Widerstand in Hambach = ein neuer Vietnamkrieg??

9. September 2018 | Veröffentlicht von

1.Akt: Verwirrt – oder suchen die Medien noch eine Strategie bei der Berichterstattung?

Hier ein Beispiel dafür, wie mit bewussten Assoziationen zum Vietnamkrieg „Stimmung“ erzeugt wird:  In einem Artikel von Samstag betreibt ein Christian Schwerdtfeger Hetze gegen den Widerstand im Hambacher Forst. Im Artikel klingt es so, als ob Polizei und/oder Medien gemeinsam diese Hetze betreiben.
Sonntagmittag kommt dann postwendend das Dementi der Polizei – via Bildzeitung (sic!)

Aber der Reihen nach ….

Der Aufmacher in den AN am Samstag (8.9.) lautete:  „Polizei entdeckt Tunnel in Hambach
Das NRW-Innenministerium bereitet einen lang dauernden Großeinsatz vor. Für Beamte gilt Urlaubssperre.“ . Weiter heißt es: „Die Polizei stellt sich auf einen harten und langen Einsatz im Zusammenhang mit den geplanten Rodungen im Hambacher Forst ein. In dem Waldstück wurden ausgeklügelte, von den Gegnern der Abholzung angelegte Tunnelsysteme entdeckt. Der Einsatz werde voraussichtlich bis einen Tag vor Weihnachten dauern, heißt es in einem Erlass des NRW-Innenministeriums, in den unsere Zeitung Einblick nehmen konnte.

Tunnelsystem wie im Vietnamkrieg

weiter geht’s im Bericht: „Die Polizei ist im Hambacher Forst unterdessen auf ausgeklügelte Tunnelsysteme gestoßen, die die Aktivisten angelegt haben. Internen Polizeiakten zufolge, liegen sie in vier Meter Tiefe und sind über gut ausgebaute Einstiegslöcher zu erreichen.
jetzt kommt das Zitat eines (anonymen-bleibenden) „Polizisten“:
Sie dienen den Aktivisten als Rückzugsort, als Schlafstätte, Versteck und vermutlich auch Schmuggelroute, um Waffen und Krawallmacher in den Forst zu bringen“, sagte ein anderer leitender Polizist.
Wie viele solcher Tunnelanlagen es gibt, weiß die Polizei nicht. „Die Sicherheitsbehörden vermuten aber eine höhere Zahl, da die Besetzer sechs Jahre Zeit gehabt hätten, diese anzulegen.“
Und erneut der anonyme Polizeikollege „Die Tunnel erinnern an die unterirdischen Anlagen während des Vietnamkrieges“, erklärt der Polizist. „Dadurch können wir wie aus dem Nichts angegriffen werden.“
Der Artikel endet mit dem angst-erzeugenden Satz: „Den Sicherheitsbehörden liegen Erkenntnisse vor, wonach sich gewaltbereite Linksextreme aus ganz Europa auf den Weg in den Forst machen. Die Bahnhöfe in Köln und Bonn stehen deshalb schon jetzt unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden, um mögliche Gewalttäter zu identifizieren.“

Und dann …

dementiert am Sonntag den 9.9. die Polizei hochoffiziell den Medienbericht. Es liegen „Keine Erkenntnisse“ über Tunnel im Hambacher Forst. In der Bildzeitung (sic!) wird geschrieben:
…Demnach sollten die Tunnel zum Teil in vier Metern Tiefe liegen und über gut ausgebaute Einstiegslöcher erreichbar sein. Ein Beamter berichtete über ein System „ähnlich wie im Vietnamkrieg“. So hatte es die Aachener Nachrichten wörtlich berichtet.
Offenbar hat es eine solche Guerilla-Taktik der Braunkohle-Gegner jedoch nie gegeben: Am Samstag dementierte die Polizei Aachen die Entdeckung eines Tunnelsystems via Twitter. Der Polizei Aachen als „einsatzführender Behörde“ lägen „bislang keine Erkenntnisse über solche Tunnelsysteme“ vor, hieß es. Angaben darüber würden nicht aus „unserem Hause“ stammen.“

Wir staunen über die Medienwelt.

Und diesmal stammt der Hetzartikel nicht von dem bisher bekannten Redakteur Marlon Gego, sondern von Christian Schwerdtfeger. Hier kann man mehr von ihm lesen. Schauen wir mal, ob sich die Berichterstattung über den Hambach-Widerstand doch noch stärker zu einer „Kriegsberichterstattung“ verschiebt. Die bisherigen Artikel von Schwerdtfeger lassen nichts Gutes erwarten!