Was geschah wirklich am 14. Juni in Paris?

19. Juni 2016 | Veröffentlicht von Ferdi Klein / ws

Einige Berichte zu Frankreich vom 14. Juni 2016

Da die AN immer noch nichts zu Frankreich schreibt, hat Freund aus Frankreich (Ferdi Klein) div. Infos aus französischen Fernsehsendung bzw. Interview in einem Regionalsender für die kraz in einem (zugegebenermaßen unvollständigen) Bericht zusammengestellt. Wir veröffentlichen ihn trotzdem, um auch in Aachen trotz der AN-Zensur wenigstens etwas Wissen über unsere Nachbarn zu vermitteln. Hier …

Sicher ist, dass die Polizei die Demo der Million gezielt in drei Teile „zerschnitten“ hat.
Hier das spätere letzte Drittel mit NPA,SUD-Gewerkschaft und Eisenbahnern sowie einem Block „autonomer Kräfte“: https://www.youtube.com/watch?v=aLJL1XhUr1g
Dieser Demoabschnitt – überwiegend Hafenarbeiter verschiedener Häfen wurde später der mittlere abgeschnittene Teil der Demo. – überwiegend CGT – ein km lang…

Bemerkenswert: Die Trommler spielen den traditionellen „Guillotinemarsch“, der während der Revolution immer bei einer Enthauptung gespielt wurde. https://www.youtube.com/watch?v=86TC4W3B0FQ

Der vordere Teil, nuit debout ,Sud und Anarchogruppen werden massiv angegriffen und zu heftiger Gegenwehr provoziert …
https://www.youtube.com/watch?v=QdXF6zYSRE4
https://www.youtube.com/watch?v=HM9IZCGJ1J4

Hier ist deutlich zu sehen, wie die Polizei die Demo in Teile zerbricht..
https://www.youtube.com/watch?v=ES_Da6vZTow

Nun wird es spannend: ab min 14.23.
Genau auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Polizeidurchbruchs mit dem Wasserwerfer befindet sich das große Kinderkrankenhaus Necker. (An der glatten Fassade zu erkennen). In der Seitenstraße neben dem Krankenhaus parkt die Polizei mehrere Polizeibusse, die von den Anarchos sofort angegriffen werden. Zu gleicher Zeit wird im ersten Stock des Krankenhauses ein Kind operiert.
https://www.youtube.com/watch?v=HM9IZCGJ1J4

Mehrere Scheiben des Krankenhauses bekommen Steine ab, aber keines geht zu Bruch.
Man sieht niemanden mit Gewerkschaftsweste bei den Werfern…
Es gibt den Verdacht, dass die Demo bewusst extra an dieser Kreuzung mit dem Wasserwerfer gespalten wurde und es war zu erwarten, dass die wütenden Demonstranten dann die Busse angreifen und dabei auch das Krankenhausgebäude beschädigen.

Premierminister Valls sagte dann am nächsten Tag im Parlament, dass die Gewerkschaften es geduldet hätten, dass ein Kinderkrankenhaus angegriffen wird und fordert die Gewerkschaften auf, jede weitere Demonstration in Zukunft zu unterlassen, da sie die Demonstranten nicht im Griff hätten. Wieder einen Tag später wird dieser Vorfall vom Innenminister als Anlass genommen, um in Paris alle Demos zu verbieten.

Der CGT Gewerkschaftsvorsitzende Martinez legte im TV Bilder von den Werfern vor und fordert dazu auf, ihm einen einzigen Gewerkschaftskollegen darauf zu zeigen.
Dann wartet er mit einer Überraschung auf: Er meint, es gäbe Fotos, die aufgenommen wurden, als die Werfer ihre Helme nach der Demo abgenommen hätten. Diese Fotos seien der Gewerkschaft „zugespielt“ worden und bei zumindest zwei Personen läge der Verdacht nahe, dass es sich um Polizeiangehörige handele. Als er aufgefordert wird, seine Quelle zu nennen meint er, dass er natürlich den Kollegen und Informanten schützen werde, weil man ja sehe, wie sich die Polizei in diesem Staate unter Notstandsbedingungen verhalten würde.
Da wäre ja der Kollege Journalist sofort eine Zielscheibe des Polizeiapparats. Aber bei allen Medien gäbe es doch in Frankreich gute Journalisten, die doch mal recherchieren könnten, was da wirklich los gewesen sei. Natürlich gehöre dazu schon etwas Professionalität und Mut.
Auf die Frage, ob man beim nächsten Protesttag am 23. Juli die Demoverbote respektieren werde, meinte Martinez, dass die Gewerkschaften sich da noch abstimmen müssten und die Mitglieder fragen müssten.
Er sei jedenfalls gegen die weitere Zerstörung demokratischer Rechte. Es sei schon schlimm genug unter dieser Regierung.

Talkshows und das Netz schäumen nun auf und überschlagen sich geradezu.
Hollandes Umfragewerte sinken mittlerweile auf 12 % . .