Wo Fußball noch Fußball ist

15. April 2012 | Veröffentlicht von Jens Wegener / aw

Die Sonne scheint in der Kölner Südstadt, zwar ist es etwas kühl, aber das verdirbt den knapp 2000 Fußballfans diesen Tag nicht, denn es ist Derbyzeit im Südstadion. Der SC Fortuna Köln trifft auf die Amateure des 1. FC Köln.

Die gebeutelte Fortuna spielt seit dieser Saison in der Regionalliga West. Nun fragt sich der ein oder andere, warum schaut man sich Regionalligafußball an? Die Antwort ist erst einmal ganz einfach. Weil es hier um Fußball geht. Aber was steckt dahinter?

Es fängt alles an am Anfang eines Spiels. Wir kommen pünktlich am Südstadion an und gehen erst einmal zum Vereinsheim, um unsere Karten abzuholen. Dort riecht es wunderbar nach frisch gegrilltem Fleisch und Würstchen. Der Präsident macht die Menschen um das Vereinsheim schon mal heiß auf das Derby. Es ist mehr eine große Familie, als ein Finanzunternehmen. Beim Stadioneingang geht es dann weiter, wir müssen nicht irgendeine komische Stadionwährung erwerben, um uns mit Bier und Stadionwurst auszurüsten. Auch die Preise lassen eins erkennen, dass hier nicht der Investmentbanker erwartet wird. Die Menschen, die heute hier sind, kommen wegen ihres Vereins und nicht aus Prestigegründen.

Und so erleben wir ein kämpferische erste Halbzeit, in der Fortuna mit 1-0 in Führung geht. Und da ist es, es fällt ein Tor und man hört kein nerviges, „Dieses Tor wurde ihnen präsentiert von…“ Geplärre. Nein im Südstadion präsentieren uns die Spieler noch selbst ihre Tore, kein Bierunternehmen oder ein Verkehrsunternehmen schießt hier die Tore. Natürlich sieht man auch in der Regionalliga Bandenwerbungen und auf den Trikots ist auch der Schriftzug des Hauptsponsors, aber man hat nicht das Gefühl auf einer großen Werbeveranstaltung zu sein, wo hin und wieder ein bisschen Fußball zu beobachten ist.

Auch in der Halbzeitpause springen keine halbnackten Frauen auf und ab und nerven mehr, als das sie irgendwie einen Sinn erfüllen. Hier im Südstadion trifft man sich an der Würstchenbude und reflektiert das bis jetzt gesehene Spiel. Hier ist Fußball auf der Tagesordnung, keine Marketingstrategie.

Am Ende geht das Spiel 1-1 aus und das nur, weil die Fortuna einmal mehr unter ihrer Chancenverwertung leidet.

Sicherlich würde sich auch in der heilen Fortunawelt einiges ändern, wenn man in die 1. Bundesliga aufsteigen würde, aber das muss es nicht. Denn gerade ein Verein wie Fortuna Köln weiß, wer wirklich wichtig ist im Stadion: die echten Fans! Denn diese sind es, die egal wo der Verein spielt, immer kommen und die Mannschaft anfeuern. Die Sekt-Schlürfer und Sushi-Esser sind die Ersten, die dem Verein den Rücken zukehren, wenn es schlecht läuft. Diese Menschen wissen oft nicht einmal, wie auch nur ein Spieler, der „eigenen“ Mannschaft heißt. Fußball wird zum Geschäftsevent.

Wie schön, dass es noch Orte gibt, wo Fußball einfach nur Fußball ist.

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