagedon nicht sterben muss. Harmagedon ist nach den Ideen der Zeugen Jehovas jener Weltuntergang, der alle Ungläubigen vernichten wird, nur die wahrhaften gläubigen Jehovas werden überleben und nach Harmagedon das Paradies auf Erden vorfinden. Der psychische Druck der Sekte wächst auf die Familie. Das dies kein Einzelfall ist, zeigt das Interview in der Süddeutschen Zeitung mit einer Aussteigerin. Sie macht deutlich wie schwer der Ausstieg ist, denn nach ihrem Austritt dürfte die Familie „offiziell“ gar nicht mehr mit ihr sprechen. Die Schande für die Familie wird dadurch verstärkt, dass ihr Vater aus dem Ältestenrat geschmissen wird. Als die junge Frau „zum Wohle aller“ nicht zur Hochzeit ihres Bruders eingeladen wird, bricht sie den Kontakt zur Familie ab (3).

Die Isolation der Mitglieder und die Fernhaltung von Ungläubigen scheint gängiges Geschäft der Zeugen Jehovas zu sein. Ist jedoch nicht gerade die Isolierung von Menschen und das Eindringen in ihre freie Entscheidung ein Eingriff der gegen das Grundgesetz verstößt? Warum kann eine solche Sekte also frei für ihre Gemeinschaft werben?

Vielleicht sollte man das nächste Mal wenn die Zeugen Jehovas klingeln nicht genervt die Türe wieder zuschlagen, sondern kritisch Hinterfragen wer da eigentlich vor einem steht. Warum dürfen Kinder nicht ihren Geburtstag feiern? Warum wird der Kontakt zu Nicht-Zeugen-Jehovas verhindert? Wieso müssen alle Mitglieder immer wieder die selben Bibelzitate auswendig lernen ohne diese Hinterfragen zu dürfen? Wieso ist das missionieren kein freiwilliger Akt, sondern wird von Kontrolleuren überwacht?

Fragen, die man auch an staatliche Stellen richten muss, die den Zeugen Jehovas sogar einen Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts zusprechen. Vielleicht sollte man sich weniger mit der Sekte, aber dafür mehr mit den Opfern auseinandersetzen?

(1) http://www.zeugenjehovas-ausstieg.de/

(2) http://www.3sat.de/page/?source=/ard/sendung/161299/index.html

(3) http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/547188


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