Atomkraftgegner sollen Ökofaschisten sein?

8. Dezember 2011 | Veröffentlicht von Walter Schumacher / mt

Erstaunliche Leserbriefe in der AN&AZ am 5.12.11

Unter der Überschrift „Kollektives Kopfschütteln für die Demonstranten“ hat die Redaktion der ‚Aachener Nachrichten‘ & ‚Aachener Zeitung‘ am 5.12.11 fünf Leserbriefe abgedruckt, in denen die Aktionen gegen die atomaren Castor-Transporte kritisiert werden.

Über die politisch erfolgreichen Castoren-Aktionen Ende November war auch in den AN/AZ berichtet worden. Nach Fukoshima im März wurde die bundesdeutsche Atomlobby durch die Aktionen politisch erneut in die Defensive gebracht.

Solange täglich Atommüll produziert wird, ist es logisch, dass Menschen sich gegen die Lagerung von Atommüll wehren. Erst wenn die Atom-Maffia die Produktion beendet, wird eine Diskussion über die Endlagerung sinnvoll – aber erst dann! Jedenfalls sind deutlich mehr als 2/3 der Bevölkerung GEGEN Atomkraft.

Insofern überraschten die Leserbriefe, ihre Platzierung und die von der Redaktion gewählte Überschrift.

Bei zwei Briefen klingt es ganz so, als ob sie aus einer gemeinsamen Quelle stammen: „ […] Aber was die selbsternannten Aktivisten den dienstverpflichteten Polizisten antun, kann man nur als hochgradig kriminell einstufen. Trotz dieser Gewalttaten waren die Aktionen ohne jeden Erfolg […]“ (G. Kutsch) und „[…] Polizisten waren […] nicht zu ihrem Vergnügen in Gorleben, sondern sie sind verpflichtet, die Transporte zu schützen“ (A. Förster).Übrigens ist hierzu anzumerken, dass die Polizei NICHT zum Schutz vor den, bzw. der Castoren selber eingesetzt wurde, sondern zum Durchknüppeln das Transports von Atommülls durch (gewaltfreie) Menschenblockaden!

Einer der Leserbriefe ist jedoch schockierend.

Dort beschreibt Herr K. Dreesen: „Wer die Szene […] um Gorleben kennt, der weiß, dass [die Demonstranten] nicht an einer sachlichen Aufarbeitung […] interessiert ist, sondern […] mit einer zutiefst staatsfeindlichen Grundeinstellung […] gepaart ist. […] das zerstörerische und kriminelle Verhalten der Demonstranten […] staatsfeindliche Einstellung […] diese totalitäre Form der Öko-Diktatur […] Umwelt-Bewegungen aus Ökostalinisten und Ökofaschisten […] die uns eine neue totalitäre Gesellschaftsform aufzwingen wollen“.

Wenn die Redaktion einer bürgerlichen Zeitung solche Texte unkommentiert veröffentlicht, drängen sich Fragen auf.Ist da jemand auf Texte von Staatsschützer oder gar von Nazis hereingefallen? Könnte es sein, dass zumindest der letzte Schreiber halluziniert? Gibt es irgendwelche Belege, die solche Aussagen rechtfertigen?

Und ist es mit der redaktionellen Seriösität einer bürgerlichen Zeitung tatsächlich zu vereinbaren, so etwas unkommentiert abzudrucken?

 

 

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